Montag, 30. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Wahl des nationalsozialistischen OBs in Bonn


30.6.2014: Heute vor 81 Jahren wurde der Nationalsozialist Ludwig Rickert zum Bonner Oberbürgermeister gewählt.

Oberbürgermeister Rickert
Rickert, am 20.7.1897 in Schelze bei Posen geboren, hatte zunächst eine Ausbildung zum Handelslehrer absolviert, bevor er 1927 als Lehrer an die Bonner Berufs- und Handelsschule gelangte. Früh trat er in die NSDAP ein und stieg 1931 zum Ortsgruppenleiter in Beuel auf. Daneben war er 1932–1934 NSDAP-Kreisleiter von Bonn-Land. Durch dutzende von Auftritten bald als scharfer Gauredner bekannt, nahm Rickert sich besonders oft den bei der Bevölkerung sehr beliebten Bonner Oberbürgermeister Johannes Falk vor, der aus seiner nationalsozialistischen Gegnerschaft kein Hehl machte. Mehrfach hatte Falk öffentlich die NS-Zeitschrift „Der Stürmer“ als „Revolverblatt“ bezeichnet, das „von Verbrechern am deutschen Volk geschrieben und nur von beschränkten Menschen“ ernst genommen werde. Rickert trat nun in seinen Reden mit üblen Verunglimpfungen Falks hervor, der sich zunächst noch mit einem Disziplinarverfahren gegen Rickert zu wehren versuchte, dann aber, zermürbt von den vielen Angriffen der Nazis, am 1.12.1931 von seinem Amt zurücktrat. Dies verhinderte jedoch nicht, dass er nach der „Machtübernahme“ Anfang 1933 in „Schutzhaft“ genommen wurde.
Johannes Nepomuk Maria Falk

Rickert gelang es im März 1933, auch Falks
Nachfolger Wilhelm Lürken zu stürzen und dessen Stelle als Oberbürgermeister kommissarisch einzunehmen. Um dem Ganzen einen legitimen Anstrich zu geben, ließ Rickert sich am 30.6.1933 formal vom Bonner Stadtparlament einstimmig zum Oberbürgermeister wählen, nachdem man den kommunistischen und sozialdemokratischen Stadtverordneten kurzerhand das Mandat entzogen hatte, und die Stadtverordneten des Zentrums und der DVP erst gar nicht zur Wahl erschienen waren. Von der Bonner Bevölkerung wurde Rickert mehrheitlich abgelehnt und musste sich sogar mehrfach gegen Gerüchte über Verfehlungen strafrechtlich zur Wehr setzen. In einem dieser Verfahren kam selbst der Regierungspräsident 1934 zu dem Schluss, „dass Oberbürgermeister Rickert sich in der Bevölkerung Bonns im allgemeinen offenbar nur geringer Beliebtheit erfreue. Der Grund hierfür dürfte in einem zu stark betonten Geltungsbedürfnis und in dem … herrischen
Wesen Rickerts liegen“.

L. Rickert (Mitte, ohne Uniform)

Während seiner Amtszeit (bis 1945) unterstütze Rickert ausdrücklich die Arbeit der Gestapo Außendienststelle im Kreuzbergweg sowie die Internierung der Bonner Juden. Nachdem er sich im März 1945, kurz vor der Sprengung der Bonner Rheinbrücke, auf die rechte Rheinseite abgesetzt hatte, wurde er gefasst und bis 1948 interniert. Aufgrund fehlender Akten kam er jedoch um ein Entnazifizierungsverfahren herum. Auch mehrere Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Dienstordnungsverfahren wurden nach über zehnjähriger Dauer eingestellt. Rickert fasste beruflich wieder als Lehrer Fuß und wurde 1956 stellvertretender Leiter einer privaten Handelsschule in Rahden/Westfalen. Am 4.10.1963 starb er in Wuppertal.

Johannes Falk ließ sich auch nach seiner Freilassung aus der „Schutzhaft“ durch die fortgesetzten Schikanen nicht einschüchtern und schrieb dem neuen OB Rickert einen sehr scharfen Brief, in dem er diesem „kleinliche Rachsucht“ vorwarf. Nach dem Krieg ging er nach Frankfurt, wo er seinen Lebensabend verbrachte und am 14.1.1964 verstarb.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Samstag, 28. Juni 2014

28.6.1911: Todestag von Johann Bachem, Gründer des weltweit ersten Opel-Hauses in Bonn

28.6.2014: Heute vor 103 Jahren starb Johann Bachem, der Gründer des weltweit ersten Opel-Hauses in Bonn.

Der 1847 in Bonn geborene Johann Bachem gründete 1872 am Bonner Viehmarkt (heute Friedensplatz) im Haus Nr. 2 b eine Klempnerei für Gas- und Wasserleitungen, Zinkbedachungen und Badeeinrichtungen sowie für die Vermietung von Badewannen. Zudem betrieb er dort ein Geschäft für Haushalts- und Küchengeräten, Lampen, Tabak und Zigaretten. Im Laufe der Zeit beschränkte er sein Angebot auf  Fahrräder und Nähmaschinen der Marken „Gritzinger“ und „Phönix“. Ab 1886 vertrieb er ausschließlich Opel-Fabrikate; Sophie Opel führte hier ihre neuesten Nähmaschinenmodelle selbst vor.
Opel-Nähmaschine

 
Sophie Opel
Bachem wollte vor allem das Fahrradgeschäft ausbauen und eine eigene Fahrschule für Hochräder gründen. Der Viehmarkt mit seinem Kopfsteinpflaster stellte sich dazu aber als ungeeignet heraus. Außerdem wurde dort die Endhaltestelle der neugebauten Strecke des „Feurigen Elias“, einer zwischen Bonn und dem Vorgebirge verkehrenden Dampflokbahn errichtet. Die quer über den Platz laufenden Schienen dieser Bahn störten zusätzlich. Also verlegte Bachem 1897 sein Geschäft in die Coblenzerstraße 6a (heute Adenauerallee), gründete dort die erste „Bonner Rad-Fahrschule“ und ließ ein Velodrom errichten, wo die vornehme Bonner Gesellschaft die Kunst des Hochradfahrens erlernen konnte. 1898 gab Bachem dem Drängen seines Sohnes Jacob nach und kaufte dem damals 23-Jährigen einen „Benz Velo-Comfortable“.
Opel System Lutzmann
Benz Velo-Comfortable, das erste Auto in Bonn
Dieses Fahrzeug war das erste Automobil in Bonn und wurde von der Bevölkerung mit großer Neugier bestaunt. Als die Firma Opel ein Jahr später mit der Herstellung des Patent-Motorwagens System Lutzmann begann, wurde Bachem noch im selben Jahr Großhändler für den Vertrieb von Opel-Automobilen in Deutschland. Zudem richtete er im Februar 1906 in seinem Veledrom eine Reparaturwerkstatt ein, wo die Fahrzeuge repariert werden konnten. Zu seinen Kunden zählte auch Kaiser Wilhelm II., der in Bonn studiert hatte und noch als Regent häufig seine Schwester Viktoria zu Schaumburg-Lippe besuchte. Bei diesen Gelegenheiten ließ er seine beiden Opel Phaeton-5-Automobile bei Bachem warten. Am 28.6.1911 starb Johann Bachem in Bonn und seine Firma ging an den Sohn über. Noch heute besteht das Bonner Familienunternehmen in der vierten Generation. Opel Bachem ist der älteste Kfz-Betrieb in Bonn und das älteste Opel-Haus der Welt!


Opel Phaeton

Dienstag, 24. Juni 2014

Bonner Originale: Schiefgens Kapelle


Im 19. Jahrhundert gab es in Bonn eine aus drei Musikern bestehenden Kapelle, die nach ihrem Gründer Bernhard Schiefgen (auch Schieffer) „Schiefjens Kapell“ genannt wurde. Schiefgen selbst spielte Querflöte, „Bem“, über den leider weiter nichts bekannt ist, Gitarre und „Lutscher“, von dem man nur noch weiß, dass er seinen Spitznamen der Form seiner Nase verdankte, die angeblich einem Kinderflaschensauger geglichen haben soll, spielte Geige. Diese Drei musizierten vorwiegend auf Familienfesten, Hochzeiten, Studentenkneipen und Kirmessen. Bei Namenstagen oder runden Geburtstagen tauchte die Gruppe meist ungefragt auf, überreichte dem Jubilar einen Blumentopf und spielte ein Ständchen. Anschließend sammelte man Geld im Hut ein, nahm den Blumentopf wieder an sich – er wurde ja noch für weitere Jubiläen gebraucht – und zog weiter. Es ist überliefert, dass ihre Konzerte in der Regel von starken Misstönen begleitet waren, was oft die Heiterkeit des Publikums erregte.

Von links: Schiefgen, Bem, Lutscher, Ansichtskarte, eigene Sammlung.

Die wahre Geschichte jenseits der sozialromantischen Anekdoten-Seligkeit sieht etwas anders aus. Diese drei Männer waren arm, ohne Beruf und Schulbildung. Nur ihre Fähigkeit, ein Instrument (schlecht) spielen zu können, brachte sie aus Not zusammen. Sie waren gezwungen, für ein paar Pfennig um ihr nacktes Überleben zu spielen, auch wenn sie ausgelacht wurden. Ihrer musikalischen Unzulänglichkeit bewusst, mussten sie ihren Stolz unterdrücken. So lebten sie ihr entbehrungsreiches Leben auf den Bonner Straßen und in den Armenhäusern. Die Tragik eines solchen Lebens zeigt die Biografie Bernhard Schiefgens, die ich einmal recherchiert habe:

Bernhard Schiefgen
1820 in Danzig geboren, wuchs Schiefgen gemeinsam mit 15 Geschwistern in äußerst beengten Verhältnissen in einer armen rheinischen Familie auf. Der Vater unterrichtete ihn schon früh (mehr schlecht als recht) auf verschiedenen Instrumenten, damit der Junge als Straßenmusikant Geld zum Unterhalt hinzuverdienen konnte. Eine Schul- oder Berufsausbildung erhielt er nicht. Nach der Übersiedlung der Familie nach Bonn spielte Schiefgen als Straßenmusiker zunächst in wechselnder Besetzung, bis er eine feste Kapelle gründete, mit der er zum Bestandteil des Bonner Lebens zur Kaiserzeit wurde. Nach dem Tod seiner beiden Kollegen „Lutscher“ und „Bem“, zog Schiefgen noch eine Weile mit einem Triangel spielenden Jungen durch die Straßen, bis er selbst zu alt wurde. Ohne eigene Wohnung und Besitz, zog er in das Männerasyl „Wilhelm-Augusta-Stift“, wo er am 25.6.1907 völlig verarmt verstarb. Seine Querflöte, das Einzige was ihm geblieben war, vermachte er einer unbekannt gebliebenen Gönnerin, die sie später dem Verein Alt-Bonn (heute Bonner Heimat- und Geschichtsverein) überließ.

Montag, 23. Juni 2014

Berühmte Musiker in Bonn


Bei Musikern, die in Verbindung zu Bonn stehen, denkt man zuerst einmal an Beethoven, dann an Schumann. Dennoch gab es auch viele Andere, wie Humperdinck, Reger, Liszt, Joachim oder Brahms, die in Teils enger Beziehung zur Stadt standen.

Johannes Brahms
Johannes Brahms (1833–1897) beispielsweise, war nicht nur ein enger Freund der Familie Schumann, sondern stand auch in freundschaftlichem Kontakt zu den Bonnern Elisabeth Deichmann-Schaaffhausen und Hermann Deiters. Seine erste Reise nach Bonns fand im September 1853 statt, als er die Familie Deichmann-Schaaffhausen auf ihrem Landgut in Mehlem (heute Deichmannsaue) besuchen wollte. Da er wie ein Handwerksbursche gekleidet war, wies der Gärtner ihn zunächst am Tor ab, doch gelang es der Hausherrin, das Missverständnis aufzuklären und Brahms zurückzuholen. 1854 reiste Brahms abermals nach Bonn, diesmal um den kranken Freund Robert Schumann in der Endenicher Heilanstalt zu besuchen. Bis zu dessen Tod im Jahre 1856 folgten noch mindestens neun weitere Besuche bei Clara und Robert Schumann, sowie nach Schumanns Tod seine Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten im Juli 1856. Im selben Jahr gab Brahms in der Bonner „Lese- und Erholungsgesellschaft“ ein Konzert.


Elisabeth Deichmann-Schaaffhausen
Auch 1857 und 1860 weilt er in der Stadt und lebte 1868 für längere Zeit im Haus von Frau Endemann im Kessenicher Weg (heute Niebuhrstraße 30). An den berühmten Geiger Joseph Joachim schrieb Brahms: „Lieber Freund, … Ich werde hier etwas bleiben … Übrigens ist Bonn so schön, dass ich Euch fast ein ruhiges Rondo-Finale der Reise hier empfehlen möchte.“
1873 nahm Brahms gemeinsam mit Clara Schumann und Joseph Joachim an der Bonner Schumannfeier teil, ebenso 1880. Es folgten weitere Aufenthalte in Bonn und 1889 die Ehrenmitgliedschaft im Verein Beethoven-Haus. Sein letzter Besuch fand Pfingsten 1896 statt, bei dem er an einem Kammermusikfest teilnehmen sollte, das jedoch wegen der Nachricht vom Tode Clara Schumanns, die auf Pfingstsonntag beerdigt wurde, ausfiel. Brahms blieb noch zu den Trauerfeierlichkeiten und reiste dann ab.

Villa Deichmann, 1905
Von 14 Kompositionen von Brahms weiß man, dass sie in Bonn entstanden sind, so 1860 Zwei Motetten für fünfstimmigen gemischten Chor a capella op. 29, die Serenade für Orchester Nr. 2 A-Dur op. 16 und 1868 große Teile von Ein Deutsches Requiem. Seine Violinsonate op. 78 wurde 1879 im Saal des Hotels „Zum Goldenen Stern“ am Markt uraufgeführt. Die zweite Bonner Uraufführung, diesmal die Ungarischen Tänze für Klavier zu vier Händen durch Brahms selbst und Clara Schumann, fand am 3.5.1880 in der Villa Deichmann statt. Bonn ehrte Brahms 1953 mit der Benennung einer Straße (Brahmsstraße in Bonn-Endenich).
Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Niebuhrstraße heute

21.6.1975: Todestag von Max Braubach


21.6.2014: Heute vor 39 Jahren starb der Historiker Max Braubach, der sich intensiv mit der Geschichte Bonns befasst hat.

Max Braubach
Geboren wurde Max Braubach am 10.4.1899 in Metz, wo sein aus einer alten Kölner Bürgerfamilie stammender Vater als Leiter der staatlichen Bergbauverwaltung tätig war. Braubach wuchs in Straßburg auf, besuchte das dortige Gymnasium und schloss 1916 mit dem Abitur ab. Im Anschluss studierte er ein Semester Jura in Straßburg, bevor er 1917 als Fahnenjunker zu den Straßburger Husaren ging. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm er seinen Abschied und begann 1919 ein Studium der Geschichte und Nationalökonomie an der Universität Heidelberg, wechselte aber bereits im Wintersemester nach Bonn, wo er besonders von Aloys Schulte gefördert wurde. 1922 wurde Braubach promoviert; 1924 habilitierte er sich an der Bonner Universität mit einer Biographie des letzten Kölner Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich. Vier Jahre später wurde er zum Nachfolger seines Lehrers berufen. Bis zu seiner Emeritierung 1967 wirkte Braubach als Ordinarius an der Bonner Universität und bekleidete dabei wichtige universitäre Ämter wie 1946–1948 das des Prodekans und Dekans der Philosophischen Fakultät sowie im akademischen Jahr 1959/1960 das Amt des Rektors. Zudem wirkte er über seine Emeritierung hinaus 1953–1971 als Archivar und Chronist seiner Universität und veröffentlichte eine Vielzahl wichtiger historischer Forschungsarbeiten zur Bonner Stadtgeschichte, zur Geschichte der Universität und zur Geschichte der rheinischen Territorien im 17. und 18. Jahrhundert. Besonderen Bekanntheitsgrad erlangte seine Prinz-Eugen-Biographie von 1963. Am 21.6.1975 starb Max Braubach in Bonn und wurde auf dem Poppelsdorfer Friedhof beigesetzt. Nach seinem Tod ehrte die Stadt ihn 1986 mit der Benennung einer Straße (M.-B.-Straße in Bonn-Ückesdorf) nach ihm.

Werke (Ausw.): Versailles und Wien von Ludwig XIV. bis Kaunitz (1952), Maria Theresias jüngster Sohn Max Franz (1961), Prinz Eugen von Savoyen, 5 Bde. (1963-65), Kleine Geschichte der Universität Bonn 1818-1968 (1968), Wilhelm von Fürstenberg und die franz. Politik im Zeitalter Ludwigs XIV. (1972).

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Beethoven-Häuser in Bonn


Jeder kennt natürlich Beethovens Geburtshaus in der Bonngasse. Weniger bekannt ist dagegen, dass dies beileibe nicht das einzige Haus war, in dem Beethoven gelebt hat. Das Leben der Familie Beethoven war nämlich geprägt durch eine Reihe von Umzügen.

Haus Rheingasse 934
1733 kam Ludwigs Großvater aus Mecheln nach Bonn und wohnte ab 1738 in der Wenzelgasse in einem Haus, das ihm die Jesuiten für 53 Reichstaler vermieteten. 1760–1768 ist Kapellmeister „bethoff“ als Weinhändler (vmtl. ein Nebenerwerb) in der Rheingasse im Haus Zum
Walfisch (Nr. 934) erwähnt.

Zwischenzeitlich hatte sein Sohn Johann 1767 die junge Witwe Maria Magdalena Keverich geheiratet und war mit ihr in das berühmte Hinterhaus in der Bonngasse Nr. 515 (heute Nr. 20) gezogen, wo Ludwig van Beethoven 1770 geboren wurde. 1774 wohnte die Familie in einem etwas größeren Haus „aufm Dreyeck“ (heute Dreieck), bis sie 1775 ebenfalls in das stattliche Giebelhaus Zum Walfisch zog, in dem bereits der Großvater seinen Weinhandel gehabt hatte. Diese Verwirrung führte später fälschlicherweise lange zu der Annahme, dies sei das eigentliche Geburtshaus des Komponisten gewesen. 1944 wurde das Haus im Krieg zerstört. 

Rheingasse nach dem Bombenangriff 1944
Zehn Jahre verbrachte die Familie insgesamt dort, mit einem zwischenzeitlichen Umzug in die Neugasse (heute Rathausgasse). 1782 wurde sie definitiv wieder als im Haus Walfisch wohnend erwähnt. 1785 zogen die Beethovens ein letztes Mal um, diesmal in die Wenzelgasse 25, wo sie gemeinsam mit zwei Brüdern von Ludwigs Vater und sechs anderen Familien das Haus des Zinngießers Peretti an der Ecke Judengäßchen (später Gundenaugasse, heute Friedrichstraße) bewohnten. 1787 starb hier Beethovens Mutter und 1792 möglicherweise auch sein Vater. Leider sind bis auf das Geburtshaus alle anderen Häuser untergegangen.

Beethovens Geburtshaus, Bonngasse
Wenzelgasse 25, 1928

 Rheingasse, um 1910

Wenzelgasse 25

Bonn und seine Alleen


Auffallend für Bonn ist die Anzahl alter Alleen, vorwiegend mit Kastanienbestand, die das Stadtbild dominieren. Zurückgehend auf die Planung einer offenen Barockstadt, war es Kurfürst Clemens August, der im 18. Jahrhundert die ersten dieser Alleen als schnurgerade Verbindungswege zu seinen Schlössern nach Poppelsdorf, Brühl und Röttgen anlegen ließ. Die älteste dieser Prachtstraßen ist die um 1745 angelegte Poppelsdorfer Allee, der als südliche Verlängerung zur Kreuzbergkirche die heute nicht mehr bestehende Kreuzbergallee folgte.

Ansichtskarte der Poppelsdorfer Allee, 1950er Jahre
Ansichtskarte Kreuzbergallee, um 1920
Etwa zeitgleich entstanden die Meckenheimer Allee als Überlandverbindung ins Ahrtal und zum Jagdschloss Herzogsfreude (Röttgen) sowie die nach 1753 angelegte Nußallee in Richtung Brühl zum Schloss Augustusburg. Der nachfolgende Kurfürst Maximilian Franz von Österreich schuf 1789 die Baumschulallee als Verbindung von Schloss und Baumschule sowie die Endenicher Allee von der Baumschule zum Sterntor und in der entgegengesetzten Richtung wieder zur Nußallee. Im 19. Jahrhundert wurden die bereits vorhandenen Alleen zu Leitlinien der Stadterweiterung im Südwesten Bonns. Diese wunderschönen kastaniengesäumten Straßen prägen noch heute überwiegend das Bild der Bonner Südstadt.

Ansichtskarte Baumschulwäldchen, um 1910
Ansichtskarte Alter Zoll, um 1950
Alle Ansichtskarten sind aus der eigenen Sammlung.

