Sonntag, 23. November 2014

25.11.1314: Königskrönung im Bonner Münster.


Vor 700 Jahren (1314) war die politische Lage im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sehr angespannt und es kam in Folge dessen zu einer Königskrönung im Bonner Münster.

Entstanden war das Reich im 10. Jahrhundert aus dem karolingischen Ostfrankenreich heraus und sah sich in der Tradition des Römischen Reichs, doch nun unter christlichen Vorzeichen. Ihm stand der römisch-deutsche König vor, der von den sieben (später neun) höchsten Reichsfürsten, den Kurfürsten, gewählt wurde. Vier dieser Kurfürsten waren weltliche, drei geistliche Fürsten (Erzbischöfe).

Erste Darstellung eines Kurfürstenkollegs,
Codex Balduineus, um 1340,
ganz links der Kölner Erzbischof und Kurfürst
Wahl und Krönung des römisch-deutschen Königs hatten nach einem festen Ritus zu erfolgen, der 1356 in der Goldenen Bulle erstmals schriftlich festgehalten wurde. Nach diesem Zeremoniell war der einzig legitime Koronator der Kurfürst-Erzbischof von Köln (die Kölner Kurfürsten hielten sich seit 1263 vorwiegend in Bonn auf, das 1597 offiziell zur kurfürstlichen Haupt- und Residenzstadt erhoben wurde). Gemeinsam mit dem Kurfürsten von Trier führte er den frisch gewählten König zum Altar, wo er vom Kurfürsten von Mainz empfangen wurde. Hier kniete der König nieder und es wurden Gebete gesprochen. Es folgte ein Hochamt und die Salbung durch den Kölner Kurfürsten. Anschließend wurden dem König das Krönungsornat angezogen und das Schwert Karls des Großen überreicht. Dann hängte der Reichskämmerer ihm den Krönungsmantel um, und die drei geistlichen Kurfürsten setzten ihm gemeinsam die Reichskrone auf. Damit der Krönungsakt Rechtsgültigkeit erlangte, musste einer dieser drei geistlichen Kurfürsten zwingend der Kölner Kurfürst-Erzbischof sein! Als einzig rechtmäßiger Krönungsort galt die Aachener Pfalzkapelle. Das Krönungszeremoniell erreichte also nur dann die volle Rechtsgültigkeit, wenn drei Bedingungen erfüllt waren:

Die Reichsinsignien
Krone, Apfel und Zepter
1. die Krönung musste in der Aachener Pfalzkapelle stattfinden
2. zur Krönung benötigte man die rechtmäßigen Reichsinsignien
3. der Koronator musste der Kurfürst und Erzbischof von Köln sein

Wenn mindestens eine dieser Kriterien nicht erfüllt war, galt die Krönung als nicht vollzogen.

Im November des Jahres 1314 kam es nun zum Eklat. Friedrich III. (genannt „der Schöne“), aus dem Geschlecht der Habsburger, Herzog von Österreich und der Steiermark, stand mit Ludwig von Bayern in Zwist um die Königskrone. Bei der nach dem Tod des römisch-deutschen Königs Heinrich VII. stattgefundenen Königswahl war es zu einer Pattsituation gekommen. Keiner der beiden Kontrahenten hatte die erforderliche Einstimmigkeit erreicht. Ludwig von Bayern war es zwar gelungen, die Stimmen der Erzbischöfe von Mainz und Trier sowie des Markgrafen von Brandenburg und des Königs von Böhmen auf sich zu vereinen, aber der Pfalzgraf bei Rhein und der Kurfürst von Sachsen wollten unter der Führung des Kölner Erzbischofs Heinrich von Virneburg unbedingt eine Dynastiebildung durch den Wittelsbacher verhindern und gaben ihre Stimme Friedrich dem Schönen. Sowohl Friedrich als auch Ludwig betrieben nun schnellstmöglich ihre Krönungen! Ludwig konnte sich den rechtmäßigen Krönungsort Aachen sichern, aber er hatte weder den richtigen Koronator, noch verfügte er über die Reichsinsignien. Friedrich hingegen hatte mit seinem Parteigänger, dem Kölner Kurfürsten, zwar den richtigen Koronator – und auch die Reichsinsignien waren in seinem Besitz – aber er musste nach Bonn, dem „falschen“ Krönungsort ausweichen.

Friedrich der Schöne
----------Ludwig von Bayern-------------
























So kam es, dass am 25. November 1314, vor genau 700 Jahren, die erste Königskrönung in der Geschichte der Bonner Münsterkirche durch den Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg mit einem festlichen, ja pompösen Zeremoniell stattfand! Die ganze Stadt muss damals auf den Beinen gewesen sein, um der Krönung beizuwohnen, einem Akt, der für das ganze Reich von größter Bedeutung war. Das Fresko eines monumentalen Reichsadlers im nördlichen Querschiff der Münsterbasilika weist heute noch auf die Königskrönung hin. Die Inschrift unter dem Adler besagt: „In alma hacce aede solemniter coronati sunt Romanorum Reges Fridericus Austriacus per manus Henrici Archiepiscopi Coloniensis AD 1314“.

Reichsadler, Fresko
im Bonner Münster.

Originalabbildung:
http://www.bonner-muenster.de/
kroenung700/geschichte/
sehenswertes/reichsadler/
Bonner Münster: Nördliches Querhaus mit Fresken
















Nach der Krönungszeremonie versammelten sich alle in Bonn anwesenden Fürsten und Herren im Konvent der Minoriten (heute St. Remigius) unter dem Vorsitz des Kurfürsten und verkündeten die vollzogene Salbung und Krönung offiziell dem Reich. Die dabei ausgestellte Urkunde gibt zur Rechtfertigung eine genaue Darstellung der Ereignisse wieder. Am 4. Dezember 1314 erhielt die Stadt Bonn als Belohnung für ihre treuen Dienste auf ewige Zeiten das Recht am Verkauf des sogenannten Bannweins verliehen, womit die Weinzapfgerechtigkeit ganz in die Hand der Bürgerschaft überging.

Was die beiden gleichzeitig gekrönten Könige angeht, so fanden sie nach über zehn Jahren zu einem Kompromiss, bei dem sie sich gegenseitig anerkannten und auf eine Art Doppelherrschaft einigten, wobei Friedrich jedoch nur eine untergeordnete Rolle zukam, während Ludwig die Kaiserkrone erhielt.

Fast auf den Tag 32 Jahre nach diesem bedeutenden Ereignis wurde Bonn zum zweiten Mal Krönungsort. Diesmal, am 26. November 1346, wurde Karl von Mähren – wiederum in der Münsterkirche – zum König gekrönt. Fortan nannte er sich Karl IV. und ging als einer der bedeutendsten Herrscher des späten Mittelalters in die Geschichtsbücher ein.

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