Montag, 23. März 2015

Johannes Maria Verweyen, Philosoph, Dichter und NS-Widerstandskämpfer.


J. M. Verweyen
Der bedeutende Bonner Philosoph, Dichter und Widerstandskämpfer Johannes Maria Verweyen wurde am 11. Mai 1883 in Till bei Kleve (heute Bedburg-Hau) geboren, wo er auf einem Bauernhof aufwuchs. Er besuchte zunächst das Königliche Gymnasium zu Kleve, dann ab 1896 das Bischöfliche Collegium Augustinianum Gaesdonck bei Goch und zuletzt ab 1899 das Hohenzollern-Gymnasium in Düsseldorf, wo er 1902 sein Abitur ablegte. Danach studierte er Philosophie, Psychologie, Natur- und Kulturwissenschaften an den Universitäten in Freiburg (Breisgau), Leipzig, Berlin, Straßburg und Bonn. Hier, an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, hörte er vor allem die Vorlesungen des bedeutenden Bonner Philosophen Adolf Dyroff.


Adolf Dyroff
1905 wurde Verweyen an der Bonner Universität mit einer Dissertation zu „Ehrenfried Walter von Tschirnhaus und die Philosophie seiner Zeit“ in Philosophie promoviert. 1908 erfolgte seine Habilitation und 1918, nachdem er einige Jahre als Privatdozent gelehrt hatte, seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Seine Vorlesungen brachten Rekordbesuche, wie beispielsweise gezählte 550 Besucher zu seiner Vorlesung über „Willensfreiheit“. Bald schon war Verweyen einer der meistgehörten Philosophen seiner Zeit. Neben seiner Lehrtätigkeit war er zudem als Dichter, Komponist und Schriftsteller tätig.

In religösen Dingen war Verweyen lange Zeit ein Suchender. Aus dem Katholizismus kommend, doch zeitweise Anhänger der Freimaurerei und des Monismus, wurde er 1927 Mitglied der Theosophischen Gesellschaft Adyar (1928 deren Generalsekretär der Deutschen Sektion). Ein Jahr später ließ er sich durch James Ingall Wedgwood zum Priester der Liberalkatholischen Kirche weihen. Dann, im Mai 1935, hatte Verweyen in Rom ein Erweckungserlebnis während er der Heiligsprechung von Thomas Morus und John Fishers beiwohnte, so dass er sich am 2. Februar 1936 wieder zum römisch-katholischen Glauben bekannte. Dieses Bekenntnis wog schwer, da es zu einer Zeit geschah, als die katholische Kirche bereits der Verfolgungen und dem Druck des nationalsozialistischen Regimes ausgesetzt war. Dennoch veröffentlichte Verweyen seinen Wiedereintritt im Bonner Kirchenblatt und bedauerte dort „seinen Austritt aus der katholischen Kirche als den größten Irrtum seines Lebens“.

Dem Nationalsozialismus stand Verweyen von Beginn an ablehnend gegenüber. Wegen seiner unablässigen, offenen Kritik an den Ideen der Nazis entzog man ihm 1934 zunächst die Lehrerlaubnis. Da er aber weiter öffentliche Vorträge hielt, verbot man 1936 – nach einem Vortrag gegen die nationalsozialistische Rassentheorie – zusätzlich seine gesamten Schriften. Verweyen selbst wurde von der Gestapo unter strenge Überwachung gestellt und am 27. August 1941 während einer Vortragsreise, mit der er sich nun seinen Lebensunterhalt verdiente, in Frankfurt am Main von der Gestapo verhaftet und in das Berliner Polizeigefängnis Alex überführt. Ohne Anklage oder Gerichtsverfahren verschleppte man ihn im Mai 1942 in das KZ Sachsenhausen. Verweyen ließ sich aber auch dort nicht brechen, betätigte sich als Seelsorger für seine Mithäftlinge und hielt selbst im Lager weiter seine Vorträge. Bei der Evakuierung des Lagers am 4. Februar1945 meldete er sich freiwillig zum Transport nach Bergen-Belsen, wo er am 7. Februar 1945 ankam und am 21. März 1945 – kurz vor der Befreiung – an Fleckfieber verstarb.

In Endenich wurde am 24. März 1960 eine Straße nach Verweyen benannt. Die katholische Kirche ehrt ihn als niederrheinischen Märtyrer.

