Dienstag, 26. August 2014

26.9.1914: 100. Todestag von August Macke, dem bedeutenden Bonner Maler und begründer des Rheinischen Expressionismus'

August Macke
Selbstporträt, 1909
August Macke, am 3.1.1887 in Meschede als drittes Kind eines Bauunternehmers geboren, wuchs die ersten Lebensjahre in Köln auf, bis die Familie im Jahr 1900 nach Bonn umsiedelte. Hier besuchte er das Realgymnasium, dass er 1904 gegen den Willen seines Vaters verließ, um auf Empfehlung des bereits damals überregional bekannten Kunsthistorikers Paul Clemen ein Kunststudium an der Düsseldorfer Kunstakademie zu beginnen. Der konservativen Lehrmethoden bald überdrüssig, besuchte er daneben Abendkurse bei Prof. Fritz Helmuth Ehmcke an der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, wo im Gegensatz zum akademistischen Zeichnen die Bewegungsstudie zentrales künstlerisches Thema war. Durch seinen engen Bonner Freund Wilhelm Schmidtbonn, zu dieser Zeit Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus, wurde Mackes Interesse für die Bühne geweckt, und er begann, Bühnenbilder und Kostüme zu entwerfen.

Mackes Wohnhaus mit Atelier
in der Bornheimer Straße
Foto: Wiki-User Tohma
Anlässlich seiner Parisreise im Jahre 1907 setzte Macke sich mit dem Impressionismus auseinander und nahm kurzzeitig in Berlin Unterricht bei Lovis Corinth, kehrte jedoch 1908 nach Bonn zurück, wo er nach seinem einjährigen Militärdienst Elisabeth Gerhard heiratete, die Tochter eines Bonner Fabrikanten (das Unternehmen besteht noch heute in der 5. Generation), deren Familie ihm weitere Reisen nach Italien und Paris sowie einen längeren Aufenthalt mit seiner Frau am Tegernsee ermöglichte. Die Bilder aus der Zeit spiegeln den direkten Eindruck der Fauves mit ihren klaren und großflächig nebeneinander gesetzten Formen wieder. 1910 erfolgte ein Atelierbesuch bei Franz Marc, der ihre enge Freundschaft begründete. Seit November desselben Jahres wieder in Bonn ansässig, wurde Paul Adolf Seehaus sein einziger Schüler. Obwohl 1911 Mitbegründer der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, an deren erster Ausstellung er teilnahm, blieb Macke ihr künstlerisch dennoch auf Distanz. 1912 nahm er an der Sonderbund-Ausstellung in Köln teil und stellte in der Galerie Thanhausser in München aus.



Elisabeth Macke, 1909
Hutladen, 1914
(es handelt sich um Hut-Weber
an der Ecke Marktplatz)

Einer Begegnung mit Delaunay, dessen kubistische Malweise von nun an bestimmend in Mackes Werk wurde, folgte ein künstlerisch schaffensreiches Jahr und 1913 die Organisation der legendären ersten „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“ in der Bonner Kunsthandlung Cohen, womit Macke die Zusammenführung der fortschrittlichsten, für den Aufbruch in die Moderne stehenden, jungen Künstlerinnen und Künstler des Rheinlands gelang. Auf seiner gemeinsamen Tunisreise mit Paul Klee und Louis Moilliet entstanden 1914 eine Reihe Aquarelle, die heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der Klassischen Moderne zählen. Im August 1914 wurde Macke zum Kriegsdienst eingezogen und fiel bereits nach wenigen Wochen, am 26.9.1914, bei einem schweren Gefecht bei Perthes-lès-Hurlus in der Champagne, wo er auf dem Soldatenfriedhof von Souain begraben wurde.

1999 wurden ihm und seiner verstorbenen Frau auf dem Alten Friedhof in Bonn ein Gedenkstein nach den Entwürfen seines Enkels Til Macke errichtet (entgegen einer häufig kolportierten Behauptung handelt es sich dabei aber nicht um ein Ehrengrab der Stadt Bonn). Die Stadt Bonn ehrte ihn durch die Benennung des August-Macke-Platzes und der Mackestraße, beide in der Nordstadt.

Promenade, 1913
Marienkirche, 1913

August Macke gehört zu den herausragenden Künstlern der Klassischen Moderne und gilt als die zentrale Künstlerpersönlichkeit im Rheinland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Seine bedeutende künstlerische Leistung bestand in der besonderen Behandlung der Farbe und der Herausstellung ihrer Leuchtkraft als Mittel der Komposition. Trotz seines frühen Tods und daher bedingten kurzen Schaffensphase schuf er ein umfangreiches Werk von etwa 11.000 Werken, darunter mehr als 500 Gemälde und ebensoviele Aquarelle. In seinem Nachruf schrieb Franz Marc, der nur zwei Jahre später ebenfalls fallen sollte: „Er hat vor uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Wesen war“.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Sonntag, 24. August 2014

24.9.1914: 100. Todestag des ehemaligen Godesberger Bürgermeisters Anton Dengler


Anton Dengler
Anton Dengler wurde am 17.1.1852 in Osterhofen geboren und schlug zunächst die Offizierslaufbahn ein, die ihm den Roten Adlerordens IV. Klasse einbrachte. Nach seiner Entlassung wählte er die Verwaltungslaufbahn, die er in den 1870er Jahren als Volontär in der Gemeinde Poppelsdorf begann. 1880 übernahm Dengler das Amt des Bürgermeisters von Bornheim, bevor er am 26.9.1888 durch Erlass des Oberpräsidenten der Rheinprovinz zum Bürgermeister der Landbürgermeisterei Godesberg ernannt und kurz darauf zugleich zum Standesbeamten bestellt wurde. Denglers oberstes Anliegen war eine stärkere Zusammenfassung der noch recht zusammenhanglosen Einzelgemeinden. So konnte beispielsweise 1899 durch die Eingemeindung von Rüngsdorf und Plittersdorf der unmittelbare Zugang zum Rhein geschaffen werden, was für Godesberg eine wichtige verkehrstechnische Errungenschaft bedeutete und entschieden mehr Gäste in den Ort brachte. Mit dem Bau der neuen Landungsbrücke konnten erstmals Dampfer anlegen und Dengler ließ bis 1910 eine zweieinhalb Kilometer lange Rheinpromenade anlegen. Auch den Kurpark ließ er nach dem Erwerb privater Gärten anlegen. Sein eigenes, elegantes Wohnhaus lag ebenfalls an der Südseite des Parks (Eckhaus Koblenzer Str./Friedrich Ebert-Straße). In diese Zeit fiel auch der Bau des Jugendstil-Bahnhofs und die Verbindung Godesbergs mit Bonn durch die Dampfstraßenbahn (1891), die 1911 durch eine elektrische Bahn ersetzt wurde.

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Bahnhofsgebäude
Foto: Wiki-User CC BY-SA 3.0
Elektrische Straßenbahn, Godesberg

Ebenso trieb Dengler die Eingemeindungen Friesdorfs (1904) und Muffendorfs (1915) voran, was wiederum zum Ausbau des Straßennetzes und der Schaffung einer Kanalisation führte. Unter Denglers Aegide – seit 1912 war er auch Hafenkommissar für das Landungsgebiet der Gemeinde Godesberg – wurde zudem die Freiwillige Feuerwehr gegründet, ein gemeindeeigenes Elektrizitätswerk, das Wasserwerk sowie die Müllabfuhr geschaffen, eine Badeanstalt am Rhein eröffnet und der Schlachthof in Betrieb genommen. Für die Entwicklung Godesbergs war Denglers Arbeit von unschätzbarem Wert. In den 27 Jahren seiner Amtszeit wuchs die Bevölkerungszahl von 9.000 auf über 23.000 Einwohner an. Nahezu alle heute noch vorhandenen Versorgungseinrichtungen gehen auf Bürgermeister Dengler zurück, der das Amt bis zu seinem Tod inne hatte.

Ehrengrab Denglers
Am 24.9.1914 starb er, erst 62-jährig, nach langer Krankheit in Godesberg, nachdem er kurz zuvor seinen einzigen Sohn in den ersten Tagen des Ersten Weltkriegs verloren hatte. Noch ein Jahr zuvor hatten ihn die Godesberger Bürgerinnen und Bürger zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum mit einem Fackelzug und einem großem Fest geehrt. Bereits 1899 war – sehr ungewöhnlich zu Lebzeiten – eine Straße und ein Platz nach ihm benannt worden. Nun, nach seinem Tod, erhielt er ein Ehrengrab auf dem Burgfriedhof.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Freitag, 22. August 2014

Der Alte Friedhof – bedeutende Grabmäler

Christian Daniel Rauch
Foto um 1855
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand neben den öffentlichen Denkmälern in der Sepulkralkunst das Grabmal als kleines Denkmal des gehobenen Bürgertums, das dessen Ansprüchen und finanziellen Mitteln entsprach. Im Mittelpunkt der Grabplastik stand die individuelle Würdigung des Verstorbenen und seines Lebenswerks, in Ausdruck und Form ganz der klassisch-humanistischen Bildung entsprechend. So knüpfte das Grabmal, zunächst noch geprägt vom Klassizismus, bald an die hochgeschätzte Epoche der griechischen Antike an, ließ deren architektonische Formensprache wiedererstehen und zeigte die Dargestellten gerne in antikisierendem Gewand oder idealer Nacktheit. Ein Beispiel dafür ist der bedeutende Bildhauer Christian Daniel Rauch, dem in seinen frühen Grab- und Denkmälern auf besondere Weise die Verschmelzung von Idealität und Realität gelang, womit er den sogenannten „Berliner Denkmalstil“ begründete. In Bonn ist er mit mehreren Werken vertreten, z. B. mit der Lenné-Büste am Alten Zoll, einer Porträtbüste von Friedrich Wilhelm III. in der Universität sowie auf dem Alten Friedhof mit den Grabmälern von der Familie Frank, von Sulpiz Boissereé und von dem Ehepaar Niebuhr, dessen Grabanlage ich hier ausführlich besprechen werde.

Barthold G. Niebuhr
Barthold Georg Niebuhr (1776–1831), gebürtiger Däne, war ein bedeutender Historiker und Hofhistoriograph der Preußischen Akademie der Wissenschaften. 1816–1823 Gesandter Preußens im Vatikan, lehrte er seit 1825 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, wo er die philologisch-kritische Methode in der Geschichtswissenschaft begründete. Er gilt als der wohl bedeutendste Gelehrte in der Geschichte der Bonner Universität. Nur neun Tage nach seinem Tod starb auch seine Frau Margarete, die bei ihm bestattet wurde.

Zunächst wurde den Eheleuten auf dem Alten Friedhof ein einfaches Grabmal vom Bonner Baumeister Ludwig Lunde errichtet, doch folgte man schon bald der Idee des schwärmerischen Kronprinzen Friedrich Wilhelms IV., ehemals Schüler Niebuhrs an der Bonner Universität, zu einer repräsentativen Neugestaltung des Grabs durch den Berliner Baumeister Carl Friedrich Schinkel. Da Niebuhr zu Lebzeiten in der Bibliothek des Domkapitels von Verona als Sensationsfund die „Institutionen des Gajus“ entdeckt hatte, stellte Schinkel in seiner Grundidee den Bezug zu Verona her, indem er auf den sogenannten veroneser Wandgrab-Typus des Trecento zurückgriff (Wandgräber sind typisch für Italien, in Deutschland waren sie aber eher unbekannt. Die Wandgräber von Verona zeichneten sich im „Trecento“, dem 14. Jahrhundert, vor allem durch eine über die Wandfläche herausragende Ädikula – einer Art kleinem Tempelchen – mit einem von Säulen getragenen Dreiecksgiebel aus).

Grabmal der Eheleute Niebuhr
Daran angelehnt schuf Schinkel nun ein antikisierendes, in drei Felder gegliedertes Wandgrab, wobei der mittlere Teil aus einer in der Höhe herausragenden Ädikula besteht, deren mit einem einfachen Dreiecksgiebel abgeschlossenen Rundbogen von zwei auf Engelskonsolen ruhenden Pilastern und Säulen mit korinthischen Kapitellen getragen wird. Die Decke des Tonnengewölbes ist mit Kassetten versehen. Auf der Plinthe (Grundplatte) der Ädikula ruht ein mit einem Bildnisrelief des Ehepaars Niebuhr versehener antikisierender Scheinsarkophag unter einem marmornen Christusmedaillon, das mit einer kreisförmigen Umschrift aus dem Johannesevangelium versehen ist. Über dem Rundbogen befindet sich halbkreisförmig der Bibelvers „Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige“, auf dem Scheitel bekrönt von dem Christusmonogramm mit den griechischen Buchstaben Α und Ω.


Eheleute Niebuhr, Bildnisrelief von
Christian Daniel Rauch
Christusmedaillon





Das halbfigurige Marmorrelief des Ehepaars Niebuhr – übrigens das früheste neuzeitliche Grabmal, auf dem ein Ehepaar thematisiert wurde – schuf der schon oben genannte Schadow-Schüler Christian Daniel Rauch. Zwar hatte er bereits 1838 mit dem Doppelbildnis begonnen, doch zogen sich die Arbeiten noch bis 1841 hin. Das Bildnisrelief gibt sich zwar durchaus „antik“, doch im Gegensatz zur echten Antike ist es, typisch für die sensible Romantik des 19. Jahrhunderts, im Ausdruck wesentlich tiefer empfunden. In griechische Gewänder gehüllt reicht sich das Ehepaar, sich zärtlich den Blick zuwendend, zum letzten Abschied still die Hände. Die Gesichtszüge gestaltete Rauch nach Schattenrissen, Ölbildern und Niebuhrs Totenmaske zwar realistisch aber nicht frei von Idealisierung.

Grabmal Niebuhrs, Aquarell von Christian Hohe, 1842

Diese ganz herausragende spätklassizistische Grabanlage, antike und christliche Stilformen vereinend und unter dem Zeichen des Erlösers stehend, umgeben von einem wunderbaren auf eine Zeichnung Schinkels zurückgehenden Eisengitter, gilt als das bedeutendste Kunstwerk des Alten Friedhofs. Kongenial vereinen sich hier die Architekturformen Schinkels mit der Bildhauerkunst Rauchs zu einem Werk von ausgemacht edler Schönheit.

Nachzulesen ist dieser Artikel ausführlicher in: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Königswinter 2013. Dort finden Sie auch genaue Erläuterungen zu allen kunsthistorischen Begriffen sowie einen genauen Überblick über die Bonner Denkmäler.

Sonntag, 17. August 2014

Der Alte Friedhof

Alter Friedhof
Foto: Hans Weingartz
Waren im Mittelalter Begräbnisstätten noch ein Mittelpunkt des öffentlichen Lebens (der Friedhof der alten St. Remigiuskirche lag beispielsweise am heutigen Remigiusplatz), so führte die zunehmende Angst vor einer gesundheitlichen Gefährdung durch die Toten, oft ausgelöst durch Verseuchungen des Brunnenwassers, im 18. Jahrhundert zu Neuanlagen von Friedhöfen außerhalb der Stadtmauern. Eine dieser Anlagen ist der sogenannte Alte Friedhof – heute im Zentrum der Stadt, damals weit vor dem Sterntor gelegen – dessen älteste Grabstätten auf das Jahr 1715 zurück gehen. In den überlieferten Quellen wird er erstmalig in einer von Kurfürst Clemens August erlassenen Trauerordnung vom 25.3.1725 als ein von seinem Vorgänger Joseph Clemens eingerichteter Begräbnisort für „Soldaten, arme Leuth (und) Fremde“ erwähnt. Durch Erlass vom 5.4.1787 wurde er nach der endgültigen Schließung der innerstädtischen Pfarrkirchhöfe zum allgemeinen Friedhof für alle Bürger. Aus dieser Zeit stammt auch die erste Einfriedung des Terrains mit einer Mauer.

Grab der Eheleute
Niebuhr
Grab August Mackes

Grab von Ch. Schiller
und ihrem Sohn Ernst


















Im 19. Jahrhundert musste das Areal mehrfach erweitert werden, bis es nach der letzten Erweiterung 1876 die heutige Größe von drei Hektar erreicht hatte. 1884, nach Eröffnung des Nordfriedhofs, wurde der Alte Friedhof offiziell geschlossen und steht seitdem nur noch in Einzelfällen für Begräbnisse zur Verfügung. In seiner fast 300jährigen Entwicklung wandelte der Ort sich vom Soldatenfriedhof zu einem der kulturhistorisch bedeutendsten Friedhöfe Europas. Neben den Grabstätten von Barthold Niebuhr und seiner Frau, August von Schlegel, Friedrich Dahlmann, Ernst Moritz Arndt, August Macke, Charlotte und Ernst von Schiller sowie Maria Magdalena van Beethoven, der Mutter des Komponisten, ist die herausragendste Grabstätte die des Komponisten-Ehepaars Clara und Robert Schumann. In der Sepulkralplastik, vertreten durch so maßgebliche Bildhauer wie Bernhard Afinger, Adolf Donndorf, Robert Cauer, Hermann Heidel und Christian Daniel Rauch, wurden Grabmale von zum Teil enormen künstlerischen Wert geschaffen.

Grab Argelanders
von R. Cauer
Schumann-Grab
von A. Donndorf
Grabmal Plückers
von A. H. Küppers














Ein kunsthistorisches Kleinod bildet zudem die aus dem 13. Jahrhundert stammende St. Georgskapelle, die 1844 von ihrem Ursprungsort (als Teil der Kommende Ramersdorf) zum Alten Friedhof transloziert wurde. Von hohem gestalterischem Wert ist auch die auf Peter Joseph Lenné zurückgehende Parkanlage mit ihrem mehr als 150 Jahre alten Baumbestand.

Georgskapelle
Foto: Hans Weingartz

Mittwoch, 13. August 2014

13.8.1953: Todestag des Godesberger Filmschauspielers Paul Kemp


Paul Kemp,
Autogrammkarte
Der bekannte Komiker und Filmschauspieler Peter Paul Kemp wurde am 20.5.1896 im damals noch eigenständigen Godesberg (den Zusatz „Bad“ bekam der Ort erst 1925) geboren.
Nach einer Ausbildung an der Baugewerbeschule in Köln begann der Sohn eines Musilklehrers im Ersten Weltkrieg in einem Soldaten-Ensemble zu schauspielern. Seit 1919 nahm er – übrigens gemeinsam mit Gustaf Gründgens – privaten Unterricht bei Louise Dumont in Düsseldorf und bekam, nach glänzend bestandener Schauspielschule, sein erstes Engagement an den Hamburger Kammerspielen, wo er als „Jugendlicher Komiker“ in den entsprechenden Shakespeare-Rollen brillierte. Seine Paraderolle wurde jedoch „Charleys Tante“, deren Titelrolle er über 180 Mal spielte. Anschließend folgte ein Engagement in Berlin am Theater Max Rheinhards, wo er neben Gründgens spielte.

Filmplakat zum Film
"Der Kleinstadtpoet"
1930 gelangte Kemp zum Film und gewann mit seinem leicht verschmitzten Humor schnell die Herzen des Publikums. Schon bald gehörte „Paulchen Kemp“, wie er nun liebevoll genannt wurde, zu den beliebtesten deutschen Filmkomikern. Gemeinsam mit den berühmtesten Schauspielern seiner Zeit, wie Heinz Rühmann, Willy Fritsch oder Peter Lorre, spielte er in vielen bekannten Filmen, darunter 1931 in Wilhelm Pabsts „Die Drei-Groschen-Oper“ (1931), im selben Jahr in Fritz Langs „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ und 1936 an der Seite von Lilian Harvey in „Glückskinder“. 1940 spielte er die Titelrolle im Film „Der Kleinstadtpoet“.

Filmplakat zum Film "Kornblumenblau",
Kemp 3. v. links
Während der NS-Zeit gehörte er zu Hitlers Lieblingsschauspielern und kam – obgleich selbst kein Anhänger des Nationalsozialismus – auf die „Gottbegnadeten-Liste“. Nach dem Krieg spielte er vorwiegend Tourneetheater und war nur noch in wenigen Filmen präsent. Seine beiden letzten Rollen spielte er 1953 in Axel von Ambessers Film „Glück muss man haben“ und an der Seite von Karlheinz Böhm und Gert Fröbe in „Salto Mortale“.

"Dir zuliebe", 1944, mit Winnie Markus
und Hans Holt

Paul Kemp

Am 13.8.1953 starb er in der Bonner Universitätskliniken an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs. Sein Grab befindet sich auf dem Burgfriedhof in Bad-Godesberg. 1978 wurde die Straße, in der sein Geburtshaus stand, in Paul-Kemp-Straße umbenannt.
Durch seine betont rheinische Art, die er in über 100 Filmen zeigte, war Paulchen Kemp zu einem echten Volksschauspieler geworden.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011. 

Mittwoch, 6. August 2014

Bonner Stadtbefestigung: Alter Zoll

Alter Zoll ist die heutige Bezeichnung für die letzte noch vorhandene barocke Bastion Bonns, die ursprünglich einen Teil der Stadtbefestigung bildete. Neue Waffentechniken machten zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Umbau und die Verstärkung der mittelalterlichen Stadtmauern, die zurückgeht auf das Mauerbauprivileg von 1244, durch aufwändigere Befestigungen notwendig. Im Zuge dessen wurde auch die Stadt Bonn ab 1622 mit ursprünglich drei, später auf 10 erweiterte Bastionen umgeben. Bis 1642 wurde dabei das südliche Ende der mittelalterlichen Rheinmauer mit dem aus der Renaissance stammenden Zollhaus zur sogenannten „Zollbastion“ ausgebaut.

Alter Zoll,
Bildnachweis: CC-BY-SA-2.0-de
Abraham Storck,
Bonner Rheinufer mit Zollhaus
Original: StadtMuseum Bonn
Das Zollhaus war ein prächtiger Renaissancebau, der unter Kurfürst Salentin von Isenburg nach 1567 errichtet worden ist, um den Rheinzoll zu erheben. Als es unter seinem Nachfolger Gebhard Truchseß von Waldburg zum Kölnischen Krieg kam, wurde die mittelalterliche Wehranlage verstärkt und – nach der Einnahme der Stadt durch Ernst von Bayern – 1584 neben dem Zollhaus eine sogenannte Katze, also ein vorgelagerter Erdwall, errichtet, auf dem 1586 die städtische Windmühle erbaut wurde (sehr gut zu erkennen auf dem Plan von Peter Pannensmit aus dem Jahr 1588).
 
Pannensmit-Plan,
Ausschnitt




Merian-Plan,
Ausschnitt


Die nächsten Jahrzehnte verliefen ruhig, bis im 30jährigen Krieg der Einmarsch Hessischer Truppen drohte, woraufhin General Hatzfeld auf Anordnung Kurfürst Ferdinands von Bayern ab 1642 am Zoll schanzen ließ. Die dazu benötigten Ziegel und Basaltquader ließ er per Schiff aus den Steinbrüchen an der Erpeler Ley und bei Unkel kommen. Auch Teile der südlichen Rheinmauer (der sogenannten Herrenmauer) wurden zum Bau der neuen Zollbastion verwandt. Das Bauland war eine Schenkung des St. Cassiusstifts. Der Merianplan von 1646 gibt die Situation mit den vollendeten Bollwerken wieder.

Festungstor mit Husarendenkmal
Bildnachweis: CC BY-SA 3.0
Alter Zoll, AK 1959,
eigene Sammlung













Die Zollbastion war in typisch italienischer Manier der älteren Schule als sogenannte halbe Bastion erbaut worden. Sie ist flächenmäßig klein, mit kurzen Flanken und 15 Meter aufragenden 80° steilen Facen. Das Festungsterrain ist nach drei Seiten von einer Brustwehr umgeben. Die Mauern bestehen aus Ziegeln, Trachyt- und Basaltquadern. Um 1650 wurde am südlichen Aufgang ein wuchtiges Festungstor aus Sandsteinquadern eingelassen. Inwändig befindet sich ein 3 Meter breiter und hoher Gang, der für die Treidelzugtiere gedacht war. Später wurde er zugemauert und als Pulvermagazin benutzt. Heute ist der noch erhaltene Gang durch das Husarendenkmal von 1956 verschlossen.

