Dienstag, 8. Juli 2014

Erste Deutsche Autobahn: Strecke Köln-Bonn

Entgegen der von den Nationalsozialisten verbreiteten – und auch heute noch viel geglaubten und kolportierten – Propaganda, Adolf Hitler hätte die Autobahn „erdacht, entworfen und gestaltet“, begann der Bau kreuzungsfreier, mehrspuriger Schnellstraßen im Deutschen Reich bereits 1929, ausgehend von den Plänen der Rheinischen Provinzialverwaltung aus den frühen 1920er Jahren. Als erste öffentliche Autobahn Europas wurde die heute A 555 genannte linksrheinische Verbindung zwischen Bonn und Köln 1929–1932 erbaut und am 6.8.1932 nach fast dreijähriger Bauzeit vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer dem Verkehr übergeben.
Eröffnungsfeier am 6.8.1932
Bei der Übergabe der fast 20 km langen Strecke verkündete er voller Stolz: „So werden die Straßen der Zukunft aussehen. Ich hoffe, dass die nunmehr erzielte Zeitverkürzung und Fahrbequemlichkeit dem Rhein und den Schönheiten seiner Landschaft neue Freunde aus dem In- und Ausland zuführen möge. Jeben Se Jas!“. Zur Eröffnung reisten 2000 Autofahrer aus ganz Europa in einer „Sternfahrt“ an. Bereits 1917 hatte Adenauer die Zukunftsvision einer „Nur-Automobilstraße“, doch bis zur Planung vergingen noch Jahre. Den Begriff „Autobahn“ prägte der Bauingenieur Robert Otzen in Analogie zu „Eisenbahn“.

Autobahn bei Wesseling
im Hintergrund überquert eine Bahn
der KBE die Brücke.

Als 1933 die Nationalsozialisten die Regierung übernahmen, stuften sie als eine der ersten Handlungen – noch im Februar 1933 – die neue Reichsautobahn zur Landstraße L 185 herab, um den nachfolgenden Bau der Strecke Frankfurt–Heidelberg als ersten Autobahnbau des Reiches für sich reklamieren zu können. Erst 1959 wurde die Schnellstraße Köln-Bonn wieder zur Bundesautobahn aufgestuft. Der sechsspurige Ausbau erfolgte in den Jahren 1965–1967 durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR). 2008 installierte der Künstler L. Fritsch an den beiden Endpunkten der Autobahn – den Verteilerkreisen Köln und Bonn (Potsdamer Platz) – jeweils eine 50 m hohe rote Stahl-Stele, um die beiden Städte in einen künstlerischen Dialog zu bringen.

Anschlussstelle Wesseling, 1932
A 555 um 1973









Autofreier Sonntag während der Ölkrise

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