Sonntag, 15. März 2015

Alt-St.-Nikolaus in Kessenich


Foto: Wiki-User Hagman
CC BY-SA 3.0
Die alte Nikolauskirche am Fuße des Venusbergs im Südwesten von Kessenich, heute Alt-St.-Nikolaus genannt, fällt im Gegensatz zu anderen Dorfkirchen durch ihr inhomogenes Äußeres auf. Bereits von außen zeichnen sich bei dieser ungewöhnlichen Kirchenanlage drei zu unterschiedlichen Zeiten errichtete, jeweils von einem Satteldach überfangene Baukörper ab. Den ältesten Teil bildet dabei das barock eingewölbte Hauptschiff mit polygonalem Chorabschluss, über dessen Westgiebel ein einfacher, schieferverkleideter hölzerner Dachturm mit achtseitiger geknickter Pyramide aufragt. Am Fuß des Turms befindet sich ein Kirchenzugang in Form einer einfachen Giebelsturzpforte mit Trachytgewände. Ein zweiter, ebensolcher Zugang ist in der Westwand des südlichen Seitenschiffs eingelassen und mit der Zahl 1750 versehen. Beide unmittelbar angrenzenden Seitenschiffe von unterschiedlicher Breite und Höhe sind innen flachgedeckt, wobei das südliche an seiner Langseite von vier Rundbogenfenstern durchbrochen ist, das nördliche aber von zwei Rundbogen- und einem Rechteckfenster. Am östlichen Ende des kürzeren nördlichen Schiffs befindet sich in einem niedrigeren Anbau die Sakristei, die sich durch ein Pultdach deutlich vom Seitenschiff abhebt.

Foto: Wiki-User Hagman
CC BY-SA 3.0
Die Kessenicher St. Nikolauskirche wird bereits in der „Historia universalis de Ubiorum Ara seu Bonna" des Kanonikus Adolph Sigismund Burman von 1656 erwähnt, der schreibt sie sei „ante 300 circiter annos a nobilibus ibidem habitantibus Schenkh nominatis fundatam“ - also vor etwa 300 Jahren (Mitte des 14. Jahrhunderts) von vornehmen Einwohnern namens Schenkh gegründet worden. Weiter heißt es, Erzbischof Salentin von Isenburg habe 1571 der Kirche einen Taufbrunnen („fons Baptismi“) bewilligt.

Dass die Kirche in ihrem Kern wesentlich älter ist, konnte baugeschichtlich jedoch bei Teilgrabungen im Jahre 1968 festgestellt werden. Damals wurden Fundamente einer schmalen Saalkirche von etwa 5 x 10 Metern mit Bruchstücken römischer Ziegeln nachgewiesen, die aufgrund der Mauerwerkstechnik bereits in das 11. Jahrhundert datiert werden konnten. Ein bis dahin immer wieder vermuteter karolingischer Vorgängerbau ließ sich allerdings archäologisch nicht nachweisen. Ebensowenig ein sehr wahrscheinlich zur Saalkirche gehörender Rechteckchor.

Foto: Wiki-User Hagman
CC BY-SA 3.0
Gesichert ist, dass dem frühen Bau im 12. Jahrhundert eine erste Erweiterung durch die Anfügung des nördlichen Seitenschiffs folgte. Interessanterweise fehlt dieser Anbau auf einer Darstellung von 1569. Das nur 3 Meter breite nördliche Seitenschiff wurde in seiner heutigen Gestalt eindeutig am Ende des 16. Jahrhunderts errichtet. Der dreiseitige Chorabschluss des Hauptschiffs wiederum stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Sakristei dürfte im 17. Jahrhundert ausgebaut worden sein. Als letzte größere Baumaßnahme wurden Mitte des 18. Jahrhunderts das südliche Seitenschiff und möglicherweise auch der zur Kirche gehörende Turm errichtet. Die älteste Glocke stammt von 1791. Das Taufbecken von 1573 weist auf eine zunehmende Unabhängigkeit von der Bonner Mutterpfarre St. Martin hin, wo eigentlich die Taufen für den Ort Kessenich stattfanden. Diese Martinskirche, ein Rundbau aus dem 9. Jahrhundert, befand sich unmittelbar vor der Münsterkirche, am heutigen Martinsplatz, wo jetzt der Umriss der Kirche im Pflaster sichtbar ist. Von Alt-St.-Nikolaus zogen die Kessenicher bei Hochzeiten und Taufen hinunter ins Bonner Tal bis zur eigentlichen Pfarrkirche. Noch heute ist der Straßenverlauf anhand des deswegen sogenannten „Bonner Talwegs“ nachvollziehbar.

Am 19.9.1891 ging das Patrozinium mit der Weihe der neu errichteten Pfarrkirche auf diese über und die alte Kirche wurde geschlossen.
 

