Montag, 23. Juni 2014

Bonner Ortsnamen: Oberkassel


Der Siedlungsname dieses rechtsrheinischen Bonner Stadtteils geht etymologisch vermutlich zurück auf die lateinische Form „castellum superior“, zu deutsch: oberes Kastell oder Oberkastell. Waren bis Mitte des 16. Jahrhunderts nur einfachen Formen wie Cassele (1243), Cassel (1260) oder Kassel (1368) gebräuchlich, so wurde seit dem 16. Jh. das Differenzierungsglied „Ober“ angefügt, wohl in Abgrenzung zum etwa 15 Kilometer rheinabwärts liegenden Niederkassel. Die gelegentlich auftretende Vermutung, der Name gehe auf die keltische Stammform cas(s) für Eiche oder Sumpf zurück, gilt als unwahrscheinlich (anders als in Wikipedia behauptet!).

Älteste Besiedelungsspur ist ein Grabfund aus dem Jungpaläolithikum (Oberkasseler Mensch), eine kontinuierliche Besiedelung stellt sich durch Bodenfunde spätestens seit der Römerzeit dar. Über Jahrhunderte hinweg ein einfaches Bauerndorf, gehörte Oberkassel im Mittelalter zur Herrschaft der Grafen von Sayn, bis es im 15. Jh. infolge Erbschaft an die Herzöge von Berg fiel. 1806–1813 unter französischer Herrschaft stehend, wurde es nach dem Wiener Kongress Preußen zugeschlagen. Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde der Ort 1969 nach Bonn eingemeindet und bildet heute einen Teil des Stadtbezirks Beuel.
Die Ev. Kirchengemeinde in Oberkassel gilt als die Älteste im Rheinland, so wie die 1683 errichtete ev. Kirche die älteste reformierte Kirche auf Bonner Stadtgebiet ist. Zu den Besonderheiten des heute 7154 Einwohner zählenden Stadtteils gehören der Bürgerpark Oberkassel, das Lippesche Landhaus, der Arboretum Park Härle und das am Bonner Bogen gelegene Kameha Grand Hotel. Bedeutendste Persönlichkeit des Ortes ist der 1815 geborene Universitätsprofessor und Revolutionär Gottfried Kinkel.

Ansichtskarte, 1950er Jahre

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