Montag, 23. Juni 2014

Bonner Persönlichkeiten: Joseph Hubert Reinkens


Hubert Reinkens im Bischofsornat
Joseph Hubert Reinkens, erster alt-kath. Bischof; geb. 1.3.1821 Burtscheid bei Aachen, gest. 4.1.1896 Bonn. Nach dem Studium der kath. Theologie, der Philosophie und der Klass. Philologie an der Universität Bonn 1844–1847 trat Reinkens in das Kölner Priesterseminar ein, wurde 1848 zum Priester geweiht, kehrte zurück nach Bonn und nahm dort ein Kirchenrechtsstudium auf. Da die Bonner theol. Fakultät kein Promotionsrecht besaß, wurde Reinkens 1849 an der Universität München promoviert. Vom Kölner Erzbischof des Hermesianismus verdächtigt, wurde ihm eine Universitätskarriere verwehrt und er sollte in die Pfarrseelsorge eintreten. Stattdessen wechselte Reinkens an die Universität Breslau und habilitierte sich 1850 im Fach Kirchengeschichte. Seit 1853 außerordentl. Prof., erfolgte 1857 seine Ernennung zum ordentl. Prof. der Kirchengeschichte. Zu einem Bruch mit der kath. Kirche führten 1870 seine Schriften „Papst und Papstthum nach der Zeichnung des hl. Bernhard von Clairvaux« sowie „Über päpstliche Unfehlbarkeit«, die in der Kirche auf heftigste Kritik stießen und zu einem Untersuchungsverfahren gegen Reinkens führten. Der Aufforderung, sich von den Büchern zu distanzieren und sich dem Unfehlbarkeitsdogma zu unterwerfen, kam Reinkens nicht nach. Als ihm die Lehrerlaubnis entzogen wurde, veröffentlichte er weitere Schriften gegen den Papst. 1871 kehrte Reinkens zurück nach Bonn, wohin ihm 1872 das Exkommunikationsdekret zugestellt wurde, dessen Annahme er aber verweigerte. Stattdessen schuf er, gemeinsam mit seinen drei Bonner Kollegen F. H. Reusch, B. J. Hilgers und F. P. Knoodt, die Grundlage zur Alt-kath. Kirche und ließ sich am 4.6.1873 in St. Pantaleon in Köln zum ersten alt-kath. Bischof Deutschlands wählen. Reinkens und alle, die an der Wahl und am Weiheakt teilgenommen hatten, wurden daraufhin von Papst Pius IX. exkommuniziert. Die Regierungen von Preußen, Baden und Hessen anerkannten Reinkens jedoch als Bischof der Alt-Katholiken. Als ständige Residenz wählte er Bonn, wohin er 1873 endgültig übersiedelte. In den folgenden Jahren sorgte er für den Aufbau eines geordneten Kirchensystems in Deutschland und setzte sich mit den Bonner Unionskonferenzen 1874/75 für die ökumenische Annäherung an die Anglikanische Kirchengemeinschaft ein. Bis heute ist Bonn Bischofssitz der alt.-kath. Kirche Deutschlands. Grabstätte auf dem Alten Friedhof.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage 2011.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen