Freitag, 18. Juli 2014

Bedeutende Bonner Studentinnen


Maria Gräfin von Linden
Maria Gräfin von Linden wurde am 18.7.1869 in Heidenheim geboren, durfte mit königlicher Einwilligung und einer Sondergenehmigung seit 1892 an der Tübinger Universität Naturwissenschaften studieren, wurde 1895 in Zoologie promoviert und wirkte seit 1899 als erste Frau an der Bonner Universität als Assistentin. Seit 1906 Assistentin an der Medizinischen Fakultät, bat sie noch im selben Jahr um ihre Habilitation. Der zuständige Minister entschied sich jedoch dagegen und sprach Frauen im allgemeinen das Recht ab, sich zu habilitieren. 1910 wurde von Linden vom Kultusminister als erste Frau in Preußen zur Professorin ernannt, allerdings ohne Lehrbefugnis. Maria von Linden blieb an der Bonner Universität, arbeitete wissenschaftlich in der Parasitologie und veröffentlichte wichtige Werke zur Parasitologie und zur Chemotherapie bei Infektionskrankheiten. 1933 wurde sie von den Nationalsozialisten ihres Amtes enthoben und ging nach Liechtenstein, wo sie am 26.8.1936 einer Lungenentzündung erlag.

Adeline Rittershaus-Bjarnasons (1867–1924) Habilitationsgesuch wurde kurz zuvor (1901) noch von der Philosophischen Fakultät in Bonn wegen grundsätzlicher Erwägungen abgelehnt.

M. v. Wrangel
Auch die erste ordentliche Professorin Deutschlands, Margarethe von Wrangell (1877–1932), absolvierte 1911 an der Bonner Universität ein weiterführendes Studium der Landwirtschaft, bevor sie 1912 nach Paris zu Marie Curie ging. 1920 konnte sie sich dann endlich, nachdem das Verbot zur Habilitation für Frauen gefallen war, an der Universität Hohenheim in Botanik und Chemie habilitieren.

Die erste Deutsche Frauenärztin, Hermine Edenhuizen (1872–1955), war die Tochter eines ostfriesischen Arztes. Gemeinsam mit ihrer Bonner Freundin Frida Busch besuchte sie in Berlin die Gymnasialkurse von Helene Lange und legte 1898, als eine der ersten Frauen Deutschlands, das Abitur ab. Zunächst noch ohne Immatrikulationsrecht, studierte sie Medizin in Berlin, Zürich, Halle und an der Universität Bonn, wo sie 1903 gemeinsam mit Frida Busch promoviert wurde. 1909 absolvierte Edenhuizen als erste Frau Deutschlands die Facharztausbildung zur „Spezialärztin für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe“ an der Bonner Frauenklinik. Anschließend ging sie nach Köln, eröffnete eine gynäkologische Praxis und wechselte bald darauf nach Berlin an die berühmte „Klinik weiblicher Ärzte“. 1924–1928 Gründungsvorsitzende des Deutschen Ärztinnenbundes, trat sie entschieden für die Abschaffung des Paragraphen 218 ein. Bis 1945 praktizierte sie in Berlin, dann kehrte sie in ihre ostfriesische Heimat zurück.

Grabmal der Familie Busch
Ähnlich schwierig war es für die obengenannte Frida Busch (1868–1961), Tochter des bedeutenden Bonner Chirurgen Wilhelm Busch (1826–1981), dessen prachtvolle Grabstätte sich auf dem Alten Friedhof befindet. Frida erhielt ihre früheste Ausbildung durch Privatlehrer, bevor sie in Bonn die Höhere Töchterschule von Anna Schubring besuchte. Da eine Vorbereitung auf die Reifeprüfung in Bonn nicht möglich war, ging sie mit ihrer Freundin Hermine Edenhuizen nach Berlin, wo sie 1895–1898 die Gymnasialkurse von Helene Lange besuchte. Den beiden Frauen wurde jedoch seitens der Behörden die Zulassung zum Abitur verwehrt. Erst nach einer Reihe von Petitionen durften sie 1898 als Externe am Luisenstädt. Gymnasium Berlin das Abitur ablegen. Da es in Deutschland für Frauen noch unmöglich war, zu studieren, ging Busch nach Zürich, wo Frauen bereits zum Studium zugelassen waren. Doch schon nach zwei Semestern musste sie nach Deutschland zurückkehren, weil nur eine begrenzte Zahl von Auslandssemestern anerkannt wurde. Busch wechselte mit ihrer Freundin Hermine zunächst nach Halle und 1900 an die Universität Bonn, wo sie sich durch den Bekanntheitsgrad ihres mittlerweile Verstorbenen Vaters ein größeres Entgegenkommen erhoffte. Tatsächlich bekam sie nun zum ersten Mal eine generelle Hörerlaubnis und musste nicht mehr, wie zuvor, jeden Professor einzeln um Erlaubnis zur Teilnahme an seinen Vorlesungen bitten. 1903 schloss Busch, gemeinsam mit H. Edenhuizen, als erste Bonner Medizinerin mit der Promotion ab. Danach ging sie nach Dresden, heiratete ihren früheren Lehrer, Prof. Dr. Corrsen, und war nicht mehr berufstätig.

Helene Weber
Auch Helene Weber (1881–1962), eine der Mütter des Grundgesetzes und erste Frau in Deutschland, die Ministerialrätin wurde (1920), hat an der Bonner Universität studiert. 1919 wurde sie als eine der jüngsten Abgeordneten für die Zentrumspartei in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Sie war 1924 Mitglied des Preuß. Landtags und 1924–1933 Abgeordnete des Dt. Reichstags. Seit 1925 stellv. Vorsitzende der Zentrumspartei, wurde sie 1927 zum Vorstandsmitglied der Reichstagsfraktion und Vorsitzenden des Reichsfrauenbeirats gewählt. Als entschiedene Gegnerin der Nationalsozialisten wurde sie am 30.6.1933 von allen Ämtern suspendiert. 1945 schloss sie sich der neugegründeten CDU an, wurde Mitglied des Zonenbeirats und war 1946–1947 Mitglied des Landtags von NRW. 1948/49 war sie als Schriftführerin des Parlamentarischen Rats an der Erstellung des Grundgesetzes beteiligt und wurde 1949 in den Dt. Bundestag gewählt, dem sie bis zu ihrem Tod angehörte. 1949–1958 war sie Vorsitzende der Frauenvereinigung der CDU und seit 1952 erste Vorsitzende des Dt. Müttergenesungswerks. In der Politik galt sie zeitweise als eine der einflussreichsten Frauen Deutschlands. 1956 erhielt sie das Große Bundesverdienstkreuz und 1961 das Schulterband zum Großen Verdienstkreuz. Am 25.7.1962 verstarb sie in Bonn.


Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage 2011.

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