Bonner Ortsnamen: Lannesdorf


Erstmals 892 im Zusammenhang mit der Verwüstung des Rheinlands durch die Normannen als „Landulphesdorp“ erwähnt, ist bis ins 18. Jh. von dieser zu Mehlem gehörenden fränkischen Ansiedlung nur wenig bekannt. Seit dem Mittelalter durch Grundbesitz mit zahlreichen Klöstern, darunter auch die Kölner Stifte St. Severin und St. Gereon, verbunden, zählte Lannesdorf noch bei der franz. Katasteraufnahme von 1810 nur knapp 100 Häuser und eine Kapelle. Die größtenteils von Landwirtschaft sowie vom Basalt- und Tonabbau lebende Gemeinde wurde 1935 gemeinsam mit Mehlem der Stadt Bad Godesberg zugeschlagen und kam mit dieser bei der Gemeindegebietsreform 1969 an Bonn. Von Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs weitgehend unberührt, hat der Ort bis heute viel von seinem ursprünglichen Dorfcharakter mit seinem gewachsenen Ortskern, Fachwerkhäusern und zahlreichen Obst- und Gemüsegärten behalten. Nur die baufällig gewordene alte Herz-Jesu-Kirche musste 1975 durch einen Neubau ersetzt werden. Zudem hat sich im Osten des heute knapp 7000 Einwohner zählenden Orts zunehmend Industrie angesiedelt und ein Arbeiterwohngebiet entwickelt.

Kirchberg, Foto:
http://wir-lannesdorfer.blogspot.de/

Lannesdorfer Straße, Foto:
http://wir-lannesdorfer.blogspot.de/

15.6.1923: Geburtstag von Stadtdechant Walter Jansen

15.6.2014: Heute wäre unser vor zehn Jahren verstorbener Münsterpfarrer und Stadtdechant Walter Jansen 91 Jahre alt geworden.

Walter Jansen

Jansen im Bischofsornat







Walter Jansen wurde am 15.6.1923 in Neuss als jüngstes von drei Kindern geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er 1945 ein Studium der katholischen Theologie an der Universität Bonn und wurde 1951 zum Priester geweiht. Bis 1953 Kaplan in Porz-Urbach, war er 1953–1960 Pfarrer im Flüchtlingslager Ülzen. Danach wurde er zum Stadtjugendseelsorger und Kaplan am Bonner Münster ernannt. Nach kurzer Zeit wechselte er auf eine Pfarrstelle in Remscheid und wurde dort 1970 Dechant. 1975 wurde er zurück nach Bonn versetzt, wo er eine Pfarrstelle an der Münsterkirche übernahm und wenig später zum Stadtdechanten ernannt wurde. Beide Ämter hatte er bis 1983 inne. Seit 1976 „Kaplan seiner Heiligkeit“ mit dem Titel Monsignore, wurde er 1978 päpstlichr Ehrenprälat und 1983 Ehrendomherr in Köln. 1983 erfolgte seine Ernennung zum Bischof des Titularbistums Barica und zum Weihbischof in Köln. Noch im selben Jahr wurde Jansen Domkapitular an der Hohen Domkirche zu Köln. Seit 1994 als Weihbischof emeritiert, widmete er sich der Seelsorge an den alten Priestern des Bistums. Am 29.1.2004 verstarb er in Köln. Nach seinem Tod wurde er auf eigenen Wunsch und unter großer Anteilnahme des Klerus und der Bevölkerung im Kreuzgang des Bonner Münsters beigesetzt. Seiner eigenen Aussage nach wollte er nicht „auf Bahnsteig 1“ begraben werden (der Kölner Domherrenfriedhof befindet sich unmittelbar neben dem Hauptbahnhof). Jansen, der Bonn als seine Heimat betrachtete, ist vor allem die sorgfältige Restaurierung der Münsterkirche (abgeschlossen 1981) zu verdanken. Er zeichnete sich besonders durch seine bescheidene und menschenfreundliche Art aus.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Bonner Persönlichkeiten: Heinrich Lützeler

Heinrich Lützeler
Heinrich Lützeler wurde am 27.1.1902 als Sohn eines Porzellanmalers in Bonn geboren. Er wuchs in kleinbürgerlichen, stark katholisch geprägten Verhältnissen auf, legte das Abitur ab und immatrikulierte sich 1921 in den Fächern Philosophie, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaften an der Universität Bonn. Seine Lehrer waren u.a. Oskar Walzel und Paul Clemen. 1924 wurde Lützeler im Fach Philosophie bei Adolf Dyroff promoviert; seine Habilitation erfolgte 1930. Zunächst bestritt Lützeler seinen Lebensunterhalt als Theaterkritiker für Bonner Zeitungen, dann lehrte er als Privatdozent der Philosophie an der Bonner Universität, bis die National-Sozialisten ihm 1940 wegen seiner christlich motivierten Gegnerschaft zur nationalsozialistischen Rassenlehre, und wegen seines mutigen Eintretens für zahlreiche jüdische Freunde die venia legendi entzogen.

Seine mutige Abschiedsvorlesung „Vom Beruf des Hochschullehrers“ wurde geheim gedruckt, illegal verbreitet und weit über die Grenzen Bonns hinaus gelesen. 1942 erhielt Lützeler Rede- und Schreibverbot für ganz Deutschland und war im letzten Kriegsjahr von Verhaftung und Deportation bedroht. Erst 1945 wurde er durch die Briten wieder in seine akademischen Rechte an der Bonner Universität eingesetzt und 1946 zum ordentlichen Prof. der Kunstgeschichte ernannt. Lützeler lehrte bis zu seiner Emeritierung 1970, doch blieb er auch anschließend in Forschung und Lehre aktiv. Durch seine volksnahe Art genoss er bei der Bonner Bevölkerung eine große Popularität und galt als eine der originellsten Persönlichkeiten des Rheinlands.
Viele seiner Veröffentlichungen wie die „Philosophie des Kölner Humors“erfreuten sich ausgesprochen großer Beliebtheit. Am 13.6.1988 verstarb er in Bonn. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde in Bonn-Poppelsdorf eine Straße nach ihm benannt.
Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

13.6.1945: Todestag von Randolph von Breidbach-Bürresheim



Breidbach-Bürresheim
Randolph Freiherr von Breidbach-Bürresheim wurde am 10.8.1912 in Bonn als Sohn von Maria-Anna Gräfin Wolff Metternich und Hubert Freiherr von Breidbach-Bürresheim geboren, während sein Vater als Kommandeur einer Eskadron des Königs-Husaren Regiments Nr. 7 in Bonn stationiert war. Von den Eltern tief religiös als Katholik erzogen, studiere er nach dem Abitur Rechtswissenschaften und wurde 1938 in Erlangen promoviert. Danach trat er in die Kanzlei des berühmten Rechtsanwalts Dr. Josef Müller ein, der zahlreiche Gegner des Nationalsozialismus vor Gericht verteidigte. Bürresheim kam in Kontakt zu Dietrich Bonhoeffer, mit dem er mehrfach nach Rom reiste, wo er geheime Kontakte zum Heiligen Stuhl pflegte, um durch die Einschaltung Großbritanniens das Dritte Reich zum Frieden zu zwingen. Seit 1940 Soldat, nahm Breidbach-Bürresheim am Frankreich- und am Rußlandfeldzug teil. Entsetzt über die Gräueltaten schrieb er seine Erlebnisse und die von ihm beobachteten Verbrechen der Wehrmacht als Berichte an die Kanzlei Müller. Außerdem informierte er sich mehrfach über die Möglichkeiten „gegen den Hitlerismus zu arbeiten“. Als 1943 Hans von Dohnanyi, Dietrich Bonhoeffer und Josef Müller verhaftet wurden, führte dies zum Auffinden der sogenannten „Breidbach-Berichte“ in der Kanzlei Müller, seiner Verhaftung durch die Gestapo sowie einer Anklage wegen des Verstoßes gegen das Heimtückegesetz. Obwohl er am 4.3.1944 freigesprochen wurde, hielt man ihn weiter in Haft und überführte ihn im Februar 1945 in das Konzentrationslager Sachsenhausen. Aufgrund seiner schweren gesundheitlichen Schädigungen starb Breidbach-Bürresheim am 13.6.1945, kurz nach der Befreiung durch die russischen Truppen, noch im Lager. Heute wird er als Märtyrer des Erzbistums Köln verehrt. 

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Bonner Persönlichkeiten: Walter Poppelreuter

Eine durchaus problematische Persönlichkeit war Walter Poppelreuter, dessen stramm nationalsozialistische Ausrichtung hier nicht verschwiegen werden soll. Geboren wurde er am 8.10.1885 in Saarbrücken. Nach seinem Studium der Medizin und Psychologie arbeitete er 1914 als Schüler von K. Bonhoeffer in der Berliner Charité. Anschließend betreute er während des Ersten Weltkriegs eine Spezialstation für Kopfschüsse in Köln, wo er Untersuchungen an hirnverletzten Soldaten durchführte. 1920 übernahm er das Institut für Klinische Psychologie in Bonn, seit 1922 als außerordentlicher Professor. Seine Arbeiten zur Psychologie und Pathologie der optischen Wahrnehmung und der Hirnverletzten-Psychologie überhaupt waren bahnbrechend. Im Gegensatz dazu standen seine politischen Ansichten und das daraus resultierende Handeln. Bereits seit 1931 Mitglied der NSDAP, übernahm Poppelreuter den Vorsitz der „Reichsvereinigung der Förderung zur praktischen Psychologie“ und hielt Vorlesungen über „Politische Psychologie als angewandte Psychologie“ anhand von Hitlers Werk „Mein Kampf“. Er verstieg sich zu der Annahme, dieses Buch sei „eigentlich das Lehrbuch der politischen Psychologie“. Beim Gleichstellungskongress der DGfP 1933, in der bereits alle jüdischen Psychologen ausgeschlossen waren, trat Poppelreuter in SA-Uniform auf und hielt eines der Hauptreferate zu Hitlers „Mein Kampf“. In seinem Buch „Hitler, der politische Psychologe“ hetzte er in übelster Weise gegen Juden. Seine Abscheu gegen alles jüdische gipfelte am 10.3.1933 in einer von ihm angestifteten SA-Aktion gegen Otto Löwenstein, den jüdischen Leiter der Rhein. Provinzial-Kinder-Heilanstalt. Nach der damit verbundenen Erstürmung von Löwensteins Klinik durch etwa 100 bewaffnete SA-Männer und dessen Flucht ins Ausland, übernahm Poppelreuter Löwensteins Nachfolge. Am 11.6.1939 verstarb er in Bonn. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof.

Foto: Kölner Stadtanzeiger vom 11.12.2013


Aufgrund seiner Verdienste als Hirnforscher zunächst auch nach dem Krieg geehrt, gab es in verschiedenen Städten „Poppelreuter-Straßen“ – so auch in Köln –, bis sich seit den 1950er Jahren die Erben Löwensteins dagegen wehrten. So mussten in den versch. Städten die entsprechenden Straßen umbenannt werden. Nur in Köln gab es eine typisch rheinische Lösung: man setzte ein „Josef“ vor den Namen und seitdem heißt sie „Josef-Poppelreuter-Straße“, benannt nach dem ersten Direktor der römischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Bonner Persönlichkeiten: Ferdinand Zirkel


Grab Zirkels, Alter Friedhof
Ferdinand Zirkel wurde am 20.5.1839 in Bonn geboren, studierte an der hiesigen Universität seit 1855 Geologie, machte anschließend ausgedehnte Forschungsreisen durch Island, England und Schottland und wurde 1861 an der Bonner Universität zum Dr. phil. promoviert. 1863 wechselte er als außerordentlicher Prof. zunächst nach Lemberg, wo er 1865 zum ordentlichen Prof. ernannt wurde, dann 1868 nach Kiel und 1870 als Prof. für Geologie und Mineralogie nach Leipzig, wo er das Mineralogische Museum gründete, dessen erster Direktor er war. 1894/ 95 bereiste er Ceylon und trat 1909 als Kgl.-Sächs. Geheimer Rat in den Ruhestand. Anschließend kehrte er in seine Heimatstadt Bonn zurück, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Als einer der Ersten, der sich der mikroskopischen Erforschung der Gesteine widmete, wurde Zirkel zum Begründer der Petrographie. Seine 1863 veröffentlichten Forschungen waren grundlegend, ebenso sein 1866 erschienenes „Lehrbuch der Petrographie“. Seit 1882 korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, wurde er aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste 1898 mit der Wollaston Medal der Geological Society of London ausgezeichnet. In Colorado/USA wurde ihm zu Ehren ein Berg nach ihm benannt (Mount Zirkel). Am 11.6.1912 starb er in seiner Heimtstadt Bonn. Seine Grabstätte fand er auf dem Alten Friedhof.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Mount Zirkel, Colorado, USA

Bonner Straßennamen: Adenauerallee


Adenauerallee heißt seit 1967 das nach dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland benannte Teilstück der Bundesstraße 9 zwischen Koblenzer Tor und Bundeskanzlerplatz. Bis zum 25.5.1999 gehörte auch die heutige Willy-Brandt-Allee dazu. Erstmals erwähnt wurde die Adenauerallee im Bonner Sackkalender von 1842 als „Coblenzer Straße“. Als Teil der nach Remagen und Koblenz führenden römischen Limesstraße war sie allerdings schon um 12 v. Chr. erbaut und gehört damit zu den ältesten Bonner Straßen. 

Coblenzerstraße, Ansichtskarte um 1900, eigene Sammlung.

Bodenfunde aus römischer Zeit belegen eine dichte Besiedelung, sowohl in Form von militärischen Bauten als auch als zivile römische Siedlung (vicus bonnensis) mit Handwerkshäusern, Thermen und Tempeln. Neuere Ausgrabungen brachten an der heutigen Adenauerallee Nr. 206 eine römische Brauerei zutage. In kurfürstlicher Zeit war die Straße ein wichtiger Verbindungsweg zwischen den Residenzstädten Koblenz (Kurtrier) und Bonn (Kurköln).
Koblenzer Tor, AK um 1900, eigene Sammlung.
1751–1755 ließ Kurfürst Clemens August von Bayern das prächtige St. Michaelstor (heute Koblenzer Tor) als Einfahrt zur Stadt und Sitz des Michaelsritterordens errichten. Die Straße selbst blieb jedoch unbebaut, bis Ernst Moritz Arndt sich 1818 als Erster an der später zur Prachtstraße ausgebauten Coblenzer Straße ansiedelte. Bedeutende Bauten wie das Palais Schaumburg (1860), die Villa Hammerschmidt (1862), das Collegium Albertinum (1892) und und das Museum Koenig (1898) folgten. Nach Gründung der Bundesrepublik nahmen Bundeskanzler und Bundespräsident hier ihre Dienstsitze, und es entstanden das Bundeskanzleramt sowie Bundesministerien und Behörden entlang der Allee. Die Universität errichtete die Kinderklinik, die Universitäts- und Landesbibliothek sowie das Juridicum mit seiner von Victor Vaserely geschaffenen bedeutenden Op-Art-Fassade.
Beethovengymnasium, AK kurz vor 1900, eigene Sammlung.
Seit 1888 (kriegsbedingter Neubau 1951) befindet sich auch das 1626 gegründete älteste Bonner Gymnasium (Beethovengymnasium) dort. Heute ist die Adenaueralle vor allem geprägt durch die Vielzahl der ansässigen Institutionen, der repräsentativen Gebäuden im Wechsel mit typischer 1950er und 1960er Jahre Bebauung, den dichten Verkehr und das überwiegende Fehlen von Privathäusern.

7.6.1791: Eulogius Schneider wird aus dem Professorenamt entlassen


7.6.2014: Heute vor 223 Jahren wurde der Bonner Universitätsprofessor Eulogius Schneider aus seinem Amt entfernt. Wie kam es dazu?

Eulogius Schneider
Am 20.10.1756 wurde Eulogius Schneider als Sohn eines Weinbauern in Wipfeld (Kreis Schweinfurt) geboren. Getauft wurde der jüngste Sohn von insgesamt 10 Kindern auf den Namen Johann Georg. Nach Beendigung des Jesuitengymnasiums in Würzburg begann Schneider 1771 an der dortigen Universität ein Philosophiestudium, das er aufgrund finanzieller Schwierigkeiten 1775 abbrechen musste. Stattdessen trat er 1777 unter dem Namen Eulogius in Bamberg in den Franziskanerorden ein und studierte bis 1780 Philosophie in Augsburg und bis 1783 Theologie in Salzburg. Nach seiner Priesterweihe (1780) und seelsorgerischer Tätigkeit in Bamberg, nahm Schneider 1786 eine Stelle als Hofprediger bei Herzog Karl Eugen von Württemberg an, mit dem er sich jedoch bald überwarf. 1789 folgte er dem Ruf an die kurfürstliche Bonner Universität, wo er als Prof. der „schönen Künste“ auch den jungen Ludwig van Beethoven unterrichtete und in ihm die Begeisterung für die Ideale der französischen Revolution weckte, die später in dessen Oper „Fidelio“ Ausdruck fanden. Noch im selben Jahr (1789) trat Schneider aus dem Franziskanerorden aus und wurde Weltpriester. Großes Aufsehen erlangte er 1790 mit einer in Bonn gedruckten Sammlung teil erotischer, teils politischer Gedichte. Sein kurz darauf erschienener „Katechetischer Unterricht“ wurde durch Kurfürst Maximilian Franz von Österreich mit einem Verkaufsverbot belegt. Als Schneider daraufhin den Kurfürsten der Intrige bezichtigte, erfolgte am 7.6.1791 seine Entlassung aus dem Professorenamt, was ihn dazu veranlasste, sich in Straßburg den Jakobinern anzuschließen. Im Dienste der französischen Revolution bekleidete Schneider von nun an verschiedene politische Ämter und wurde 1793 öffentlicher Ankläger von Revolutionsgegnern beim Kriminalgericht des niederrhein. Departements. In der Folgezeit verhängte der als radikaler Jakobiner gefürchtete Fanatiker, der sein Priesteramt öffentlich niedergelegt hatte, mindestens 25 Todesurteile. Innerhalb der Revolutionäre nicht ohne Feinde, wurde Schneider wenige Stunden nach seiner Hochzeit von Louis Antoine de Saint-Just gefangen genommen und am 1.4.1794 in Paris auf dem Schafott guillotiniert. Er gilt bis heute als einer der in Wort und Tat radikalsten deutschen Anhänger der Französischen Revolution.

Quelle: Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

"Wahre Abbildung des meyneidigen Priesters Eulogius Schneider", zeitgenössischer Stich, 1793

Bonner Persönlichkeiten: Joseph Hubert Reinkens


Hubert Reinkens im Bischofsornat
Joseph Hubert Reinkens, erster alt-kath. Bischof; geb. 1.3.1821 Burtscheid bei Aachen, gest. 4.1.1896 Bonn. Nach dem Studium der kath. Theologie, der Philosophie und der Klass. Philologie an der Universität Bonn 1844–1847 trat Reinkens in das Kölner Priesterseminar ein, wurde 1848 zum Priester geweiht, kehrte zurück nach Bonn und nahm dort ein Kirchenrechtsstudium auf. Da die Bonner theol. Fakultät kein Promotionsrecht besaß, wurde Reinkens 1849 an der Universität München promoviert. Vom Kölner Erzbischof des Hermesianismus verdächtigt, wurde ihm eine Universitätskarriere verwehrt und er sollte in die Pfarrseelsorge eintreten. Stattdessen wechselte Reinkens an die Universität Breslau und habilitierte sich 1850 im Fach Kirchengeschichte. Seit 1853 außerordentl. Prof., erfolgte 1857 seine Ernennung zum ordentl. Prof. der Kirchengeschichte. Zu einem Bruch mit der kath. Kirche führten 1870 seine Schriften „Papst und Papstthum nach der Zeichnung des hl. Bernhard von Clairvaux« sowie „Über päpstliche Unfehlbarkeit«, die in der Kirche auf heftigste Kritik stießen und zu einem Untersuchungsverfahren gegen Reinkens führten. Der Aufforderung, sich von den Büchern zu distanzieren und sich dem Unfehlbarkeitsdogma zu unterwerfen, kam Reinkens nicht nach. Als ihm die Lehrerlaubnis entzogen wurde, veröffentlichte er weitere Schriften gegen den Papst. 1871 kehrte Reinkens zurück nach Bonn, wohin ihm 1872 das Exkommunikationsdekret zugestellt wurde, dessen Annahme er aber verweigerte. Stattdessen schuf er, gemeinsam mit seinen drei Bonner Kollegen F. H. Reusch, B. J. Hilgers und F. P. Knoodt, die Grundlage zur Alt-kath. Kirche und ließ sich am 4.6.1873 in St. Pantaleon in Köln zum ersten alt-kath. Bischof Deutschlands wählen. Reinkens und alle, die an der Wahl und am Weiheakt teilgenommen hatten, wurden daraufhin von Papst Pius IX. exkommuniziert. Die Regierungen von Preußen, Baden und Hessen anerkannten Reinkens jedoch als Bischof der Alt-Katholiken. Als ständige Residenz wählte er Bonn, wohin er 1873 endgültig übersiedelte. In den folgenden Jahren sorgte er für den Aufbau eines geordneten Kirchensystems in Deutschland und setzte sich mit den Bonner Unionskonferenzen 1874/75 für die ökumenische Annäherung an die Anglikanische Kirchengemeinschaft ein. Bis heute ist Bonn Bischofssitz der alt.-kath. Kirche Deutschlands. Grabstätte auf dem Alten Friedhof.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage 2011.

Bonn als Bischofssitz


Wenig bekannt ist die Tatsache, dass nicht nur Köln Bischofssitz ist, sondern auch Bonn – und das sogar zweifach: einmal als Sitz des Alt-katholischen Bischofs und einmal als Sitz des griechisch-orthodoxen Metropoliten.

Namen-Jesu-Kirche, AK, eigene Sammlung
1870 führte das Erste Vatikanische Konzil wegen der Definition der lehramtlichen Unfehlbarkeit des Papstes in katholischen Kreisen unmittelbar zu Widerständen und innerkirchlicher Opposition, die bald begann, sich als Alt-kath. Kirche zu organisieren. Die Bonner Professoren Franz Heinrich Reusch und Joseph Hubert Reinkens gehörten zu den Ersten, die noch 1870 die sogenannte Nürnberger Erklärung gegen das Vatikanum entwarfen und sich in Folge von der Kirche abspalteten. Durch die Wahl Reinkens zum ersten alt-kath. Bischof am 4.6.1873 wurde Bonn offizieller Bischofssitz und ist es bis heute geblieben. Für Gottesdienste stand zunächst die evangelische Schlosskirche zur Verfügung, bis die Gemeinde 1877 die 1686 durch Kurfürst Maximilian Heinrich von Bayern erbaute Namen-Jesu-Kirche (ursprünglich katholische Jesuitenkirche) übernehmen konnte. Seit 1934 diente sie als katholische Hochschulgemeindekirche, bis sie seit 2012 wieder als alt-katholische Kathedralkirche zur Verfügung stand. Ihre erste eigene Kirche ließ die alt-kath. Gemeinde 1934 an der Adenauerallee errichten. Im Zweiten Weltkrieg fiel sie den Bombenangriffen zum Opfer und wurde 1957 an selber Stelle als St. Cyprian neu erbaut. 1887 wurde das Bischöfliche Konvikt eingerichtet und 1937 folgte an der Universität Bonn das alt-kath. Seminar; bis heute das einzige Deutschlands.

Agia-Trias-Kirche in Limperich.
1963 nahm die Griechisch-Orthodoxe Metropolie, die drittgrößte christliche Kirche Deutschlands, ihren Sitz in Bonn, zunächst noch ohne eigenes Gotteshaus. 1976–1977 ließ sie nach Plänen des Architekten K. Höning im Stadtteil Limperich die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit (griech. agia trias) erbauen, die heute als Metropolitankathedrale der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland Sitz des Exarchen von Zentral-Europa ist. Eingeweiht wurde sie Pfingsten 1978 durch den Metropoliten selbst. Errichtet aus orckerfarbigen Backsteinen, basiert der Zentralbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, das, im Gegensatz zum lat. Kreuz aus vier gleichlangen Armen gebildet wird. Aus dem breiten, tiefliegenden Baukörper wächst ein oktogonaler mit Fenstern durchbrochener Vierungsturm heraus, der mit einer flachen Hängekuppel abschließt.
Der schlichten, mit nur einem Rundfenster versehenen Westfront gliedert sich eine niedrige Vorhalle an, der Nordseite ein zweigeschossiges aus drei Flügeln bestehendes Gemeindehaus, durch dessen Tordurchgang man den Innenhof betritt. An der Ostseite befindet sich ein halbrund vortretender Chor, flankiert
Agia-Trias-Kirche, Innenansicht.
durch zwei kleinere Nebenchöre. Innen wurde der fast fensterlose Bau auf einer Fläche von mehr als 600 m² aufs prächtigste von C. Voutsinas mit Ikonen und nach Motiven aus dem Alten und Neuen Testament ausgemalt, eine Arbeit die 23 Jahre in Anspruch nahm. Die sakrale Einrichtung und liturgischen Geräte wurden ausnahmslos von griechischen Künstlern und Handwerkern hergestellt.

Bedeutende Ereignisse: 1744 wurde die Regina Pacis errichtet


Zurückgehend auf ein Gelübde hatte Kurfürst Clemens August von Bayern die Muttergottes zur Schutzpatronin seines Kurstaates und der Residenzstadt Bonn erwählt. Höchster Ausdruck seiner Verehrung war die 1744 an der Schauseite seines Schlosses (heute Universität) an exponierter Stelle angebrachte Statue der Regina Pacis, angefertigt durch den Den Haager Bleigießer Willem Rottermondt. Beeindruckend ist ihr Schicksal, dem sie im Laufe der Jahrhunderte trotze: 1777 überstand sie den gewaltigen Brand, dem ein großer Teil des Schlosses zum Opfer fiel. 20 Jahre später, im Zuge des Bildersturms der französischen Revolution, sollte sie auf dem Höhepunkt eines Festes zur Verherrlichung der „Göttin der Vernunft“ durch ein Gespann von sechs Schimmeln heruntergerissen und auf einem hohen Scheiterhaufen verbrannt werden. Doch die Seile rissen, und die wütende Bonner Bevölkerung verhinderte eine Wiederholung des Schauspiels. Selbst den vernichtenden Bombenangriff vom 18. Oktober 1944, bei dem die Universität in Trümmern versank und das Hauptgebäude bis auf die Grundmauern ausbrannte, überstand sie unversehrt.

Regina Pacis, Universität, Foto: J. Niesen 2010
Die ca. 220 cm große, vergoldete Figur der Maria als Himmelskönigin (Regina Pacis) befindet sich in einer zur Rocaille ausgestaltete und mit viel vergoldetem Rokokodekor verzierten Nische über dem Portal des Universitäts-Hauptgebäudes an der hofgartenseitigen Fassade. Die im Kontrapost stehende Madonna in aufwändig drapiertem Gewand trägt auf ihrem Haupt eine mit Sternen besetzte Krone. Der Blick weist zu dem auf ihrem linken Arm sitzende Kind im Strahlenkranz, das, die Weltkugel haltend, mit der rechten Hand eine segnende Gebärde ausführt. Maria selbst hält mir der Rechten das Szepter als Zeichen ihrer königlichen Würde. Signiert ist das Bildwerk auf dem Sockel mit: W. Rottermond Ft = Hage 1744. Die über der Nische befindliche Rokokokartusche trägt die vergoldete Inschrift: Regina Pacis.

Regina Pacis
Die auf dem Höhepunkt des Rokoko angefertigte Bleiguss-Statue zeichnet sich durch eine besonders elegante Linienführung aus, deutlich sichtbar in ihrer S-förmigen Gesamtgestalt, aber auch in feinen Details wie der Fingerhaltung der rechten, das Szepter führenden Hand oder dem zierlich-leichten Faltenwurf des Gewandes. Bei der grazilen und fast spielerisch wirkenden Komposition erscheint Anmutigkeit im Ausdruck wichtiger als Erhabenheit. Damit gehört die sehr virtuos und einfühlsam gestaltete Figur der Regina Pacis in ihrer lebhaften Modellierung und der schwungvollen Linienführung zu den schönsten Bildwerken Bonns und bietet, eingebettet in die Fassade der Universität, einen ganz besonderen Anblick.

Über den Bildhauer und Bleigießer weiß man nur wenig. Geboren 1701 in den Niederlanden, schuf er mit seinem Sohn Hendrik drei bedeutende Plastiken für Bonn: die Regina Pacis 1744, den Erzengel Michael (auf dem Koblenzer Tor) 1750 und die hl. Helena (in der Kreuzkirche) 1755. 1755 starb er in 's Gravenhage (heute Den Haag).

Quelle: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Bonn 2013, S. 196 ff.

31.5.1601: Todestag von Gebhard Truchseß von Waldburg


 
31.5.2014: Vor 413 Jahren starb Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg.
 
Gebhard Truchseß von Waldburg
Geboren am 10.11.1547 in Heiligenberg als Spross des schwäbischen Geschlechts der Reichstruchsesse von Waldburg, studierte Gebhard an den Universitäten in Löwen und Perugia, erlangte Dompfründen in Augsburg, Köln und Straßburg und wurde 1577 gegen den vom Kaiser bevorzugten Ernst von Bayern zum Kölner Erzbischof und Kurfürsten gewählt. 1578 ließ er sich zum Priester weihen und erhielt 1580 die päpstliche Bestätigung. Trotz seines geistlichen Standes unterhielt Gebhard seit etwa 1579 ein Verhältnis zu Agnes von Mansfeld, Stiftsdame des Kölner Klosters Gerresheim. Sein Wunsch, sie zu ehelichen und das Erzstift in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln, führte zu weitreichenden Konflikten. Am 19.12.1582 sagte sich Gebhard öffentlich von der katholischen Kirche los und verkündigte die Gleichstellung beider Konfessionen. Durch seinen Bruder Karl Truchseß von Waldburg ließ er Bonn von dessen Truppen besetzen, erklärte den Übertritt der Stadt zum Protestantismus und ließ sich am 2.2.1583 evangelisch trauen. Durch diesen Schritt und den damit verbundenen Verletzungen des tridentinischen Eids und der Goldene Bulle wurden die Gegenkräfte auf den Plan gerufen, zunächst die katholische Partei im Domkapitel, dann auch Papst und Kaiser. Gebhards Absetzung als Erzbischof durch Papst Gregor XIII. folgte am 1.4.1583 seine Exkommunikation. Kurz darauf, am 23.5., wählte das Domkapitel Ernst von Bayern zu seinem Nachfolger und sicherte sich damit bayerische Truppenhilfe. Da Gebhard seinerseits kurpfälzische Unterstützung erhielt kam es zum Kölnischen Krieg, in dessen Verlauf Bonn von bayerisch-spanischen Truppen belagert und beschossen, das Poppelsdorfer Schloss erobert und die Godesburg gesprengt wurde. 1584 gelang es Ernst, die schwer geschädigte Stadt einzunehmen. Gebhard floh zunächst nach Westfalen, dann in die Niederlande, von wo er den Krieg mit niederländischen Truppen fortführte, was zur Verwüstung des Bonner St. Cassiusstifts führte. Erst 1588 konnte die kurkölnische Hoheit endgültig zurück erlangt werden, und Gebhard gab den Kampf auf. Er siedelte nach Straßburg über und starb dort am 31.5.1601 als protestantischer Domdechant. In Bonn-Bad Godesberg wurde 1901 die Truchseßstraße nach ihm benannt.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Einnahme Bonns durch Ernst von Bayern 1588, Kupferstich von Jan Miel, 1640, eigene Sammlung.

29.5.1841: Todestag von Ernst von Schiller

Ernst von Schiller
Geboren wurde Ernst von Schiller, der Sohn des Dichters Friedrich von Schiller, am 11.7.1796 in Jena. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der dortigen Universität wurde er 1819 Assessor beim Kreisgericht in Köln. 1823 heiratete er die Bonner Witwe Maria Magdalena von Mastiaux, die Schwester des Vilicher Bürgermeisters Gabriel von Pfingsten, wodurch er sich mit einer der führenden Familien des Bonner Raums verband. An seinem Bonner Wohnsitz auf dem Schevasteshof besuchte ihn seine Mutter, Charlotte von Schiller, regelmäßig. Einmal schrieb sie von dort in einem Brief an ihre Tochter Emilie: „In Bonn hat man fünf Wölfe geschossen; ob der Vetter einen erlegt hat, weiß ich nicht; überhaupt gibt es viele Wölfe; jetzt werden sie wieder in ihre Wälder entfliehen.“ 1825 suchte sie wegen eines Augenleidens den Bonner Spezialisten Prof. Philipp von Walther auf, der sie am 4.7.1826 am grauen Star operierte. Obschon die Operation gut gelang, verstarb Charlotte von Schiller fünf Tage später an einer Infektion und wurde am 11.7.1826, dem 30. Geburtstag ihres Sohnes, auf dem Alten Friedhof beigesetzt.

Schevasteshof, Schillers Wohnsitz
1828 wurde Ernst von Schiller nach Trier versetzt, doch war ihm 1835 durch seine Beförderung zum Appellationsgerichtsrat in Köln eine Rückkehr nach Bonn möglich. Schwer lungenkrank, verstarb er 1841 in Bonn an einer Tuberkulose. Seinem Wunsch gemäß wurde er auf dem Alten Friedhof im Grab seiner Mutter beigesetzt. Zuvor hatte sich auf dem Münsterplatz ein großer Leichenzug gebildet, wobei die Universität besonders zahlreich vertreten war. Aufgerufen dazu hatte der Rektor der Universität, Ernst Moritz Arndt. In einem Bericht der „Kölnischen Zeitung“ hieß es später: „Der Oberbürgermeister von Bonn, der zeitige Universitätsrektor Arndt, eine große Anzahl von Professoren und Studenten, Beamte und Honoratioren, zahlreiche Freunde und Bekannte des Verstorbenen bildeten den Zug.“ Vom Haus des Domänenrats de Claer (Ecke Münsterplatz/In der Sürst) zog man gemeinsam zum Grab, wo der Sarg Ernst von Schillers neben dem seiner Mutter beigesetzt werden sollte. Doch war das Grab zu schmal, so dass Ernsts Sarg auf den der Mutter zu liegen kam, der aufgrund des Gewichts zusammenbrach. Auf diese Weise wurden die Gebeine von Mutter und Sohn vereint.


Schillers Grab, Alter Friedhof
Die Grabstätte ziert eine gusseiserne Wandtafel in neogotischem Stil mit den ersten Versen aus dem Gedicht „Der Genius“ von Friedrich von Schiller: „Muß ich ihn wandeln, den nächtlichen Weg? Mir graut ich bekenn’ es! Wandeln will ich ihn gern führt er zu Wahrheit und Recht.“ Dabei wurde allerdings die Originalzeile „Wandeln will ich ihn doch, ...“ in „Wandeln will ich ihn gern ...“ abgeändert. Und noch ein wichtiges Detail wurde später verändert: Der Todestag auf der Tafel besagt 29.5.1841 – doch tatsächlich war Schiller bereits am 19.5. verstorben. Die Eins wurde erst später durch eine Zwei ersetzt. Auch die Wahl des Materials hat eine tiefergehende Bedeutung, denn seit den Befreiungskriegen galt Eisen im Sinne von „Gold gab ich für Eisen“ als heroisch und patriotisch und wurde gerade für die Romantik signifikant.

Am 19.7.2007 wurde das Grab auf dem Alten Friedhof im Rahmen eines Forschungsprojekts von Anthropologen aus Freiburg und Berlin geöffnet, um DNA-Proben der Gebeine zu entnehmen und sie mit der DNA der Friedrich Schiller zugeschriebenen Gebeine in der Weimarer Fürstengruft zu vergleichen. Nach eingehender Untersuchung konnte abschließend belegt werden, dass die Weimarer Gebeine zweifelsfrei nicht dem Dichter gehören, womit ein 150 Jahre andauernder Gelehrtenstreit beendet werden konnte. 

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Aufl., Bonn 2011, S. 420-421.