Sonntag, 22. Juni 2014

Bonner Straßennamen: Acherstraße


Bereits weit vor dem städtischen Mauerbau von 1244 bestand rund um das Münster (das war die Stiftskirche des St. Cassiusstifts) eine Siedlung, villa Basilika genannt, in der vorzugsweise die zum Cassiusstift gehörenden Kanoniker, aber auch die beim Kirchenbau beschäftigten Handwerker, vom Stift abhängige Bauern sowie geistliche und weltliche Grundherren wohnten. Befestigt war dieser Bezirk, der seit 1145 bis auf die sogenannt Blutgerichtsbarkeit (jus gladii = Recht des Schwertes) dem Gericht des Propstes unterstand und sich in etwa rund um den heutigen Münster- und Remigiusplatz erstreckte, mit einer Mauer.

Acherstraße 1951
Am nördlichen Ende des Stiftsbezirks führte hinter der Mauer, vom heutigen Dreieck zur Marktbrücke, eine Straße entlang. Sie hieß zunächst noch Remigiusstraße, bis sie 1570 erstmals als Achterstraße erwähnt wird. Der Name geht zurück auf das heute noch in Österreich oder der Seefahrt gebräuchliche Wort „achter“ für „hinter“ (Achterdeck, Achterhaus). Durch Verschleifung des Namens änderte sich die Schreibweise von Achterstraße zu Acherstraße. Keiner der Namen wurde jedoch durchgängig benutzt, sondern der Name wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach: 1570, 1667, 1758, 1773 sowie in den Bonner Kalendern der Jahre 1834-1869 wird sie Achterstraße genannt, 1577, 1620 und 1795 Acherstraße. 1610 scheint sie sogar Agerstraße geheißen zu haben (eine einmalige Erwähnung). Im Adress-Buch der Stadt Bonn und der Gemeinde Poppelsdorf von 1870 erscheint sie nun wieder als Acherstraße, was sich seitdem nicht mehr geändert hat.

Innenansicht des "Bären"
Hausnummer 1 bildet das Gebäude des heute untergegangenen ältesten Brauhauses Bonns: „Zum Bären“. Es wurde bereits 1385 erwähnt!

1531 wird das Haus zur Bratwurst erwähnt (Inhaber war ein „Johann von Ochs“), woher der Name stammt, ist ungewiss.

Am 2.2.1583 feierte im Haus zum Rosenthal der vom katholischen Glauben abgefallene Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg seine Hochzeit mit Agnes von Mansfeld.

Der Jurist Prof. Clemens von Droste-Hülshoff (1793-1832) kam 1822 nach Bonn und zog in die Acherstraße. Dort besuchte ihn seine berühmte Cousine, die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, regelmäßig. Nach seinem Tod widmete sie ihm ein Gedicht mit Bezug auf sein Grab auf dem Alten Friedhof.

Der Dichter und Übersetzer des Nibelungenlieds, Prof. Karl Simrock (1802-1876), bewohnte die Hausnummer 13. Simrock gilt als der Begründer der Rheinromantik in der Literatur.

Elektroanstalt Ludwig
Direkt daneben, im Haus 13a, befand sich um 1900 die „Elektrotechnische Anstalt“ von Peter Ludwig. Neben „Beleuchtungs-Körper als Kronen und Wandarme“ verkaufte er auch „Licht- und Kraft-Anlagen“.

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