Freitag, 1. August 2014

Bonner Stadtbefestigung


Waren bereits das alte Römerlager und die villa Basilica mit Mauern und Gräben befestigt, so entstand die erste Befestigung der eigentlichen Stadt Bonn unmittelbar nachdem Konrad von Hochstaden 1244 die Stadtrechte mit dem Privileg zum Mauerbau verliehen hatte. Die Bauarbeiten an der Stadt- mauer mit ihren etwa vier Meter auseinander stehenden Pfeilern, die auf ihren Mauerbögen den Wehrgang trugen, zogen sich bis ins 15 Jahrhundert. Drei mächtige Torburgen (Köln-, Stocken- und Sterntor) bildeten das Rückgrat
Neues Sterntor mit originalem Halbrundturm
(rechts)
der Verteidigungsanlage, unterstützt durch etwa alle 50 Meter an der Mauer vorspringende halbrunde und eckige Wehrtürme. Der letzte dieser "Halbrundtürme" steht in der Vivatsgasse und bildet einen Teil des heutigen Sterntors, das eigentlich eine romantische Nachbildung aus dem 19. Jahrhundert ist - wenn auch unter Einbeziehung originaler Bauteile.

Um 1450 wurde die nördliche Ecke Bonns am Rhein durch den Bau des sogenannten „Neuen Turms“ gesichert, und später erhielten die Torburgen vorgeschobene Außenwerke. Erst im Kölnischen Krieg (1583–1588) musste die Wehranlage verstärkt und durch eine Schanze auf der Beueler Seite ergänzt werden. Doch schon 1588 zeigte sie sich der gesteigerten Wucht der Belagerungswaffen nicht mehr gewachsen. So wurde um 1600 zunächst die Schanze vor dem Sterntor zu einem Bollwerk vergrößert und eine Rheinbastion errichtet.

Zollbastion, heute Alter Zoll
Unter dem Eindruck des beginnenden 30jährigen Krieges begann Kurfürst Ferdinand von Bayern ab 1622 mit dem Bau der Bastions-befestigung nach dem „Münchner System“ mit Courtinen, Ravelins und Bastionen (1622 Stockentor-Bastion, bis 1642 Bastion Ferdinand, 1642 Zollbastion, ab 1642 Cassius-Bastion, 1644 Maximilian-Bastion, 1658–1664 Bastion Heinrich und Sterntor-Bastion). Der Holländische Krieg machte nach 1673 eine nochmalige Verstärkung der Festung
Florentiusgraben, Kartusche der Bastion Heinrich
notwendig. An der Nordseite Bonns


wurden die Bastionen Wilhelm und Camus errichtet (1674/75), am Rhein entstand eine zusätzliche „halbe Bastion“. Ein kompletter Umbau der gesamten Anlage fand noch einmal 1688/89 unter französischer Leitung statt, ebenso der Ausbau des Beueler Forts, doch konnte sie der Belagerung und dem Bombardement der feindlichen Truppen nicht standhalten. Eine letzte Festungsbauperiode, wiederum unter französischer Leitung, fiel in die Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs 1701–1703 und war gekennzeichnet durch Planlosigkeit mehrerer sich abwechselnder Ingenieure.

Karte der Bonner Stadtbefestigung, Nicolas de Fer, 1689
Nachdem im Utrechter Frieden die vollständige Schleifung Bonns beschlossen worden war, begann Kurfürst Joseph Clemens 1717 mit der Entfestigung und dem Ausbau Bonns zu einer offenen Barockstadt.

Heute sind an einigen Stellen Bonns noch Reste der alten Stadtbefestigung sichtbar, so am Alten Zoll, am Annagraben, im Keller der Cassius-Bastei, in der Kaiserpassage oder im Florentiusgraben. Neueste Ausgrabungen am Friedensplatz brachten Teile der Bastion Heinrich zutage.

Kartusche an der Ecke der Stadtbefestigung im Annagraben
(Sterntor-Bastion)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen