Montag, 29. September 2014

Herausragende Grabmäler auf dem Alten Friedhof: das Plücker-Grabmal.

Alten Friedhof
Julius Plücker auf einem
zeitgenössischen Foto
Der bedeutende Physiker Julius Plücker, geboren am 16.7.1801 in Elberfeld, gestorben am 22.5.1868 in Bonn, lehrte nach seiner Habilitation 1828–1832 und 1835–1868 als ordentlicher Professor für Mathematik und Physik an der Bonner Universität, wo er gemeinsam mit Heinrich Geißler die Voraussetzung zur modernen Vakuumtechnik schuf. Plückers Entdeckung der Kathodenstrahlen und seine Grundlagenforschungen wurden später für die Atomforschung relevant. Auch als Mathematiker leistete er Bedeutendes und schuf mit seinen „Plückerschen Formeln“ die Grundlage zur Theorie der algebraischen Kurven. 1866 wurde er mit der höchsten Auszeichnung für Wissenschaftler bedacht, der Copley Medal der Royel Society in London. Bis zu seinem Tod lehrte Plücker an der Bonner Universität, wo er Leiter der physikalischen Sammlung war.
Kurz nach seinem Tod wurde ihm auf dem Alten Friedhof von dem Bonner Bildhauer Albert Hermann Küppers ein Grabmal in Form eines marmornen Büstendenkmals gesetzt:

Grabmal Plückers,
Foto: Josef Niesen
Über einer gestuften Bodenplatte erhebt sich eine tempelartige Ädikula im Gewand der griechischen Antike ionischer Ordnung mit je zwei Pilastern und Säulen, die einen in drei Fascien gegliederten Architrav tragen. Der darüber liegenden Fries besagt: GrabstÆtte der Familie Plücker. Bekrönt wird der Aufbau durch einen mit Zahnschnitt versehenen Dreiecksgiebel, dessen Tympanon mit Rankenwerk verziert ist. Die abschließende Wand der Ädikula besteht aus einer Blendarkade in dessen Bogenfeld zwei Bibelverse, die Namen des Verstorbenen und seine Lebensdaten eingemeißelt stehen. Innerhalb der repräsentativen, nach drei Seiten offenen Anlage steht die nahezu lebensgroße Büste Plückers auf einem niedrigen, als Grabaltar bezeichneten, säulenförmigen Sockel. Das Bildnis zeigt den Gelehrten nach antikem Vorbild in idealer Nacktheit, wobei seine charakteristischen Gesichtszüge in verhaltenem Realismus wiedergegeben sind.

Büste Plückers,
Foto: Josef Niesen
Mit dieser sehr gelungenen Marmorbüste eröffnete der noch junge Bildhauer Küppers den Reigen zahlreicher Gelehrtenporträts, die er für den Alten Friedhof schuf. Hier findet sich schon seine ausgeprägte Porträtbegabung, die in seinen späteren Arbeiten zur künstlerischen Vollendung gelangte. Die vollkommene harmonische Einheit von Büste und umgebender Architektur lässt vermuten, dass der Entwurf der Ädikula, ausgeführt durch die Kölner Firma Heukeshoven & Worringen, entweder auf Küppers selbst zurückgeht, oder doch zumindest in enger Zusammenarbeit mit ihm geschaffen wurde. Der exponierte Standort im Zentrum des ab 1865 angelegten Rondells der Abteilung III b des Alten Friedhofs unterstreicht noch zusätzlich die herausragende Bedeutung des Verstorbenen.


(Quelle: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Königswinter 2013)



Albert Küpper,
Gemälde von Rudof Schick
Zum Bildhauer:
Albert Hermann Küppers, geboren am 22.2.1842 in Coesfeld, erlernte in Roermond die Bildschnitzerei, bevor er zunächst auf der Münchner und später auf der Berliner Akademie bei H. Hagen und A. Wolff Bildhauerei studierte.
1868 ließ Küppers sich in Bonn nieder und erhielt kurz darauf für seine Komposition „Auferweckung des Lazarus“ den Großen Staatspreis. Seit 1877 Professor an der Bonner Universität, unterrichtete er Zeichnen und Modellieren. Sein Atelier lag hinter dem Wächterhaus am Poppelsdorfer Schloss, wo im selben Jahr sein Hauptwerk, das Denkmal für die Gefallenen von 1870/71 entstand, das seinen Platz auf dem Alten Friedhof fand. Weitere bedeutende Werke von Küppers sind die Grabmäler von Johann Jacob Noeggerath, Karl Simrock, und Carl Roettgen (alle Alter Friedhof) sowie eine berühmte Beethoven-Büste, die heute im Beethoven Haus zu besichtigen ist. Am 11.10.1929 verstarb Küppers Bonn.

(Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011)

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