Montag, 23. Juni 2014

Bonner Straßennamen: Adenauerallee


Adenauerallee heißt seit 1967 das nach dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland benannte Teilstück der Bundesstraße 9 zwischen Koblenzer Tor und Bundeskanzlerplatz. Bis zum 25.5.1999 gehörte auch die heutige Willy-Brandt-Allee dazu. Erstmals erwähnt wurde die Adenauerallee im Bonner Sackkalender von 1842 als „Coblenzer Straße“. Als Teil der nach Remagen und Koblenz führenden römischen Limesstraße war sie allerdings schon um 12 v. Chr. erbaut und gehört damit zu den ältesten Bonner Straßen. 

Coblenzerstraße, Ansichtskarte um 1900, eigene Sammlung.

Bodenfunde aus römischer Zeit belegen eine dichte Besiedelung, sowohl in Form von militärischen Bauten als auch als zivile römische Siedlung (vicus bonnensis) mit Handwerkshäusern, Thermen und Tempeln. Neuere Ausgrabungen brachten an der heutigen Adenauerallee Nr. 206 eine römische Brauerei zutage. In kurfürstlicher Zeit war die Straße ein wichtiger Verbindungsweg zwischen den Residenzstädten Koblenz (Kurtrier) und Bonn (Kurköln).
Koblenzer Tor, AK um 1900, eigene Sammlung.
1751–1755 ließ Kurfürst Clemens August von Bayern das prächtige St. Michaelstor (heute Koblenzer Tor) als Einfahrt zur Stadt und Sitz des Michaelsritterordens errichten. Die Straße selbst blieb jedoch unbebaut, bis Ernst Moritz Arndt sich 1818 als Erster an der später zur Prachtstraße ausgebauten Coblenzer Straße ansiedelte. Bedeutende Bauten wie das Palais Schaumburg (1860), die Villa Hammerschmidt (1862), das Collegium Albertinum (1892) und und das Museum Koenig (1898) folgten. Nach Gründung der Bundesrepublik nahmen Bundeskanzler und Bundespräsident hier ihre Dienstsitze, und es entstanden das Bundeskanzleramt sowie Bundesministerien und Behörden entlang der Allee. Die Universität errichtete die Kinderklinik, die Universitäts- und Landesbibliothek sowie das Juridicum mit seiner von Victor Vaserely geschaffenen bedeutenden Op-Art-Fassade.
Beethovengymnasium, AK kurz vor 1900, eigene Sammlung.
Seit 1888 (kriegsbedingter Neubau 1951) befindet sich auch das 1626 gegründete älteste Bonner Gymnasium (Beethovengymnasium) dort. Heute ist die Adenaueralle vor allem geprägt durch die Vielzahl der ansässigen Institutionen, der repräsentativen Gebäuden im Wechsel mit typischer 1950er und 1960er Jahre Bebauung, den dichten Verkehr und das überwiegende Fehlen von Privathäusern.

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