Mittwoch, 6. August 2014

Bonner Stadtbefestigung: Alter Zoll

Alter Zoll ist die heutige Bezeichnung für die letzte noch vorhandene barocke Bastion Bonns, die ursprünglich einen Teil der Stadtbefestigung bildete. Neue Waffentechniken machten zu Beginn des 17. Jahrhunderts den Umbau und die Verstärkung der mittelalterlichen Stadtmauern, die zurückgeht auf das Mauerbauprivileg von 1244, durch aufwändigere Befestigungen notwendig. Im Zuge dessen wurde auch die Stadt Bonn ab 1622 mit ursprünglich drei, später auf 10 erweiterte Bastionen umgeben. Bis 1642 wurde dabei das südliche Ende der mittelalterlichen Rheinmauer mit dem aus der Renaissance stammenden Zollhaus zur sogenannten „Zollbastion“ ausgebaut.

Alter Zoll,
Bildnachweis: CC-BY-SA-2.0-de
Abraham Storck,
Bonner Rheinufer mit Zollhaus
Original: StadtMuseum Bonn
Das Zollhaus war ein prächtiger Renaissancebau, der unter Kurfürst Salentin von Isenburg nach 1567 errichtet worden ist, um den Rheinzoll zu erheben. Als es unter seinem Nachfolger Gebhard Truchseß von Waldburg zum Kölnischen Krieg kam, wurde die mittelalterliche Wehranlage verstärkt und – nach der Einnahme der Stadt durch Ernst von Bayern – 1584 neben dem Zollhaus eine sogenannte Katze, also ein vorgelagerter Erdwall, errichtet, auf dem 1586 die städtische Windmühle erbaut wurde (sehr gut zu erkennen auf dem Plan von Peter Pannensmit aus dem Jahr 1588).
 
Pannensmit-Plan,
Ausschnitt




Merian-Plan,
Ausschnitt


Die nächsten Jahrzehnte verliefen ruhig, bis im 30jährigen Krieg der Einmarsch Hessischer Truppen drohte, woraufhin General Hatzfeld auf Anordnung Kurfürst Ferdinands von Bayern ab 1642 am Zoll schanzen ließ. Die dazu benötigten Ziegel und Basaltquader ließ er per Schiff aus den Steinbrüchen an der Erpeler Ley und bei Unkel kommen. Auch Teile der südlichen Rheinmauer (der sogenannten Herrenmauer) wurden zum Bau der neuen Zollbastion verwandt. Das Bauland war eine Schenkung des St. Cassiusstifts. Der Merianplan von 1646 gibt die Situation mit den vollendeten Bollwerken wieder.

Festungstor mit Husarendenkmal
Bildnachweis: CC BY-SA 3.0
Alter Zoll, AK 1959,
eigene Sammlung













Die Zollbastion war in typisch italienischer Manier der älteren Schule als sogenannte halbe Bastion erbaut worden. Sie ist flächenmäßig klein, mit kurzen Flanken und 15 Meter aufragenden 80° steilen Facen. Das Festungsterrain ist nach drei Seiten von einer Brustwehr umgeben. Die Mauern bestehen aus Ziegeln, Trachyt- und Basaltquadern. Um 1650 wurde am südlichen Aufgang ein wuchtiges Festungstor aus Sandsteinquadern eingelassen. Inwändig befindet sich ein 3 Meter breiter und hoher Gang, der für die Treidelzugtiere gedacht war. Später wurde er zugemauert und als Pulvermagazin benutzt. Heute ist der noch erhaltene Gang durch das Husarendenkmal von 1956 verschlossen.

Alter Zoll, AK um 1900,
eigene Sammlung



Alter Zoll, AK 1912,
eigene Sammlung
 














Der kaiserliche Ingenieur Gabriele Conte Vecchia ließ ab 1674 die Bonner Festungswerke noch einmal ganz erheblich verstärken. Dabei wurden zwischen Zollbastion und Bastion Ferdinand ein sägezahnförmiger gedeckter Weg sowie zwischen Zollbastion und Stockentor ein Ravelin (Außenwerk) errichtet. An der Zollbastion diente eine Zugbrücke der Verbindung zum gedeckten Weg. 1688 erfolgte ein weiterer Ausbau der anderen Befestigungsanlagen, so dass bei Beginn des Pfälzer Erbfolgekriegs 1689 die kleine Zollbastion mittlerweile das schwächste Werk war.

Die letzte Festungsbauperiode fiel in den Spanischen Erbfolgekrieg und war eher durch Planlosigkeit gekennzeichnet. 1702 erhielten die Bastionen neue Namen, wobei die Zollbastion in Dreikönige-Bastion umbenannt wurde. Zu einem Aus- oder Umbau des Werks kam es jedoch nicht.

Als im Utrechter Frieden von 1713 beschlossen wurde, Bonn zu schleifen, kam es 1717/18 zur vollständigen Entfestigung der Stadt, bei der jedoch ausgerechnet das kleinste Werk, die Zollbastion, stehen blieb. Anschließend nutzlos geworden, wurde der Alte Zoll im 18. Jahrhundert als Schlossterrasse in die Anlage des Hofgartens integriert und fand im 19. Jahrhundert als romantischer Aussichtspunkt mit seinem überragenden Blick zum Siebengebirge Eingang in die Reiseliteratur. Auch Goethe stand hier am 27./28.7.1815 und lobte den wundervollen Rheinblick mit den Tagebuchsätzen: „Man vergnügt sich so sehr an dieser Ansicht, daß man sich eines Versuchs, sie mit Worten zu beschreiben, kaum enthalten kann.“ Um 1830 gab es Überlegungen, eine Sternwarte auf dem Alten Zoll zu errichten. Gebaut wurde sie später aber an der Poppelsdorfer Allee.


1865 wurde das Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal auf der Terrasse der mittlerweile in den Besitz der Universität Bonn übergegangenen ehemaligen Bastion aufgestellt. Zwei aus Anlass des deutschen Siegs über Frankreich nach 1871 von Kaiser Wilhelm I. der Universität vermachten französischen Salutkanonen befinden sich ebenfalls dort. Heute ist der Alte Zoll Teil des Bonner Gartenensembles aus dem 18. Jahrhundert, neben dem Hofgarten, der Poppelsdorfer Allee mit dem Schloss, dem Botanischen Garten und dem Baumschulwäldchen.

Kommentare:

  1. Ist dir vielleicht etwas über befestigte Gebäude auf dem Alten Zoll bekannt? Dazu suche ich schon seit Jahren Abbildungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In einem Buch über die Bonner Astronomen heißt es, dass dort mal ein Teehaus aus kurfürstlicher Zeit (wie auch immer das ausgesehen haben soll) gestanden haben soll, welches Argelander schließlich als Teleskopstellplatz nutzen konnte, bevor er dort seine Interims-Sternwarte aufbaute. Über Informationen bzw. Bilder würde ich mich sehr freuen.

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  2. Hallo, bitte melde dich bei mir per Email (artist-bonn@gmx.net). Gruß Josef

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