Sonntag, 27. Juli 2014

Das war in Bonn am Rhein - ein Schlager von 1928.


Dies ist ein gekürzter Auszug aus meinem Aufsatz „Bonn im Spiegel der Musik“, aus: Bonner Geschichtsblätter, Band 64, Bonn 2014. Dort ist auch der Originaltext des hier vorgestellten Lieds abgedruckt:

Aus dem Jahre 1928 stammt der Schlager Das war in Bonn am Rhein, der von dem bekannten Operetten-Librettisten Fritz Löhner-Beda geschrieben wurde. Die Melodie stammte von Ferry Stipschitz, über den leider nichts weiter bekannt ist. Erschienen ist es im Wiener Boheme-Verlag. In Hofmeisters musikalisch-literarischem Monatsbericht vom Januar 1929 wird es als „Lied für Gesang und Pianoforte“ erwähnt. Das Copyright ist im „Renewal Registrations-Music“ für den 10.11.1928 unter der Nummer EF1436 eingetragen. Am 10.4.1956 ging es an Bruno Löhner, den Sohn des Librettisten, über.
Fritz Löhner-Beda wurde am 24.6.1883 in Wildenschwert/Böhmen geboren und studierte zunächst Rechtswissenschaften an der Wiener Universität, doch gab er 1910 seine Anstellung in einer Anwaltskanzlei auf und wurde freier Schriftsteller. Seit er 1916 für Franz Lehár das Libretto zur Operette Der Sterngucker geschrieben hatte, stieg er in den 1920er Jahren zu einem der meistgefragten Librettisten Österreichs auf. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Libretti zu den Operetten Land des Lächelns, Schön ist die Welt und Die Blume von Hawaii. Außerdem schrieb er eine Reihe Erfolgsschlager wie In der Bar zum Krokodil, Ausgerechnet Bananen, Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren, Oh, Donna Clara und Dein ist mein ganzes Herz. Am 13.3.1938, einen Tag nach der Annexion Österreichs, wurde Löhner-Beda wegen seiner jüdischen Herkunft verhaftet und zunächst ins KZ Dachau und dann nach Buchenwald verschleppt, wo er Ende 1938 den Text für das Buchenwald-Lied verfasste. 1942 folgte sein Transport in das Vernichtungslager Auschwitz, wo er am 4. Dezember verstarb.

Das Lied wäre heute sicherlich ganz vergessen, hätte es nicht in den Jahren 1967–1972 eine von der ARD in zehn Folgen ausgestrahlte Koproduktion von WDR und RIAS mit dem Titel „Opas Schlagerfestival“ gegeben, in der auch dieses Stück aufgeführt wurde. Die Leitung der Produktion lag in den Händen von Ernst Kalthoff und Hans Rosenthal, der auch als Conferencier durch die Sendung führte. Aufgezeichnet wurde vor Saalpublikum in Berlin, Bad Salzuflen, Stuttgart, Leverkusen, Lünen und Bad Godesberg (damals noch eigenständig). In jeder Sendung wurden Schlager und Operettenmelodien eines bestimmten Jahrgangs (1926–1932) von unterschiedlichen Interpreten – darunter so bekannte Größen wie Loni Heuser, Fred Bertelmann, Bill Ramsey, Willy Schneider, das Medium-Terzett und René Kollo – vorgestellt. Am Ende kürte eine Jury durch Punktevergabe den Siegerschlager. Die musikalische Leitung hatte Heinrich Riethmüller.

Am 24. Oktober 1968 wurde die 3. Folge dieser Sendung, die sich auf das Jahr 1928 bezog, in der Godesberger Stadthalle aufgenommen. Mitwirkende waren: Dorothea Chryst, Undine von Medvey, Rita Paul, Tatjana Sais, Edith Schollwer, Fred Bertelmann, Ekkehard Fritsch, Bruno Fritz, Werner Hass, Andreas Mannkopff, Willy Schneider, Günther Schwerkolt und die Rosy-Singers. Es spielte das RIAS-Tanzorchester unter Dave Hildinger; an zwei Flügeln saßen Günter Neumann und Heinrich Riethmüller. Als Besonderheit sang Willy Schneider das hier vorgestellte Lied Das war in Bonn am Rhein, allerdings mit einem stark veränderten Text. Auf einer sehr seltenen Aufnahme eines privaten Mitschnitts hört man noch die Begeisterung des Publikums, das den Vortrag mehrmals durch Klatschen und Lachen begleitet. Die Aufnahme wurde mir freundlicherweise von Dr. Burkhard Fehse (http://www.fehse-online.de/) zum Posten überlassen. Herzlichen Dank dafür!

video



Das war in Bonn am Rhein (mit verändertem Text für die RIAS-Aufnahme)


Ich weiß ein kleines Städtchen im schönen deutschen Land,
so manches hübsche Mädchen hab ich dort gut gekannt.
Die kleinen alten Gassen, die waren mir nicht gram,
wenn ich mal ausgelassen des Nachts nach Hause kam.
Man sang und populierte, man machte manchen Streich,
man liebte und studierte. Wie hieß das Städtchen gleich?

Das war in Bonn am Rhein, in Bonn am Rhein zur Frühlingszeit.
Es schien die Sonn’ am Rhein, die Sonn’ am Rhein voll Herrlichkeit.
Ich mag die Großstadt nicht, die lärmend schrille laute Welt.
Viel schöner ist doch die verträumte stille traute Welt.

Da lob’ ich Bonn am Rhein, das Städtchen klein mit gold’nem Wein.
Da blieb die Zeit noch sten’n, da kann man so romantisch sein.
Und wünscht man sich mit der Vergangenheit ein Stelldichein,
da gibt’s ein Städtchen nur und das ist Bonn am Rhein.

Das war vor 30 Jahren, ich stand grad am Beginn,
und nun mit weißen Haaren fuhr ich noch einmal hin.
Und als ich kam geschlendert, da wurde mir bald klar:
Bonn hat sich nicht verändert, es blieb so wie es war.
Die Häuser klein und niedlich, die Menschen ohne Streit
und alles so gemütlich wie in der Jugendzeit.

Das war in Bonn am Rhein, in Bonn am Rhein zur Frühlingszeit.
Es schien die Sonn’ am Rhein, die Sonn’ am Rhein voll Herrlichkeit.
Ich mag die Großstadt nicht, die lärmend schrille laute Welt.
Viel schöner ist doch die verträumte stille traute Welt.

Da lob’ ich Bonn am Rhein, das Städtchen klein mit gold’nem Wein.
hier blieb die Zeit noch sten’n, hier kann man so romantisch sein.
Oh, bleib in aller Zukunft immer unser Sonnenschein,
du wunderschönes kleines Städtchen Bonn am Rhein!

Freitag, 18. Juli 2014

Bedeutende Bonner Studentinnen


Maria Gräfin von Linden
Maria Gräfin von Linden wurde am 18.7.1869 in Heidenheim geboren, durfte mit königlicher Einwilligung und einer Sondergenehmigung seit 1892 an der Tübinger Universität Naturwissenschaften studieren, wurde 1895 in Zoologie promoviert und wirkte seit 1899 als erste Frau an der Bonner Universität als Assistentin. Seit 1906 Assistentin an der Medizinischen Fakultät, bat sie noch im selben Jahr um ihre Habilitation. Der zuständige Minister entschied sich jedoch dagegen und sprach Frauen im allgemeinen das Recht ab, sich zu habilitieren. 1910 wurde von Linden vom Kultusminister als erste Frau in Preußen zur Professorin ernannt, allerdings ohne Lehrbefugnis. Maria von Linden blieb an der Bonner Universität, arbeitete wissenschaftlich in der Parasitologie und veröffentlichte wichtige Werke zur Parasitologie und zur Chemotherapie bei Infektionskrankheiten. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten ihres Amtes enthoben und ging nach Liechtenstein, wo sie am 26.8.1936 einer Lungenentzündung erlag.

Adeline Rittershaus-Bjarnasons (1867–1924) Habilitationsgesuch wurde kurz zuvor (1901) noch von der Philosophischen Fakultät in Bonn wegen grundsätzlicher Erwägungen abgelehnt.

M. v. Wrangel
Auch die erste ordentliche Professorin Deutschlands, Margarethe von Wrangell (1877–1932), absolvierte 1911 an der Bonner Universität ein weiterführendes Studium der Landwirtschaft, bevor sie 1912 nach Paris zu Marie Curie ging. 1920 konnte sie sich dann endlich, nachdem das Verbot zur Habilitation für Frauen gefallen war, an der Universität Hohenheim in Botanik und Chemie habilitieren.

Die erste Deutsche Frauenärztin, Hermine Edenhuizen (1872–1955), war die Tochter eines ostfriesischen Arztes. Gemeinsam mit ihrer Bonner Freundin Frida Busch besuchte sie in Berlin die Gymnasialkurse von Helene Lange und legte 1898, als eine der ersten Frauen Deutschlands, das Abitur ab. Zunächst noch ohne Immatrikulationsrecht, studierte sie Medizin in Berlin, Zürich, Halle und an der Universität Bonn, wo sie 1903 gemeinsam mit Frida Busch promoviert wurde. 1909 absolvierte Edenhuizen als erste Frau Deutschlands die Facharztausbildung zur „Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe“ an der Bonner Frauenklinik. Anschließend ging sie nach Köln, eröffnete eine gynäkologische Praxis und wechselte bald darauf nach Berlin an die berühmte „Klinik weiblicher Ärzte“. 1924–1928 Gründungsvorsitzende des Deutschen Ärztinnenbundes, trat sie entschieden für die Abschaffung des Paragraphen 218 ein. Bis 1945 praktizierte sie in Berlin, dann kehrte sie in ihre ostfriesische Heimat zurück.

Grabmal der Familie Busch
Ähnlich schwierig war es für die obengenannte Frida Busch (1868–1961), Tochter des bedeutenden Bonner Chirurgen Wilhelm Busch (1826–1981), dessen prachtvolle Grabstätte sich auf dem Alten Friedhof befindet. Frida erhielt ihre früheste Ausbildung durch Privatlehrer, bevor sie in Bonn die Höhere Töchterschule von Anna Schubring besuchte. Da eine Vorbereitung auf die Reifeprüfung in Bonn nicht möglich war, ging sie mit ihrer Freundin Hermine Edenhuizen nach Berlin, wo sie 1895–1898 die Gymnasialkurse von Helene Lange besuchte. Den beiden Frauen wurde jedoch seitens der Behörden die Zulassung zum Abitur verwehrt. Erst nach einer Reihe von Petitionen durften sie 1898 als Externe am Luisenstädt. Gymnasium Berlin das Abitur ablegen. Da es in Deutschland für Frauen noch unmöglich war, zu studieren, ging Busch nach Zürich, wo Frauen bereits zum Studium zugelassen waren. Doch schon nach zwei Semestern musste sie nach Deutschland zurückkehren, weil nur eine begrenzte Zahl von Auslandssemestern anerkannt wurde. Busch wechselte mit ihrer Freundin Hermine zunächst nach Halle und 1900 an die Universität Bonn, wo sie sich durch den Bekanntheitsgrad ihres mittlerweile Verstorbenen Vaters ein größeres Entgegenkommen erhoffte. Tatsächlich bekam sie nun zum ersten Mal eine generelle Hörerlaubnis und musste nicht mehr, wie zuvor, jeden Professor einzeln um Erlaubnis zur Teilnahme an seinen Vorlesungen bitten. 1903 schloss Busch, gemeinsam mit H. Edenhuizen, als erste Bonner Medizinerin mit der Promotion ab. Danach ging sie nach Dresden, heiratete ihren früheren Lehrer, Prof. Dr. Corrsen, und war nicht mehr berufstätig.

Helene Weber
Auch Helene Weber (1881–1962), eine der Mütter des Grundgesetzes und erste Frau in Deutschland, die Ministerialrätin wurde (1920), hat an der Bonner Universität studiert. 1919 wurde sie als eine der jüngsten Abgeordneten für die Zentrumspartei in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Sie war 1924 Mitglied des Preuß. Landtags und 1924–1933 Abgeordnete des Dt. Reichstags. Seit 1925 stellv. Vorsitzende der Zentrumspartei, wurde sie 1927 zum Vorstandsmitglied der Reichstagsfraktion und Vorsitzenden des Reichsfrauenbeirats gewählt. Als entschiedene Gegnerin der Nationalsozialisten wurde sie am 30.6.1933 von allen Ämtern suspendiert. 1945 schloss sie sich der neugegründeten CDU an, wurde Mitglied des Zonenbeirats und war 1946–1947 Mitglied des Landtags von NRW. 1948/49 war sie als Schriftführerin des Parlamentarischen Rats an der Erstellung des Grundgesetzes beteiligt und wurde 1949 in den Dt. Bundestag gewählt, dem sie bis zu ihrem Tod angehörte. 1949–1958 war sie Vorsitzende der Frauenvereinigung der CDU und seit 1952 erste Vorsitzende des Dt. Müttergenesungswerks. In der Politik galt sie zeitweise als eine der einflussreichsten Frauen Deutschlands. 1956 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz und 1961 das Schulterband zum Großen Verdienstkreuz. Am 25.7.1962 verstarb sie in Bonn.


Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage 2011.

Samstag, 12. Juli 2014

WM 1954: Sepp Herberger feierte in Bonn


Nach dem sensationellen Finalspiel vom 4.7.1954 zwischen Deutschland und Ungarn in Bern (das „Wunder von Bern“) feierte Sepp Herberger mit seiner Nationalmannschaft den frisch errungenen WM-Sieg im Bonner Weinhaus Streng im Mauspfad Nr. 6 (später „Weinkrüger“, heute „James Joyce“).

Weinhaus Streng, AK eigene Sammlung
Die alte Bonner Weinstube mit angegliederter Weinhandlung war 1880 von den Brüdern Peter und Joseph Streng gegründet worden. Als Weinlager mit Probierstube benutzen sie den Gewölbekeller unter dem Hauptgebäude der Universität. Lange Zeit war das Weinhaus die bevorzugte Gastronomie der Bonner Professoren.

 

Weinhaus Streng, um 1930

Was die Nationalmannschaft angeht, so erhielt Spielführer Fritz Walter am 19.7.1954 bei einem offiziellen Empfang der Bundesregierung in Bonn den Silbernen Lorbeer, die höchste sportliche Auszeichnung Deutschlands, durch Bundesinnenminister Gerhard Schröder verliehen. 

Weinhaus heute

Dienstag, 8. Juli 2014

Erste Deutsche Autobahn: Strecke Köln-Bonn

Entgegen der von den Nationalsozialisten verbreiteten – und auch heute noch viel geglaubten und kolportierten – Propaganda, Adolf Hitler hätte die Autobahn „erdacht, entworfen und gestaltet“, begann der Bau kreuzungsfreier, mehrspuriger Schnellstraßen im Deutschen Reich bereits 1929, ausgehend von den Plänen der Rheinischen Provinzialverwaltung aus den frühen 1920er Jahren. Als erste öffentliche Autobahn Europas wurde die heute A 555 genannte linksrheinische Verbindung zwischen Bonn und Köln 1929–1932 erbaut und am 6.8.1932 nach fast dreijähriger Bauzeit vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer dem Verkehr übergeben.
Eröffnungsfeier am 6.8.1932
Bei der Übergabe der fast 20 km langen Strecke verkündete er voller Stolz: „So werden die Straßen der Zukunft aussehen. Ich hoffe, dass die nunmehr erzielte Zeitverkürzung und Fahrbequemlichkeit dem Rhein und den Schönheiten seiner Landschaft neue Freunde aus dem In- und Ausland zuführen möge. Jeben Se Jas!“. Zur Eröffnung reisten 2000 Autofahrer aus ganz Europa in einer „Sternfahrt“ an. Bereits 1917 hatte Adenauer die Zukunftsvision einer „Nur-Automobilstraße“, doch bis zur Planung vergingen noch Jahre. Den Begriff „Autobahn“ prägte der Bauingenieur Robert Otzen in Analogie zu „Eisenbahn“.

Autobahn bei Wesseling
im Hintergrund überquert eine Bahn
der KBE die Brücke.

Als 1933 die Nationalsozialisten die Regierung übernahmen, stuften sie als eine der ersten Handlungen – noch im Februar 1933 – die neue Reichsautobahn zur Landstraße L 185 herab, um den nachfolgenden Bau der Strecke Frankfurt–Heidelberg als ersten Autobahnbau des Reiches für sich reklamieren zu können. Erst 1959 wurde die Schnellstraße Köln-Bonn wieder zur Bundesautobahn aufgestuft. Der sechsspurige Ausbau erfolgte in den Jahren 1965–1967 durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR). 2008 installierte der Künstler L. Fritsch an den beiden Endpunkten der Autobahn – den Verteilerkreisen Köln und Bonn (Potsdamer Platz) – jeweils eine 50 m hohe rote Stahl-Stele, um die beiden Städte in einen künstlerischen Dialog zu bringen.

Anschlussstelle Wesseling, 1932
A 555 um 1973









Autofreier Sonntag während der Ölkrise

Donnerstag, 3. Juli 2014

3.7.1952: Todestag des Bonner Dichters Wilhelm Schmidtbonn


3.7.2014: Heute vor 62 Jahren starb der Bonner Schriftsteller Wilhelm Schmidtbonn.

Wilhelm Schmidtbonn
Wilhelm Schmidt (der später den Künstlernamen Schmidtbonn annahm) wurde am 6.2.1876 in Bonn am Marktplatz/Ecke Bonngasse – in dem Haus, in dem sich heute „Hut Weber“ befindet – als zweites Kind eines Pelzhändlers geboren. Seine Bonner Gymnasialzeit endete schon mit 15 Jahren, als er wegen eines „aufsässigen“ Aufsatzes von der Schule relegiert wurde. Auch eine Ausbildung auf dem Kölner Konservatorium scheiterte ebenso wie der Versuch, in Moers das Abitur nachzuholen. Danach folgte eine unglückliche Zeit als Buchhändlerlehrling, in der Schmidtbonn bereits anfing, selbst zu schreiben. Nachdem er das Manuskript zu einem Schauspiel an den Bonner Germanistikprofessor Berthold Litzmann gesandt hatte, erkannte dieser Schmidtbonns schriftstellerische Begabung und verhalf ihm dazu, ohne Abitur an den Universitäten Bonn, Zürich und Berlin zu studieren. 1901 begann Schmidtbonns Aufstieg mit der Uraufführung seines Bühnenwerks „Mutter Landstraße“ in Dresden.

Schmidtbonns Geburtshaus,
Foto: © Eckhard Henkel,
CC BY-SA 3.0 DE (Wikimedia Commons)

1904 wurde das Stück in Berlin durch Max Reinhardt aufgeführt, der sich in der Folgezeit erfolgreich für Aufführungen von Schmidtbonns Theaterstück „Der Graf von Gleichen“ einsetzte. Dieses Stück, auf zahlreichen Bühnen aufgeführt, wurde zu seinem größten Erfolg und gehörte zu den meistaufgeführten Theaterstücken Deutschlands. Seit 1905 mit Luise Treuer verheiratet, arbeitete er seit 1906 vorübergehend als Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus bei Louise Dumont, wo er auch mit seinen eigenen Stücken große Erfolge erzielte (Fritz Kortner spielte die Hauptrolle in „Der Zorn des Achilles“ und Emil Jannings in „Die Verwandlung des Diogenes“). In diese Zeit fiel auch seine innige Freundschaft mit August Macke bis zu dessen Tod im Jahre 1914. Sein Hundebuch „Die Flucht zu den Hilflosen“ von 1918 war für Stefan Zweig der Anlass, Schmidtbonn 1923 seine Novelle „Die Augen des ewigen Bruders“ zu widmen, woraus sich eine tiefergehende Freundschaft entwickelte. Nach ersten Preisen wurde Schmidtbonn im Herbst 1926 in die Preußische Dichterakademie berufen. Sein Aufstieg kam erst mit der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten zum Erliegen, als durch den veränderten Zeitgeist keine Deutsche Bühne mehr seine Werke aufführen wollte.

Wilhelm Schmidtbonn
Zwar erhielt er 1936 die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn, 1941 den Rhein. Literaturpreis und 1943 die Beethoven-Medaille der Stadt Bonn, doch geriet er beim Publikum zunehmend in Vergessenheit. Nach dem Krieg lebte Schmidtbonn bescheiden und einsam, von seiner schweren Krankheit gezeichnet, in (Bonn-)Bad Godesberg, wo er am 3.7.1952 an einem Herzschlag verstarb. Beigesetzt wurde er in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof. In Bonn und Düsseldorf wurden Straßen nach ihm benannt; im Bonner Stadtmuseum ist das Wohnzimmer des Schriftstellers ausgestellt.
Sein Werk umfasst insgesamt 16 Dramen und sieben Romane, dazu Gedichte und Novellen. Eine besondere Liebeserklärung an Bonn ist sein 1935 erschienener Roman „Der dreieckige Marktplatz“, der gemeinsam mit dem Buch „An einem Strom geboren“, Schmidtbonns Ruhm als Heimatdichter begründete.



Der Dreieckige Marktplatz,
Originalausgabe
Seine ältere Schwester Henriette Schmidt-Bonn wurde als Künstlerin eines reichen druckgrafischen Werks bekannt.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.