Sonntag, 22. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Das Bonner Osterfest 1543

An Ostern vor 471 Jahren fand in Bonn ein ganz außergewöhnliches und bedeutsames Ereignis statt. Martin Bucer (1491-1551), der bedeutende Priester und Reformator war für einige Zeit in Bonn ansässig und feierte 1543 das Osterfest in der Bonner Münsterkirche nach protestantischem Ritus! Ein protestantischer Gottesdienst im katholischen Münster? Wie war es dazu gekommen?
Hermann von Wied.
Kurfürst Hermann V. von Wied (1477-1552) war seit 1515 Erzbischof von Köln und Kurfürst. Er war es, der 1525 den „ständigen Rat“ nach Bonn verlegte, was ein wichtiger Schritt auf dem Weg Bonns zur kurfürstlichen Haupt- und Residenzstadt war! Zunächst ein konservativer und streng katholischer Kurfürst, änderte Hermann seine Einstellung zwischen 1538 und 1542. Anfangs wollte er noch eine rein katholische Reform und bat seinen Ratgeber Johannes Gropper, gemeinsam mit Martin Bucer die Grundlagen dazu zu erarbeiten.

So berief Hermann 1542 Bucer nach Bonn, 1543 folgte Luthers Freund Philipp Melanchthon (1497-1560). Doch die sogenannte „Kölner Reformation“ wurde immer mehr zu einer vollständigen Reformation im Sinne des Protestantismus, weswegen Gropper sich zu Hermanns stärkstem Gegner wandelte.

Martin Bucer hingegen hielt Vorträge in der Münsterkirche und feierte ab Ostern 1543 die heilige Messe in beiderlei Gestalt. Gemeinsam mit Melanchthon brachte Bucer im Juli 1543 für den Kurfürsten die Reformationsschrift „Einfaltigs Bedencken“ heraus.

Martin Bucer
Dies war nicht nur das Hauptwerk des kölnischen Reformationsversuchs, sondern
zugleich auch das erste Buch, das in Bonn gedruckt wurde! Als der Landtag der neuen Ordnung zustimmte und auch die Nachbargebiete Kleve und Münster sich geneigt zeigten, Hermann zu folgen, appellierte 1544 das Kölner Domkapitel mit dem Gesamtklerus öffentlich an Papst und Kaiser. Nicht zuletzt durch Groppers Wirken wurde Hermann zunächst suspendiert, am 16.4.1546 exkommuniziert und dann gezwungen zu resignieren.

Bis zuletzt blieb Hermann dem evangelischen Glauben treu und starb nach dem Empfang des Abendmahls nach lutherischem Ritus. Nach dem Kurfürsten Hermann wurde übrigens in Bonn-Schweinheim die Wiedstraße benannt.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

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