Sonntag, 12. Oktober 2014

Bonn und seine Heilgen: Adelheid von Vilich.


Adelheid auf einem Pilgerblatt
von 1718
Adelheid ist die früheste Bonner Persönlichkeit, die in die Geschichte eingegangen ist. Sie stammte aus einer adeligen Familie und war die Tochter von Megingoz, Graf von Geldern, und dessen Ehefrau Gerberga. Ihr Vater besaß große Güter bei Geldern am Niederrhein und in der Nähe von Bonn. Als Gegner der deutschen Herrschaft in Lotharingien ergriff er die Partei Heinrichs, kämpfte 941 auf dessen Seite beim zweiten Aufstand gegen König Otto I., musste fliehen und konnte sich so vor der Todesstrafe retten. Aus seiner Ehe mit der aus höchstem Hause stammenden Gerberga, Tochter des Pfalzgrafen Gottfried und Enkelin des westfränkischen Königs Karl III. (des Einfältigen), gingen fünf Kinder hervor. Der einzige Sohn Gottfried fiel 976/977 im Kampf gegen die Böhmen, seine Schwestern Irmintrud und Alverad heirateten standesgemäß während Bertrada als Ordensfrau Äbtissin des Kölner Stifts St. Maria im Kapitol wurde. Das jüngste Kind, Adelheid, wurde nach 965 und vor 970 auf Burg Geldern bei Pont geboren, wo sie auch ihre Kindheit verbrachte.

Modell der Burg Geldern, Geburtsort von Adelheid

Ihre umfassende Ausbildung erhielt sie im Kölner Kloster St. Ursula, in das sie bereits als junges Mädchen eingetreten war, jedoch ohne die Ordensgelübte abzulegen. Als ihr einziger Bruder Gottfried gefallen war, gründeten die Eltern ihm zum Angedenken 978 auf ihrem Grund und Boden in (Bonn-)Vilich ein Frauenkloster neben einer bereits seit dem 8. oder 9. Jahrhundert befindlichen kleinen Kirche, die wohl schon zuvor als Friedhofskapelle genutzt worden war. 987 wurde aus dem Kloster ein Reichsstift mit besonderen Privilegien. Da die ältere Bertrada bereits Äbtissin des Kölner Klosters Maria im Kapitol war, setzten die Eltern Adelheid als Leitung des Stifts ein, das sie später in ein Kloster umwandelte und deren erste Äbtissin sie wurde.

Kirche St. Peter in Vilich
Foto: Hans Weingartz
Während der Hungerjahren im Rheinland um das Jahr 1 000 erlangte Adelheid als Helferin der Armen hohes Ansehen. Der Überlieferung nach habe sie kniend um Regen gebetet und sich dabei auf ihren im Boden steckenden Äbtissinnen-Stab gestützt. Daraufhin sei eine Quelle hervorgesprudelt, die noch heute fließt. Auf dieses Ereignis geht der Name des Beueler Ortsteils Pützchen zurück, der sich vom lateinischen Wort „puteus“ (=Brunnen, Quelle) ableitet, das in seiner rheinischen Form zu „Pütz“ (=Pfütze) wurde und im Diminutiv eben zu Pützchen. Adelheidis verwandte die Einkünfte des Klosters und ihr eigenes Vermögen nahezu ausschließlich für wohltätige Zwecke und gründete neben einem Krankenhaus eine Schule, in der die Kinder der Armen unterrichtet und beköstigt wurden. Auf Wunsch des Kölner Erzbischofs Heribert, dessen Ratgeberin Adelheidis war, übernahm sie um 1002, nach dem Tod ihrer Schwester Bertrada, zusätzlich als Äbtissin die Leitung des Klosters
Reliquienbüste von Adelheid
Foto: Hans Weingartz
Maria im Kapitol. Dort starb sie vermutlich im Jahre 1015 nach einer schweren Erkrankung. Ihr Leichnam wurde per Schiff nach Vilich überführt und im Kloster beigesetzt, wo auch ihre Eltern begraben waren. Nachdem sich an ihrem Grab Wunder ereignet haben sollen, setzte bald ein reger Wallfahrtsbetrieb ein, der sich im Laufe der Jahrhunderte zum größten Jahrmarkt im Rheinland (seit 1367 erstmals als „Pützchens Markt“ erwähnt) entwickelte. Bereits 1222 ist in einer Schrift die Rede von der „heiligen Adelheid“, doch fiel erst 1897 auf, dass sie nicht im offiziellen Heiligenkatalog verzeichnet war. Nach jahrzehntelangem Bemühen um eine förmliche Kanonisation wurde sie am 27.1.1966 durch Papst Paul VI. heilig gesprochen. Am 9.8.2008 wurde sie – neben Cassius und Florentius – zur dritten Stadtpatronin von Bonn erhoben, was am 29.11.2008 durch den Kölner Weihbischof Heiner Koch feierlich verkündet wurde.

Tumba des Grabs von Adelheid,
Foto: Hans Weingartz

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