Dienstag, 16. Dezember 2014

Heute vor 244 Jahren wurde Ludwig van Beethoven getauft.


Ein Blog über das historische Bonn ist ohne Beethoven undenkbar. Deshalb ergreife ich die Gelegenheit, zu Beethovens Tauftag (und die im Dezember liegenden Todestage seines Vaters und Großvaters) etwas über den Komponisten zu schreiben, wobei ich den Augenmerk auf seine Bonner Zeit legen möchte, denn seine späteren Jahre sind hinlänglich in hunderten Dokumentationen und Büchern beschrieben worden.

Ludwig van Beethoven,
Großvater
Die Familie van Beethoven stammte aus einem alten flämischen Geschlecht aus der Gegend von Löwen, das sich bis Mechelen und Antwerpen verzweigt hatte. Der erste dieser Familie, der sich in Bonn niederließ, war Ludwig van Beethoven (d. Ä.), der Großvater des Komponisten. Am 5.1.1712 in Mechelen geboren, sang er seit 1717 als Chorknabe an der dortigen Kapelle und stieg 1731 zum Tenoristen (also Tenor-Sänger) und Substitut des Löwener Kapellmeisters auf. 1732 begegnet er uns als Bassist in Lüttich, bevor er sich 1733 an den Bonner Hof begab und dort von Kurfürst Clemens August zum „Hof-Musicum gnädigst erklärt und aufgenommen“ wurde. Über 40 Jahre diente er in der Folgezeit am kurkölnischen Hof, erhielt 1746 wegen guter Leistungen eine deutliche Gehaltserhöhung und stieg 1761 zum Kapellmeister der Bonner Hofkapelle auf. Kurz nach seiner Ankunft in Bonn hatte er Maria Josepha Poll (Pall oder Ball) geheiratet, mit der er mehrere Kinder bekam, von denen aber alleine ihr Sohn Johann die Kindheit überlebte. Vielleicht war dieses Schicksal die Ursache für das spätere Leiden der „Madam Beethoven“, die wohl der Trunksucht verfiel und zur Pflege in das Kölner Ursulinen-Kloster verbracht werden musste. Wie viele Hofmusiker versuchte auch Beethoven sein Gehalt durch einen Nebenerwerb aufzubessern und betrieb in seinem Haus „Zum Walfisch“ in der Rheingasse einen schwungvollen Exporthandel mit Rhein- und Moselweinen in seine flämische Heimat. Am 24. Dezember 1773 starb er in Bonn. In zeitgenössischen Schilderungen wird stets seine besondere Freundlichkeit und Gutmütigkeit hervorgehoben.

Johann van Beethoven,
(ungesicherte Darstellung,
dem Vater zugeschrieben)
Seinen um 1740 in Bonn geborenen Sohn Johann van Beethoven unterrichtete der Vater selbst, bis der Junge mit 12 Jahren Sänger an der kurfürstlichen Hofkapelle werden konnte. Zunächst noch ohne Gehalt, wurde er 1756 deren vollwertiges Mitglied als Tenor. 1767 heiratete er die junge Witwe Maria Magdalena Keverich und zog mit ihr in das Hinterhaus der Bonngasse Nr. 515 (heute Nr. 20), wo drei Jahre später ihr Sohn Ludwig als zweites von sieben Kindern geboren wurde. Da Beethovens künstlerische Begabung allgemein als mittelmäßig geschildert wird, ist sein Verbleib in der Hofkapelle wohl dem Vater zu verdanken. 1773 übernahm er die Leitung der Hofkapelle bis zum Tod des Vaters kommissarisch und erhoffte sich, anschließend selbst zum Leiter der Kapelle ernannt zu werden, was er durch Bittbriefe und Geschenke an Minister Caspar Anton von Belderbusch zu erreichen trachtete. Doch die Kapellmeisterstelle erhielt nicht er, sondern der Italiener Andrea Luchesi. In einem – mit Vorsicht zu betrachtenden – anonymen Erpresserschreiben an den Kurfürsten heißt es 1784, Johann van Beethoven habe seiner Bitte durch eine „stehende Uhr“ und andere Geschenke Nachdruck verliehen, worauf der Minister ihm auch „eine Versorgung für seinen Sohn Lovis“ versprochen habe, doch da die Hilfe ausgeblieben sei, fordere Beethoven nun von den Erben des inzwischen verstorbenen Ministers 431 Reichstaler für die Uhr, zwei Gemälde, eine flämische Bibel, Gläser, Tassen, Porzellan und Spitze zurück.

Vielleicht aus Frust und Ärger über die ausgebliebene Beförderung und Gram über den Tod seiner Ehefrau (1787) verfiel Beethoven zusehends der Trunksucht und konnte seit 1789 seinen Beruf nicht mehr ausüben. Nach seinem Tod am 18. Dezember 1792 soll der Kurfürst ironisch gesagt haben: „Die Getränke-Accise hat an Beethovens Tod einen Verlust erlitten“.

Wann genau Ludwig van Beethoven, der große Komponist, geboren wurde, ist nicht bekannt. Getauft wurde er aber am 17. Dezember 1770 in der alten St. Remigiuskirche, die sich seinerzeit am heutigen Remigiusplatz befand. Nach ihrem Brand im Jahr 1800 musste die schwer beschädigte Kirche 1806 abgerissen werden. Das Patrozinium ging auf die Minoritenkirche (heute St. Remigius) über, wo sich heute auch der originale Taufstein befindet, an dem Beethoven getauft wurde.

Beethovens Taufstein
Beethovens Taufbucheintrag
Von Zeitgenossen wurde Beethoven als „scheu und einsilbig, in sich gekehrt und ernsthaft“ beschrieben, zugleich aber auch als Kind, das gerne Streiche ausheckte und mit seinen Kameraden ausführte. Zu beachten ist dabei, dass all diese Schilderungen erst angefertigt wurden, nachdem die Größe seines überragenden Talents sich gezeigt hatte und Beethoven zu einem weltberühmten Komponisten geworden war. Wieviel von den Erinnerungen an seine Kindheit also wahrhaftig ist, oder sich eher am späteren Menschen orientierten, ist also fraglich.

Beethoven mit
etwa 13 Jahren
Der junge Beethoven wurde vom beflissenen Vater, der in Bonn einen guten Ruf als Musiklehrer genoss, selbst ausgebildet. Er hatte wohl das Talent des Sohns früh erkannt und versuchte es mit unnachgiebiger Härte und Strenge zu fördern, wobei es ihm sicherlich vorschwebte, einen zweiten Mozart aus ihm zu machen. Seinen ersten Auftritt hatte Beethoven mit knapp acht Jahren in Köln, wo der Vater ihn – um das wunderkindhafte noch zu unterstreichen – als „Söhngen von sechs Jahren“ anpries. Auch später machte er Ludwig gerne ein bis zwei Jahre jünger. Beethovens Kindheit war geprägt von Armut, einer ganzen Reihe von Umzügen (siehe dazu meinen Artikel: Beethoven-Häuser in Bonn) und strengem Musikunterricht. Oft zwang der Vater den Jungen, nachts aufzustehen, um Klavier zu üben. Die Schule musste er bereits mit elf Jahren verlassen. Stattdessen bekam er seit 1782 zusätzlichen Unterricht in Cembalo- und Orgelspielen bei Christian Gottlob Neefe und im Geigenspiel bei Franz Anton Ries. Noch im selben Jahr veröffentlichte der zwölfjährige Beethoven bereits erste eigene Kompositionen.

In seiner freien Zeit scheint er gerne und viel gewandert und umhergestreift zu sein, es wird von Ausflügen in das Siebengebirge und ins Ahrtal berichtet, oft fand man ihn auf den nahegelegenen Feldern oder im Wald. Zwei dramatische Ereignisse seiner Jugend müssen ihn nachhaltig beeindruckt haben. 1777 brach eine drei Tage dauernde Feuersbrunst im nicht weit entfernten kurfürstlichen Schloss aus, der weite Teile der Anlage verwüstete, auf das ganze Stadtviertel überzuspringen drohte und mehreren Menschen das Leben kostete. Das Entsetzten, das in Bonn vorherrschte, wird auch den erst siebenjährigen Jungen erfasst haben. Man sei froh gewesen, in der Rheingasse zu wohnen, weil mit dem Rhein Löschwasser genug vorhanden sei, berichteten Zeitzeugen.

Brand des kurfürstlichen Schlosses in Bonn am 15.1.1777,
zeitgenössische Darstellung

Doch auch der Rhein barg seinerzeit seine Gefahren. 1784 stieg, durch schweren Eisgang bedingt, dem eine plötzliche Schmelze folgte, der Rhein mit 13,10 m über NN so hoch an, dass die Flut die am Ufer gelegenen Häuser mit sich fort riss. Das Wasser stieg über den Belderberg und lief bis in den Kreuzgang der Münsterkirche. Die schwere Rheinschiffmühle wurde durch die Gewalt des Wassers und den darauf treibenden Eisschollen gegen die Stadtmauer gepresst und brachte sie mitsamt den angebauten Häusern zum Einsturz. Auch die Familie Beethoven musste über eine Leiter aus ihrem Haus fliehen. Vielleicht waren diese Ereignisse ausschlaggebend dafür, dass Naturerlebnisse in Beethovens späterem Werk eine besondere Bedeutung bekamen.

Grab von Beethovens Mutter,
Alter Friedhof
Schon im Alter von elf Jahren hatte Beethoven im Gottesdienst Orgel gespielt, seit 1783 spielte er im Hoforchester Cembalo und nun, im Verlauf des Jahres 1784, erlangte er an der Bonner Hofkapelle seine erste feste Anstellung als stellvertretender Hoforganist. Auch dem Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich, dem der dreizehnjährige Beethoven bereits drei Klaviersonaten gewidmet hatte, blieb dessen Begabung nicht verborgen, so dass er ihn 1786 zur weiteren Ausbildung zu Mozart nach Wien schickte. Ob es je zu einer Begegnung zwischen Beethoven und Mozart kam, ist bis heute nicht geklärt, wenn es auch als wahrscheinlich angenommen wird. Seinen Unterricht jedenfalls hatte Beethoven nie aufgenommen, denn wegen der schweren Erkrankung seiner geliebten Mutter – die bald darauf an der Schwindsucht starb – trat er bereits nach kurzer Zeit die Heimreise an. Ihren frühen Tod am 17. Juli 1787 konnte er nicht verwinden und war lange nicht fähig, zu komponieren. In einem Brief an seinen Freund Joseph von Schaden schrieb er die berührenden Worte: „Sie war mir eine so gute liebenswürdige Mutter, meine beste Freundin“.

Der junge Beethoven
mit 31 jahren
Beethoven hatte in Bonn schon früh Anschluss an die intellektuellen Kreise gefunden. Seine erste Liebe war seine Klavierschülerin Eleonore von Breuning, der er zwei Kompositionen widmete und sie später zur Namensgeberin der „Leonore“ in seiner Oper Fidelio machte. Oft war er Gast im „Zehrgarten“, wo sich Professoren und Künstler trafen (siehe meinen Beitrag: Wirtshaus Zehrgarten). Auch seinem frühesten Förderer, Graf Waldstein, begegnete er hier. 1789 wurde zu einem einschneidenden Jahr für Beethoven. Da der verwitwete Vater mit der Erziehung der jüngeren Kinder überfordert und der Trunksucht verfallen war, war der noch nichteinmal volljährige Komponist gezwungen, den Familienvorsitz zu übernehmen und Vormund seiner Brüder zu werden, wozu ihm vom Kurfürsten die Hälfte des väterlichen Gehalts ausbezahlt wurde. Trotz dieser großen Verantwortung betrieb er auch seine eigene Ausbildung weiter und schrieb sich noch im selben Jahr an der kurfürstlichen Bonner Universität ein. Sein revolutionärer Lehrer Eulogius Schneider (siehe meinen Beitrag: Eulogius Schneider) weckte in ihm die Begeisterung für die Ideale der französischen Revolution, die später in seiner Oper Fidelio und der 3. Sinfonie Ausdruck fanden. Als noch im selben Jahr das neue Opernhaus in Bonn eröffnet wurde, brach Beethoven sein Studium ab, um im Opernorchester Bratsche zu spielen.

Nachdem 1790 der Bruder des Kurfürsten, Kaiser Joseph II. gestorben war, wurde Beethoven von der Bonner Lesegesellschaft mit der Komposition einer Trauerkantate beauftragt. Gemeinsam mit der kurz darauf für den kaiserlichen Nachfolger entstandenen „Kantate zur Erhebung von Leopold II.“ sind sie die ersten großen Chor-Kompositionen Beethovens. Im Sommer desselben Jahres besuchte Joseph Haydn auf seiner Reise nach London Bonn, ebenso wie auf seiner Rückreise 1792. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm in der Godesberger Redoute auch Beethoven vorgestellt. Wahrscheinlich kam schon da der Gedanke auf, dass Beethoven sich bei Haydn in Wien ausbilden lassen solle. Jedenfalls erhielt er 1792 auf Vermittlung des Grafen Waldstein vom Kurfürsten erneut ein Ausbildungsstipendium. Im November des Jahres war es soweit und Beethoven wurde von seinen Freunden verabschiedet. Graf Waldstein schrieb in dessen Stammbuch die berühmten Worte: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen!“

Stammbuch Beethovens mit dem Waldsteinschen Eintrag,
Faksimile eig. Sammlung, Original im Beethovenhaus

Zwei Jahre darauf besetzten französische Truppen die Stadt Bonn, der Kurfürst musste fliehen und die Hofmusik wurde aufgelöst. Beethoven blieb in Wien und kehrte nie wieder in seine geliebte Heimatstadt zurück. Aus Wien schrieb er an seinen Freund Gerhard Wegeler: „… mein Vaterland die schöne gegend, in der ich das Licht der Welt erblickte, ist mir auch immer so schön und deutlich vor meinen Augen, als da ich euch verließ, kurz ich werde diese Zeit mir als eine der glüklichsten Begebenheiten meines Lebens betrachten, wo ich euch wieder sehen und unsern Vater Rhein begrüßen kann.“


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