Alter Zoll, AK um 1900,
eigene Sammlung



Alter Zoll, AK 1912,
eigene Sammlung
 














Der kaiserliche Ingenieur Gabriele Conte Vecchia ließ ab 1674 die Bonner Festungswerke noch einmal ganz erheblich verstärken. Dabei wurden zwischen Zollbastion und Bastion Ferdinand ein sägezahnförmiger gedeckter Weg sowie zwischen Zollbastion und Stockentor ein Ravelin (Außenwerk) errichtet. An der Zollbastion diente eine Zugbrücke der Verbindung zum gedeckten Weg. 1688 erfolgte ein weiterer Ausbau der anderen Befestigungsanlagen, so dass bei Beginn des Pfälzer Erbfolgekriegs 1689 die kleine Zollbastion mittlerweile das schwächste Werk war.

Die letzte Festungsbauperiode fiel in den Spanischen Erbfolgekrieg und war eher durch Planlosigkeit gekennzeichnet. 1702 erhielten die Bastionen neue Namen, wobei die Zollbastion in Dreikönige-Bastion umbenannt wurde. Zu einem Aus- oder Umbau des Werks kam es jedoch nicht.

Als im Utrechter Frieden von 1713 beschlossen wurde, Bonn zu schleifen, kam es 1717/18 zur vollständigen Entfestigung der Stadt, bei der jedoch ausgerechnet das kleinste Werk, die Zollbastion, stehen blieb. Anschließend nutzlos geworden, wurde der Alte Zoll im 18. Jahrhundert als Schlossterrasse in die Anlage des Hofgartens integriert und fand im 19. Jahrhundert als romantischer Aussichtspunkt mit seinem überragenden Blick zum Siebengebirge Eingang in die Reiseliteratur. Auch Goethe stand hier am 27./28.7.1815 und lobte den wundervollen Rheinblick mit den Tagebuchsätzen: „Man vergnügt sich so sehr an dieser Ansicht, daß man sich eines Versuchs, sie mit Worten zu beschreiben, kaum enthalten kann.“ Um 1830 gab es Überlegungen, eine Sternwarte auf dem Alten Zoll zu errichten. Gebaut wurde sie später aber an der Poppelsdorfer Allee.


1865 wurde das Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal auf der Terrasse der mittlerweile in den Besitz der Universität Bonn übergegangenen ehemaligen Bastion aufgestellt. Zwei aus Anlass des deutschen Siegs über Frankreich nach 1871 von Kaiser Wilhelm I. der Universität vermachten französischen Salutkanonen befinden sich ebenfalls dort. Heute ist der Alte Zoll Teil des Bonner Gartenensembles aus dem 18. Jahrhundert, neben dem Hofgarten, der Poppelsdorfer Allee mit dem Schloss, dem Botanischen Garten und dem Baumschulwäldchen.

Samstag, 2. August 2014

Bonner Stadtbefestigung: Heute noch sichtbare Reste


Gerhard-v.-Are-Str., Stadtmauer
Noch heute kann man viele Reste der alten Stadtbefestigung im Bonner Stadtbild nachvollziehen. Im Südosten steht unmittelbar am Rhein der Alte Zoll, die letzte noch komplett erhaltene barocke Bastion. In südwestlicher Richtung bildet die Universität den Verlauf der ursprünglichen Mauer nach. Am heutigen Stockentor befand sich die Stockentor-Bastion, entlang des Hauptgebäudes, etwa dort, wo sich heute der Hofgarten befindet, der Bastionsgraben mit der „Katze“, einem vorgelagerten Erdwall. Geht man in die Kaiserpassage, so sieht man dort Teile der Courtine (= Mittelwall), die sich zwischen den Bastionen Ferdinand und Cassius befunden hat; eine Tafel erläutert den Aufbau der Stadtmauer.
Von dort sind es nur wenige Schritte zur Gerhard-von-Are-Straße, wo eine quer zur Gangolfstraße verlaufende Pflastermarkierung im Boden die mittelalterliche Stadtmauer von 1244 nachzeichnet. Am Ende der Markierung sieht man vor dem Haus Nr. 11 etwa gegenüber vom Puppenkönig – den Grundriss eines mittelalterlichen Wehrturms. Zu Beginn der Gangolfstraße gibt eine weitere Pflastermarkierungen den Verlauf einer Face (= Feldseite einer Bastion) der Cassius-Bastion aus dem 17. Jahrhundert wieder.

Gerhard-v.-Are-Str., Wehrturm

Gangolfstr., Stadtbefestigung
















Geht man von dort zur Cassiusbastei, steht man genau auf der ehemaligen Maximilian-Bastion, deren Kurtinenwinkel in der Galerie „Gallery 2000“, die man von der Maximilianstraße oder vom Bonner Loch betreten kann, sichtbar belassen wurde.

Kurtinenwinkel in der Gallery 2000
Nach Westen folgt die Maximilianstraße nun dem Verlauf der alten Bastion. Nach wenigen Metern stößt man auf den Cassiusgraben (heute aufgeschüttet) und in seiner Verlängerung auf den Florentiusgraben, der sich unmittelbar hinter der Stadtmauer befand. Folgt man ihm, geht man entlang der Mauer der Bastion Heinrich, von der größere Reste erhalten sind, die leider jedoch teilweise von den dortigen Häusern verdeckt sind und erst sichtbar werden, wenn man in die Durchgänge zu den Hinterhöfen schaut, oder den Durchgang des Hauses Nr. 10 betritt.

Besonders schön ist eine von der Straße aus (kurz vor der Brücke) sichtbare, noch erhaltene Kartusche mit dem kurfürstlichen Wappen an der Mauerecke der Facen. Die selbe Mauer sieht man von oben, wenn man sich in dem kleinen Park hinter dem Alten Stadthaus befindet (Windeckstraße), also genau auf der ehemaligen Bastion Heinrich. Weitere Teile der Bastion kamen beim Bau der neuen Sparkasse am Friedensplatz zu Tage, die ebenfalls zu besichtigen sind.
 
Florentiusgraben, Befestigungsmauer
Kartusche


Befestigungsmauer vom Hinterhof
Haus Nr. 10 aus gesehen






 
Auf dem Friedensplatz selbst sieht man am Eingang zur Sternstraße im Pflaster den Grundriss der mittelalterlichen Torburg, also des echten Sterntors. In Sichtweite steht in der Vivatsgasse das heutige Sterntor (ein romantisierter Nachbau aus dem 19. Jahrhundert aus Teilen des alten Stadttors), dessen rechtsseitig befindlicher Halbrundturm ein Original der mittelalterlichen Wehranlage ist. Das kleine, über den Friedensplatz laufende Sitzmäuerchen ist Teil der alten Stützmauer des Festungsgrabens (Contrescarpe).



Sterntorbrücke



Die Straße „Sterntorbrücke“ war ursprünglich eine tatsächliche Brücke zum Außenwerk des Sterntors. Der Verlauf der Brücke ist sichtbar im Pflaster nachgezeichnet, querlaufende Pflastersteine zeigen, wo sich die Brückenbögen befinden. In den Kellern der Häuser (so in der Gaststätte „Himmel und Hölle“) erkennt man noch das alte, aus acht Tonnen bestehende Tonnengewölbe und Teile der Befestigungsmauer.

Den weiteren, nördlichen Verlauf der Stadtbefestigung kann man in der Oxford-Garage besichtigen, oder oberirdisch am Neubau des Landgerichts. Das neue Justizgebäude überspannt eine offene Treppenanlage, die zum Annagraben führt. Von dort geht man entlang der Mauern der Sterntor-Bastion. Auch dort befindet sich eine schöne Wappenkartusche an der Mauerspitze. 


Annagraben
Wappenkartusche

Mauernachbau in der Wachsbleiche,
Bildnachweis: CC-BY-SA-3.0-DE
In Richtung Rhein gelangt man nun zur Beethovenhalle, die auf der nördlichsten Bastion, der Bastion St. Michael steht. Die Mauern am Fritz-Schröder-Ufer und an der Wachsbleiche bilden die alten Mauern nach, sind aber selbst erst im 19. Jahrhundert errichtet worden. Die eigentlichen Reste der Befestigungsanlage befinden sich unter der Beethovenhalle und den benachbarten Grundstücken.
Ganz im Norden der Stadt steht noch immer ein alter Vorposten, eine kleine Schanze, die heute unter dem Namen „Schänzchen“ zu einem beliebten Auslugsziel mit Biergarten geworden ist. Ursprünglich noch aus der Römerzeit stammend, diente sie im Mittelalter zur Kontrolle des Rheins.


Schänzchen,
Bildnachweis: Wiki-User Sir James