Sonntag, 15. März 2015

Alt-St.-Nikolaus in Kessenich


Foto: Wiki-User Hagman
CC BY-SA 3.0
Die alte Nikolauskirche am Fuße des Venusbergs im Südwesten von Kessenich, heute Alt-St.-Nikolaus genannt, fällt im Gegensatz zu anderen Dorfkirchen durch ihr inhomogenes Äußeres auf. Bereits von außen zeichnen sich bei dieser ungewöhnlichen Kirchenanlage drei zu unterschiedlichen Zeiten errichtete, jeweils von einem Satteldach überfangene Baukörper ab. Den ältesten Teil bildet dabei das barock eingewölbte Hauptschiff mit polygonalem Chorabschluss, über dessen Westgiebel ein einfacher, schieferverkleideter hölzerner Dachturm mit achtseitiger geknickter Pyramide aufragt. Am Fuß des Turms befindet sich ein Kirchenzugang in Form einer einfachen Giebelsturzpforte mit Trachytgewände. Ein zweiter, ebensolcher Zugang ist in der Westwand des südlichen Seitenschiffs eingelassen und mit der Zahl 1750 versehen. Beide unmittelbar angrenzenden Seitenschiffe von unterschiedlicher Breite und Höhe sind innen flachgedeckt, wobei das südliche an seiner Langseite von vier Rundbogenfenstern durchbrochen ist, das nördliche aber von zwei Rundbogen- und einem Rechteckfenster. Am östlichen Ende des kürzeren nördlichen Schiffs befindet sich in einem niedrigeren Anbau die Sakristei, die sich durch ein Pultdach deutlich vom Seitenschiff abhebt.

Foto: Wiki-User Hagman
CC BY-SA 3.0
Die Kessenicher St. Nikolauskirche wird bereits in der „Historia universalis de Ubiorum Ara seu Bonna" des Kanonikus Adolph Sigismund Burman von 1656 erwähnt, der schreibt sie sei „ante 300 circiter annos a nobilibus ibidem habitantibus Schenkh nominatis fundatam“ - also vor etwa 300 Jahren (Mitte des 14. Jahrhunderts) von vornehmen Einwohnern namens Schenkh gegründet worden. Weiter heißt es, Erzbischof Salentin von Isenburg habe 1571 der Kirche einen Taufbrunnen („fons Baptismi“) bewilligt.

Dass die Kirche in ihrem Kern wesentlich älter ist, konnte baugeschichtlich jedoch bei Teilgrabungen im Jahre 1968 festgestellt werden. Damals wurden Fundamente einer schmalen Saalkirche von etwa 5 x 10 Metern mit Bruchstücken römischer Ziegeln nachgewiesen, die aufgrund der Mauerwerkstechnik bereits in das 11. Jahrhundert datiert werden konnten. Ein bis dahin immer wieder vermuteter karolingischer Vorgängerbau ließ sich allerdings archäologisch nicht nachweisen. Ebensowenig ein sehr wahrscheinlich zur Saalkirche gehörender Rechteckchor.

Foto: Wiki-User Hagman
CC BY-SA 3.0
Gesichert ist, dass dem frühen Bau im 12. Jahrhundert eine erste Erweiterung durch die Anfügung des nördlichen Seitenschiffs folgte. Interessanterweise fehlt dieser Anbau auf einer Darstellung von 1569. Das nur 3 Meter breite nördliche Seitenschiff wurde in seiner heutigen Gestalt eindeutig am Ende des 16. Jahrhunderts errichtet. Der dreiseitige Chorabschluss des Hauptschiffs wiederum stammt aus dem 14. Jahrhundert, die Sakristei dürfte im 17. Jahrhundert ausgebaut worden sein. Als letzte größere Baumaßnahme wurden Mitte des 18. Jahrhunderts das südliche Seitenschiff und möglicherweise auch der zur Kirche gehörende Turm errichtet. Die älteste Glocke stammt von 1791. Das Taufbecken von 1573 weist auf eine zunehmende Unabhängigkeit von der Bonner Mutterpfarre St. Martin hin, wo eigentlich die Taufen für den Ort Kessenich stattfanden. Diese Martinskirche, ein Rundbau aus dem 9. Jahrhundert, befand sich unmittelbar vor der Münsterkirche, am heutigen Martinsplatz, wo jetzt der Umriss der Kirche im Pflaster sichtbar ist. Von Alt-St.-Nikolaus zogen die Kessenicher bei Hochzeiten und Taufen hinunter ins Bonner Tal bis zur eigentlichen Pfarrkirche. Noch heute ist der Straßenverlauf anhand des deswegen sogenannten „Bonner Talwegs“ nachvollziehbar.

Am 19.9.1891 ging das Patrozinium mit der Weihe der neu errichteten Pfarrkirche auf diese über und die alte Kirche wurde geschlossen.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen