Montag, 1. September 2014

Bonns Brücken

Die erste Brücke auf heutigem Stadtgebiet soll Gaius Julius Caesar bei seinem Gallien-Feldzug 55 v. Chr. über den Rhein geschlagen haben, was archäologisch jedoch höchst umstritten ist. Spätestens seit dem Mittelalter verkehrte regelmäßig eine Fähre über den Rhein, wie man auf der ältesten Urkunde zur Fährgerechtigkeit von 1325 ersehen kann.

Fliegende Brücke auf der Beueler Seite,
Stahlsich von W. Tombleson, um 1840,
eigene Sammlung
Im Zuge der ersten Belagerung Bonns ließ Marchese de Grana im November 1673 eine feste Brücke über den Rhein schlagen, auf der die kaiserlichen Truppen in ihre Winterquartiere ins Bergische ziehen konnten. Nach Beendigung der Belagerung waren es ebenfalls kaiserliche Ingenieure, die für die Einrichtung einer sogenannten „fliegende Brücke“ mittels eines im Fluss befestigten Kahns sorgten. Diese Gierseilfähre (in alten Aufzeichnungen „Gierponte“ genannt) hing an einem langen Drahtseil, dass sich kurz vor dem Kahn in zwei Teile aufspaltete, wobei ein Seilende am Bug und eines am Heck befestigt war. Durch Veränderung der Seilstellung veränderte sich auch die Lage des Boots zum Strom, wodurch die Fähre durch den Druck des anströmenden Wassers an das entsprechende Ufer gedrückt wurde. Diese Schiffsbrücke bestand bis ans Ende des 19. Jahrhunderts.

Im Spanischen Erbfolgekrieg wurde 1702 die Schiffsbrücke durch ein herabtreibendes Floß zerstört, so dass zu militärischen Zwecken zwischenzeitlich eine aus Booten bestehende Pontonbrücke von der Beueler Schanze bis ans gegenüberliegende Rheinufer errichtet wurde. Gut sichtbar ist sie auf einem zeitgenössischen Kupferstich und dem Belagerungsplan von Pieter Schenck.



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Kupferstich, 1703,
eigene Sammlung,
in der Bildmitte schräg nach links
gehend ist die Pontonbrücke erkennbar

Belagerungsplan 1703, eig. Sammlung,
mittig über den Rhein ist die Brücke eingezeichnet

 
Die erste feste Brücke über den Rhein wurde nach zweieinhalbjähriger Bauzeit am 17.12.1898 eingeweiht und befand sich an der Stelle der heutigen Kennedybrücke. Mit einer Spannweite von 187,92 m für den Hauptbogen und einer Gesamtlänge von 432 m war sie zur damaligen Zeit die größte Bogenbrücke der Welt. Ausgeführt durch die Firma Gutehoffnungshütte Oberhausen und geplant von einem der bedeutendsten Jugendstil-Architekten Deutschlands, Bruno Möhring, versah sie der Bildhauer Gotthold Riegelmann mit reichhaltigem plastischen Schmuck, was sie zu einer der schönsten deutschen Rheinbrücken werden ließ. Interessant ist ein zweiter Brückenentwurf eines Prof. Krohn, der jedoch nicht zur Ausführung kam.

Rheinbrücke, Radierung von Behrens, um 1900, eigene Sammlung
Entwurf zu einer Rheinbrücke von Prof. Krohn, Holzstich, 1895, eigene Sammlung

Nach ihrer kriegsbedingten Sprengung am 8.3.1945 wurde die alte Rheinbrücke 1948/49 durch die heute bestehende Kennedybrücke ersetzt. Sie wurde auf den Pfeilern der alten Brücke durch den Stahlbau Rheinhausen und das Tiefbauunternehmen Grün & Bilfinger errichtet. Wegen des Nachkriegsmangels gestaltete sich die Beschaffung des notwendigen Stahls außerordentlich schwierig. Damals war die ursprünglich 18 m breite Brücke die weitgespannteste Trägerbrücke über den Rhein. Bei der umfangreichen Sanierung 2007–2011 wurde die Brücke auf 26,8 m verbreitert. Zudem wurde sie – als erste Brücke Europas – über die gesamte Breite mit einer Solaranlage ausgestattet.

Kennedybrücke,
AK, 1950er Jahre, eig. Sammlung

Kennedybrücke im Bau

Der zunehmende Verkehr machte bereits in den 1960er Jahren den Bau zweier weiterer Rheinbrücken notwendig. 1964–1967 wurde die Friedrich-Ebert-Brücke als erste deutsche Schrägseilbrücke mit Vierseilsystem errichtet. Die Länge der gesamten Brückenanlage inklusive der beiden Vorlandbrücken beträgt ca. 1290 m, die der Hauptbrücke 520,20 m.

Friedrich-Ebert-Brücke, AK, 1970er Jahre
1967–1972 folgte im Süden Bonns der Bau der Konrad-Adenauer-Brücke. Zunächst war geplant sie analog zur Friedrich-Ebert-Brücke (=erster Präsident des Deutschen Reichs) nach dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland Theodor-Heuss-Brücke zu nennen. Da aber kurz nach Baubeginn der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer gestorben war, entschloss man sich, die neue „Südbrücke“ nach ihm zu benennen.

Neben dem Rhein machte vor allem die die Stadt durchschneidende Eisenbahnstrecke Köln–Bonn–Koblenz den Bau von Brücken notwendig. Als Erste dieser Art wurde am 15.4.1905 die Viktoriabrücke dem Verkehr übergeben, 1936 folgte die Reuterbrücke. Beide Brücken wurden im Krieg zerstört und anschließend durch Neubauten ersetzt.

Insgesamt betreibt die Stadt Bonn heute nach amtlicher Zählung 159 Brücken, darunter 60 Fußgängerbrücken. Dazu kommen noch die Autobahnbrücken des Landesbetriebes und die Bahnbrücken der Stadtwerke Bonn und der Deutschen Bahn.

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