Montag, 23. Juni 2014

Historische Orte: Wirtshaus Zehrgarten


Die Wirtschaft "Zehrgarten" befand sich im zweiten Haus von rechts, rechte Blattseite. Stich eines unbekannten Stechers, 18. Jhd.

Eines der bekanntesten Wirtshäuser in Bonn ist sicherlich das „Höttche“ am Markt. Doch im 18. Jahrhunderts gab es in unmittelbarer Nähe – schräg gegenüber – eine weitere Wirtschaft, die zu ihrer Zeit noch viel bekannter war: der „Zehrgarten“. Diese seit 1700 urkundlich erwähnte Gastwirtschaft in einem Zehrgarten (=Ziergarten) befand sich genau dort, wo sich heute das Haus Markt 11 (Foto Brell) befindet. 1773 übernahm der Hofboutellier (Hofkellermeister) Michael Koch die Wirtschaft, die nach seinem Tod seine Witwe weiterführte und zu einem beliebten Treffpunkt der Bonner Intellektuellen machte. Die Wirtschaftsräume bestanden aus zwei Zimmern, von denen der vordere, zum Marktplatz gelegene Raum vorwiegend von den Bürgern aufgesucht, der Hintere aber von den Künstlern, Gelehrten und Hofbeamten bevorzugt wurde.

Das Haus zum Zehrgarten ist das helle Haus rechts neben dem Obelisken (mit dem runden Giebel). Ansichtskarte von ca. 1895, eigene Sammlung.
Babette Koch
Spätestens seit 1790 führte die Witwe Koch im selben Haus dazu noch einen Porzellan- und Buchhandel. In den 1780er Jahren bildete die noch junge und wohl sehr schöne Tochter Anna Barbara, genannt Babette, den Mittelpunkt des „Zehrgarten“, zu dessen Kreis neben Christian Gottfried Neefe und den Maler-Brüdern Kügelgen auch die Familie Breuning, Anton Maria Graf von Belderbusch (Bonns erster Oberbürgermeister), Graf von Waldstein (nach dem die „Waldstein-Sonate“ benannt wurde) und vor allem der junge Ludwig van Beethoven gehörte, der Babette sehr verehrte. Zu seinem Abschied aus Bonn 1792 überreichten ihm seine Freunde aus dem Zehrgarten ein Stammbuch mit vielen guten Wünschen. Der berühmteste Eintrag sind die Zeilen von Graf Waldstein: „Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen!“ Babette heiratete 1802 einen ihrer Stammgäste, Anton Maria Graf von Belderbusch, wurde selbst Gräfin und gab die Gastwirtschaft auf. Nun widmete sie sich vor allem der Armenfürsorge. Als kurz vor der Geburt ihrer Tochter das Kaiserpaar Napoleon und Joséphine im Belderbuscher Hof weilte, übernahm die Kaiserin höchstselbst die Patenschaft über die Tochter, die nach ihrer Patin benannt wurde. Hoch angesehen, starb Babette Koch 1807 bei der Geburt ihres dritten Kindes. Das Gebäude mit der Gastwirtschaft wurde 1898 niedergelegt und auf dem Grundstück ein Geschäftshaus errichtet.

Quelle: Josef Niesen, Artikel: Koch, Babette, in: Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011, S. 250 f.

Eintrag in das Stammbuch L. v. Beethovens von "Ihrer wahren Freundin wittib Koch". Faksimile (Original im Beethovenhaus).

Eintrag in Beethovens Stammbuch von Graf Waldstein: "...Mozart's Geist aus Haydn's Händen. Ihr warer Freund Waldstein". Faksimile, Original im Beethovenhaus).

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