Sonntag, 22. Juni 2014

Historische Orte: Gaststätte „Em Höttche“ am Markt


Em Höttche, um 1930
Bonns älteste noch bestehende Gaststätte wurde bereits 1389 erwähnt und hieß zunächst „Zur Blomen“, benannt nach der ersten Besitzerin Nesa van der Blomen. Seit jeher lag das Haus unmittelbar neben dem Rathaus (auch der Vorgängerbau des heutigen Rathauses stand bereits dort) am Markt, was es in seiner Stellung heraus hob. So spielte das Gebäude im Rechtsleben der Stadt Bonn eine bedeutende Rolle und war eng mit der Geschichte des Mehrhauser Hofgerichts verbunden, dass vom Mittelalter bis zum Ende des Kurstaats (1794) dreimal jährlich vor der Blomen tagte. Dabei wurde im Beisein der Geschworenen das alte Weistum verlesen. Unter Vorsitz des Meiers – also des obersten Verwalters des erzbischöflichen Mehrhauser Hofes – wurde dabei auch über das rechte Maß und Gewicht verhandelt.

Im 16. Jahrhundert gehörte das Gasthaus Heinrich Knipping von Aldenrodt, der in den ältesten Schöffenprotokollen der Stadt vom 7.3.1577 als Wirt erwähnt wird. Wenige Jahre später, am 4.2.1583 nahm der vom katholischen Glauben abgefallene Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg – der zwei Tage zuvor seine Hochzeit in der Acherstraße gefeiert hatte (siehe Artikel: Acherstraße) – hier sein Hochzeitsmahl ein und blieb wegen seiner halsbrecherischen Flucht dem Wirt die Zeche schuldig.

1585 schenkte Knipping von Aldenrodt das Gasthaus seiner Nichte Elisabeth Kurtzrock, Ehefrau des Bonner Bürgermeisters Hans Georg Kurtzrock, der 1615 als Wirt der Blomen genannt wird. Nach dessen Tod im Jahr 1624 führte Elisabeth den Schankbetrieb alleine weiter, bis sie in der Zeit des grassierenden Hexenwahns Opfer einer Verleumdung wurde und man sie 1628 auf dem Bonner Richtplatz als Hexe verbrannte.

1661 kaufte Kurfürst Maximilian Heinrich von Bayern das Haus, um es 1666 an seinen Staatsminister Franz Egon von Fürstenberg zu verkaufen. Im Krieg von 1689 – bei dem ein Großteil Bonns zerstört wurde und der übrigens durch Minister Fürstenberg verschuldet war – wurde auch das Gasthaus zur Blomen in einen Trümmerhaufen verwandelt. Den Bauplatz kauften 1690 die italienischen Handelsleute Mainone (nebenbei die ersten Italiener, die sich in Bonn niederließen), die das Haus 1698 erneut errichteten.

Als 1737 das alte Rathaus abgerissen wurde, um Platz für den Bau des neuen Rokokogebäudes zu machen (also unser jetziges „Altes Rathaus“), waren Bürgermeister und Stadtrat gezwungen auszuweichen und mieteten das Gasthaus zur Blomen vom 22.3.1737 bis zum 29.10.1738 für ihre Sitzungen und zur Unterbringung der Akten. 1754 ging es ganz in den Besitz der Stadt
über, die das Gebäude im Laufe der nächsten Jahrzehnte mehrfach vermietete – u.a. an ihre Bürgermeister – und es 1823 für 3610 Taler an den Bierbrauer
Markt um 1950 mit kriegsbedingter Baulücke
Gottfried Wolff verkaufte. Damit wurde das Haus wieder zur Wirtschaft, diesmal unter dem Namen „Em Höttche“. Wolff ließ das Gebäude grundlegend und recht rücksichtslos umbauen, so dass sich schon sein Nachfolger, Gastwirt Lambert Schorn, der das Anwesen 1888 gekauft hatte, darüber beschwerte, dass Gottfried Wolff und sein Sohn Heinrich die Fassade verhunzt hätten.


1935 entschloss man sich zu umfassenden Restaurierungsarbeiten und einer Wiederherstellung des originalen Zustands, nicht ahnend, dass am 18.10.1944 die Gaststätte im Bombenkrieg wieder einmal vollkommen zerstört werden sollte. Erst 1967 konnte sie wiedereröffnet werden. Bemerkenswert sind heute die originalgetreu wiederhergestellte „Kölner Decke“ und das historische Ambiente des Traditionslokals.
Die Bilder anbei zeigen einmal die Gaststätte um 1930 sowie den Markt in den 1950er Jahren mit der kriegsbedingten Lücke, vor dem Wiederaufbau des „Höttche“.

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