Sonntag, 22. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Ostern 1106


Heinrich V. erhält die Insignien
aus den Händen seines Vaters.
Aus der Weltchronik des
Ekkehard von Aura
Im Hohen Mittelalter regierten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die Salier, die für rund 100 Jahre die Kaiser stellten. Der letzte dieser Salierkönige war Heinrich der V. (1081/1086–1125), der von 1111 bis 1125 die römisch-deutsche Kaiserkrone trug. Sein Vater, Heinrich IV. (1050–1106), löste im Konflikt zwischen weltlicher und geistlicher Macht den Investiturstreit aus, der bekanntermaßen im Jahre 1076 mit dem Gang des Kaisers nach Canossa endete, wo er sich Papst Gregor VII. unterwerfen musste.

Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war schlecht und von Misstrauen geprägt, was in der Folge dazu führte, dass Heinrich V. sich zusehends vom Vater distanzierte und am Ende gar den Treueid brach. So übernahm er zu Weihnachten 1104 in Regensburg die Führung einer Gruppe junger Fürsten, die zum Aufstand gegen den Kaiser entschlossen waren. Zuvor holte Heinrich sich wegen des geschworenen Eides, den er nun brechen musste, Rat bei Papst Paschalis II. ein, der ihm den apostolischen Segen übermittelte und ihm Absolution versprach. Mit päpstlicher Erlaubnis kam es daher im Jahre 1105 zu zahlreichen Kampfhandlungen, die jedoch keine unmittelbare Entscheidung brachten. Heinrich V. versuchte besonders, sich in seinen Kämpfen auf die unteren Stände des Volkes zu stützen und fand eine treue Anhängerschaft bei den Städten und deren Kaufmannschaft. Auch der Kölner Erzbischof Friedrich I. von Schwarzenburg (um 1075–1131) vertrat zunächst die Seite des Sohns, während eine Reihe niederrheinische Städte, darunter auch Köln und Bonn, dem Vater die Treue hielten, was zur Folge hatte, dass Köln seinen Erzbischof zum Verlassen der Stadt zwang.

Propsteiliche Gebäude
rund um den Kreuzgang des
Bonner Münsters
In der 1148 bis 1152 entstandenen Reichschronik „Annalista Saxo“ heißt es auf Seite 235 (übersetzt): „Dem Vater König Heinrichs gelang es, nicht unerhebliche Kräfte gegen den Sohn an sich zu ziehen so den Bischof von Lüttich, den Herzog Heinrich von Lothringen, Köln, Jülich und Bonn, das auch Verona heißt, und andere Städte jenes Landstriches“.

Als sich Heinrich V. nach seiner Niederlage an der Maas an den Rhein zurückzog, konnte Bonn es – anders als Köln, dass bereits mit Mauern befestigt war – nicht wagen, ihn abzuweisen. So verbrachte Heinrich nur wenige Wochen nach seiner Königskrönung am 25. März des Jahres 1106 das Osterfest in der Propstei des Bonner St. Cassiusstifts. Die Kölner Königschronik (Chronica regia Coloniensis, 12. u. 13. Jahrhundert) vermerkt dazu: „His adversis regis filius turbatus, itinere quo venit redit, pascha Domini in Bunna prepositura celebrat. Imperator, sollempnitate (sic!) pascali apud Leodium celebrata, Coloniam regreditur, urbem vallo et fossis munit.“

Als es im Jahre 1114 wieder zum offenen Streit mit Heinrich V. kam, standen Bonn und Jülich als „praesidia Coloniensum“ (Hauptvorposten von Köln) gemeinsam mit den Kölnern fest im Kampf zusammen. Die kaiserlichen Truppen zerstörten Jülich jedoch vollkommen und auch Bonn – besonders die unbefestigte Vorstadtsiedlung – blieb nicht verschont. Ablesen lässt sich das auch an den fehlenden Urkunden des Cassiusstifts, die erst wieder in der Zeit nach den schweren Fehden, die bis 1121 andauerten, einsetzen.

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