Samstag, 2. August 2014

Bonner Stadtbefestigung: Heute noch sichtbare Reste


Gerhard-v.-Are-Str., Stadtmauer
Noch heute kann man viele Reste der alten Stadtbefestigung im Bonner Stadtbild nachvollziehen. Im Südosten steht unmittelbar am Rhein der Alte Zoll, die letzte noch komplett erhaltene barocke Bastion. In südwestlicher Richtung bildet die Universität den Verlauf der ursprünglichen Mauer nach. Am heutigen Stockentor befand sich die Stockentor-Bastion, entlang des Hauptgebäudes, etwa dort, wo sich heute der Hofgarten befindet, der Bastionsgraben mit der „Katze“, einem vorgelagerten Erdwall. Geht man in die Kaiserpassage, so sieht man dort Teile der Courtine (= Mittelwall), die sich zwischen den Bastionen Ferdinand und Cassius befunden hat; eine Tafel erläutert den Aufbau der Stadtmauer.
Von dort sind es nur wenige Schritte zur Gerhard-von-Are-Straße, wo eine quer zur Gangolfstraße verlaufende Pflastermarkierung im Boden die mittelalterliche Stadtmauer von 1244 nachzeichnet. Am Ende der Markierung sieht man vor dem Haus Nr. 11 etwa gegenüber vom Puppenkönig – den Grundriss eines mittelalterlichen Wehrturms. Zu Beginn der Gangolfstraße gibt eine weitere Pflastermarkierungen den Verlauf einer Face (= Feldseite einer Bastion) der Cassius-Bastion aus dem 17. Jahrhundert wieder.

Gerhard-v.-Are-Str., Wehrturm

Gangolfstr., Stadtbefestigung
















Geht man von dort zur Cassiusbastei, steht man genau auf der ehemaligen Maximilian-Bastion, deren Kurtinenwinkel in der Galerie „Gallery 2000“, die man von der Maximilianstraße oder vom Bonner Loch betreten kann, sichtbar belassen wurde.

Kurtinenwinkel in der Gallery 2000
Nach Westen folgt die Maximilianstraße nun dem Verlauf der alten Bastion. Nach wenigen Metern stößt man auf den Cassiusgraben (heute aufgeschüttet) und in seiner Verlängerung auf den Florentiusgraben, der sich unmittelbar hinter der Stadtmauer befand. Folgt man ihm, geht man entlang der Mauer der Bastion Heinrich, von der größere Reste erhalten sind, die leider jedoch teilweise von den dortigen Häusern verdeckt sind und erst sichtbar werden, wenn man in die Durchgänge zu den Hinterhöfen schaut, oder den Durchgang des Hauses Nr. 10 betritt.

Besonders schön ist eine von der Straße aus (kurz vor der Brücke) sichtbare, noch erhaltene Kartusche mit dem kurfürstlichen Wappen an der Mauerecke der Facen. Die selbe Mauer sieht man von oben, wenn man sich in dem kleinen Park hinter dem Alten Stadthaus befindet (Windeckstraße), also genau auf der ehemaligen Bastion Heinrich. Weitere Teile der Bastion kamen beim Bau der neuen Sparkasse am Friedensplatz zu Tage, die ebenfalls zu besichtigen sind.
 
Florentiusgraben, Befestigungsmauer
Kartusche


Befestigungsmauer vom Hinterhof
Haus Nr. 10 aus gesehen






 
Auf dem Friedensplatz selbst sieht man am Eingang zur Sternstraße im Pflaster den Grundriss der mittelalterlichen Torburg, also des echten Sterntors. In Sichtweite steht in der Vivatsgasse das heutige Sterntor (ein romantisierter Nachbau aus dem 19. Jahrhundert aus Teilen des alten Stadttors), dessen rechtsseitig befindlicher Halbrundturm ein Original der mittelalterlichen Wehranlage ist. Das kleine, über den Friedensplatz laufende Sitzmäuerchen ist Teil der alten Stützmauer des Festungsgrabens (Contrescarpe).



Sterntorbrücke



Die Straße „Sterntorbrücke“ war ursprünglich eine tatsächliche Brücke zum Außenwerk des Sterntors. Der Verlauf der Brücke ist sichtbar im Pflaster nachgezeichnet, querlaufende Pflastersteine zeigen, wo sich die Brückenbögen befinden. In den Kellern der Häuser (so in der Gaststätte „Himmel und Hölle“) erkennt man noch das alte, aus acht Tonnen bestehende Tonnengewölbe und Teile der Befestigungsmauer.

Den weiteren, nördlichen Verlauf der Stadtbefestigung kann man in der Oxford-Garage besichtigen, oder oberirdisch am Neubau des Landgerichts. Das neue Justizgebäude überspannt eine offene Treppenanlage, die zum Annagraben führt. Von dort geht man entlang der Mauern der Sterntor-Bastion. Auch dort befindet sich eine schöne Wappenkartusche an der Mauerspitze. 


Annagraben
Wappenkartusche

Mauernachbau in der Wachsbleiche,
Bildnachweis: CC-BY-SA-3.0-DE
In Richtung Rhein gelangt man nun zur Beethovenhalle, die auf der nördlichsten Bastion, der Bastion St. Michael steht. Die Mauern am Fritz-Schröder-Ufer und an der Wachsbleiche bilden die alten Mauern nach, sind aber selbst erst im 19. Jahrhundert errichtet worden. Die eigentlichen Reste der Befestigungsanlage befinden sich unter der Beethovenhalle und den benachbarten Grundstücken.
Ganz im Norden der Stadt steht noch immer ein alter Vorposten, eine kleine Schanze, die heute unter dem Namen „Schänzchen“ zu einem beliebten Auslugsziel mit Biergarten geworden ist. Ursprünglich noch aus der Römerzeit stammend, diente sie im Mittelalter zur Kontrolle des Rheins.


Schänzchen,
Bildnachweis: Wiki-User Sir James

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