Sonntag, 19. Oktober 2014

Bonn und seine Heiligen: Seliger Ritter Heinrich von Bonn.


Ankunft des Kreuzfahrer-
heeres in Konstantinopel,
Jean Fouquet, 1460
-
Die Geburt Heinrichs liegt, wie bei den meisten mittelalterlichen Biographien, im Dunkeln. Über seine Herkunft und Jugend schweigen die Quellen. Ins Licht tritt er erst im Zusammenhang mit dem zweiten, von Bernhard von Clairveaux gepredigten Kreuzzug, an dem er als Kreuzritter „Heinrich von Bonn“ im Mai des Jahres 1147 teilnahm. Ob er in Bonn bereits geboren wurde oder nur ortsansässig war, weiß man nicht. Die englischen, flämischen und deutschen Kreuzfahrer nahmen den Seeweg nach Portugal, landeten auf der Iberischen Halbinsel und eroberten das von Mauren besetzte Lissabon. Bei dieser Schlacht fiel Heinrich und wurde später in einem Grab auf dem deutschen Friedhof beerdigt, den der portugiesische König Alfonso Henriques I. nahe der Kirche Nossa Senhora dos Mártires für die Gefallenen gestiftet hatte.
Alfonso Henriques I.

Schon in den zeitgenössischen Berichten werden Wunder erwähnt, die sich hier an den Gräbern der Gefallenen (schon bald Märtyrer genannt) ereignet haben sollen. In einem 1188 abgefassten Bericht über das Kloster São Vicente wird ein Deutscher besonders gerühmt: Ritter Heinrich von Bonn, aus „einer Stadt vier Meilen hinter Köln“. Es heißt dort, eine Palme wüchse aus seinem Grab heraus und an seinem Grab seien zwei Taubstumme geheilt worden. Um die Glaubwürdigkeit des Berichts zu untermauern, werden zwei Augenzeugen genannt: Fernandus Petri und ein Kleriker namens Otha. Interessant dabei ist die Beschreibung der genauen geographischen Lage Bonns. Die Heilung der Taubstummen ist exakt geschildert: die Beiden hätten am Grab Heinrichs verweilt und dort eine Vision erlebt, in der ihnen Ritter Heinrich im Gewand eines Pilgers erschienen sei, in den Händen eine Palme tragend. Bald darauf hätten sie wieder sprechen können. Auch in einem englischen Bericht eines Kreuzzugteilnehmers wird die Heilung der Taubstummen am Grab Heinrichs erwähnt. Doch es gibt weitaus mehr Nachrichten über Heinrich, alleine fünf friesische Chroniken sprechen über den Ritter und die an seinem Grabe geschehenen Wunder. In der Chronik des Abts Emo vom Kloster Wittewierum in den Niederlanden findet sich der Brief eines Kreuzfahrers, der im Jahre 1217 aus Lissabon berichtet und die fünfzig Jahre zuvor stattgefundene Eroberung der Stadt detailliert schildert. In seinem Bericht wird Heinrich ein „princeps militiae Christianae“, also ein Anführer einer Heeresgruppe genannt. Zudem steht der Name „Henricus“ als Beiname zu „Poptetus Ulvinga“ - was bedeutet, dass sein deutscher Name „Heinrich Poppo Ulvinga“ gewesen wäre, wenn es sich tatsächlich um den selben Ritter Heinrich handelt und nicht eine Namensverwechslung vorliegt. In der Literatur ist durchaus umstritten, ob Henricus Poptetus Ulvinga nicht ein anderer Ritter aus friesischen Geschlecht gewesen sei.

Kloster und Kirche São Vincente in Lissabon
Foto: Wiki-User CC BY-SA 3.0

Fest steht jedoch, dass die Verehrung unseres Ritter Heinrichs als Seligen ohne Zweifel auf die früheste Gründungsphase des Klosters São Vincente zurück geht und schon 1217 schriftlich bezeugt ist. Auch Abt Emo schreibt, dass der selige Heinrich „durch göttliche Offenbarung kanonisiert“ worden sei, was im 17. Jahrhundert durch den Erzbischof von Lissabon nochmals bestätigt wird, der die Kanonisierung Heinrichs durch Gott betont. Spätestens seit dem 15. Jahrhundert wird Heinrich definitiv als Seliger verehrt. Der portugiesische Schriftsteller Duarte Galvao schrieb im 16. Jahrhundert, er sei extra nach Bonn gereist, in die Stadt aus der „jener berühmte Ritter gestammt hat, welcher bei der Eroberung Lissabons so große Verdienste errungen hat“.

Als 1582–1629 die Kirche São Vincente in Lissabon neu erbaut wurde, überführte man Heinrichs Gebeine in den Neubau und bestattete sie neben dem Altar des hl. Antonius, wo Heinrich bis heute von vielen Gläubigen angerufen wird. Ein Gedenktafel an seinem Epithaph weist auf ihn hin.

Reliquiar Heinrichs in der
Bonner Münsterkirche
Foto: Josef Niesen
Gotischer Schrein,
Nahaufnahme
Foto: Josef Niesen

Am 18.4.1966 wurde mit kirchlicher und staatlicher Genehmigung Heinrichs Sarg geöffnet, wobei man feststellte, dass beim Neubau der Kirche tatsächlich der alte Sarg mit den Gebeinen in das neue Gotteshaus überführt worden war. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Reliquie des seligen Heinrichs in das Bonner Münster transloziert und in einem kostbaren gotischen Schrein im rechten Seitenschiff beigesetzt.

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