Mittwoch, 4. März 2015

Das Kriegerdenkmal in Kessenich


Kriegerdenkmal Kessenich
Foto: J. Niesen, 2012

In der Kessenicher Nikolausstraße steht ein etwas ungewöhnliches Denkmal in Form eines Rondells, aus dessen Mitte eine große Linde herausragt. Sechs 2,40 m hohe Muschelkalkpfeiler mit quadratischem Grundriss sind auf einem mehrfach gestuften, in der Mitte offenem, runden Sockelring von etwa 4 m Durchmesser kreisförmig in gleichen Abständen angeordnet. Sie tragen einen ringförmigen Architrav, der nach oben mit einem einfachen, weit auskragenden und mit einem Zahnschnitt versehenen Kranzgesims abschließt, so dass eine Gesamthöhe von etwa 3,10 m erreicht wird. Der Architrav trägt als Aufschrift in schlichten Versalien die Worte aus dem Johannes-Evangelium: Niemand zeigt größere Liebe, denn der sein Leben lässt für seine Freunde.

Die Muschelkalkpfeiler zeigen auf ihren drei Außenseiten die Inschriftenreihen der Gefallenen aus den drei letzten deutschen Kriegen mit den dazugehörigen Jahreszahlen. Zudem ist auf einem der Pfeiler zu lesen: Unvergessen bleiben die 110 Vermissten unserer Ortsgemeinschaft auf deren Heimkehr zur Zeit der Errichtung dieses Males noch gehofft wird. Dankbares Gedenken verbindet uns auch mit den Kriegsopfern unserer neuen Mitbürger in Kessenich.
Am oberen Ende der Pfeiler befindet sich jeweils zur Schauseite hin ein in Stein gemeißelter neusachlicher Soldatenkopf mit Wehrmachtshelm. Unten sind die Pfeiler mit schmiedeeisernen Gittern verbunden, die jeweils mittig von einem Eisernen Kreuz geziert werden

Kriegerdenkmal Kessenich
Foto: J. Niesen, 2012
Den Ursprung des Kriegerdenkmals bildet eine kurz nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 für vier gefallene Kessenicher Soldaten gepflanzte Linde, die zunächst Sieges- und später Friedenslinde genannt wurde. 1926 ließ der Kessenicher Kriegerverein mit Spendengeldern aus der Bevölkerung den Baum durch ein Krieger-Ehrenmal umschließen, dass die Namen der 279 Kessenicher Toten des Ersten Weltkriegs trug. Eingeweiht wurde das von Stadtbaurat Behr entworfene und durch die Firma Walbrück & Schlösser ausgeführte Denkmal am 1. Mai 1926 mit einer nächtlichen Feierstunde unter großer Beteiligung der Bevölkerung. Fahnenabordnungen von 25 Vereinen des Kreis-Kriegerverbandes Bonn waren erschienen, ebenso wie der Bonner Oberbürgermeister und Mitglieder der Stadtverwaltung. Der Kessenicher Gesangverein sang „in jeder Beziehung lobenswert“, wie es in der Deutschen Reichszeitung vom 3.5.1926 hieß. Der Instrumentalverein spielte Beethovens Trauermarsch aus der „Erocia“. Bei der anschließenden Kranzniederlegung unter 18 Böllerschüssen spielte ein Bläserquartett das damals obligatorische Soldatenlied „Ich hatt' einen Kameraden“.

Kriegerdenkmal Kessenich, Detail
Foto: J. Niesen, 2012
1956 wurde die Inschrift durch die Namen der 380 im Zweiten Weltkrieg getöteten Kessenicher erweitert und um die Namen der 110 Vermissten ergänzt. Seit 1991 steht das Ehrenmal unter Denkmalschutz.

Das in klarem, neusachlichem Stil erbaute Rondell ist von hoher architektonischer Ästhetik und gehört besonders wegen seiner mehr als 140 Jahre alten Linde zu den schönsten Denkmälern Bonns. Nicht zuletzt wegen der nüchternen und wohltuend unpathetischen Gestaltungsweise verbindet sich hier das Angedenken an die Toten auf einfühlsame Weise mit dem Symbol für Lebenskraft, Wachstum und Segen: dem Baum. Der Zyklus der Natur, von den absterbenden Blättern im Herbst bis zum neuen Grün im Frühling, wird dabei als christliche Hoffnung auf die Auferstehung gedeutet. Der Anblick des Monuments mit der im Inneren stehenden Linde bietet im Wechsel der Jahreszeiten einen ganz besonderen Reiz.



Literatur: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Edition Lempertz, Königswinter 2013.