Montag, 23. Juni 2014

Bonner Geschichte: 200 Jahre Bonner Oberbürgermeister


Dieses Jahr (2014) hat die Stadt Bonn seit genau 200 Jahren einen Oberbürgermeister. Dabei ist das Amt des Bürgermeisters bereits wesentlich älter.

Die erste urkundliche Erwähnung von zwei „burgermeistere“ datiert ins Jahr 1331, später wird ein „rat“ bezeugt. Diese Konstellation funktionierte einige Jahrhunderte lang sehr gut, zumal man so klug war, bei der jeweiligen Wahl immer einen jungen Mann (für die Tatkraft) und einen Alten (für die Weisheit) gemeinsam zu wählen, damit diese sich ergänzen.
In einer Urkunde vom 24.6.1550 werden zum ersten Mal die „Zwölfter“ genannt, die als „die zwoelf vann der gemeynden“ eine Kontrollfunktion innehatten. Sie vertraten nicht nur die Zünfte, sondern die ganze Gemeinde. Im Salentinischen Vertrag vom 4.2.1569 wurde festgelegt, dass die Stadt von zwei aus dem Rat gewählten Bürgermeistern und zwei dem Schöffenkolleg angehörenden Schöffenbürgermeistern verwaltet werden sollte. Dies änderte sich erst mit der französischen Besetzung 1794. Die Franzosen ernannten Peter Joseph Boosfeld ohne Wahl zum „Maire“ (also Bürgermeister). Ihm folgte Johann Joseph Eichhoff.


Johann Joseph Eichhoff
In seine Amtszeit fiel die neue französische Gemeindeordnung vom 17.2.1800, in der festgelegt wurde, dass der Maire Vorsitzender der Stadt- oder Gemeindeverordneten-Versammlung sei und damit Oberbürgermeisterbefugnisse habe. Damit war Eichhoff erster de facto Oberbürgermeister. Den Titel erhielt aber erst Anton Maria Karl Graf von Belderbusch nach Abzug der Franzosen mit Verordnung vom 25.2.1814, in der die französische Bezeichnung „Maire“ durch den Titel „Oberbürgermeister“ ersetzt wurde. Somit war Belderbusch ab 1814 erster Oberbürgermeister der Stadt. Interessant ist noch, dass nach dem Zweiten Weltkrieg der britischen Militärregierung die Machtfülle rheinischer Oberbürgermeister nicht geheuer war und sie deshalb durch Änderung der Gemeindeordnung die Kompetenzen des OBs drastisch beschnitten. Als Gegengewicht wurde für die Verwaltungsleitung das Amt eines Oberstadtdirektors geschaffen, dessen erster Amtsinhaber 1947–1956 Dr. Langendörfer war. Erst 1994 wurde die kommunale Doppelspitze durch eine Reform der Gemeindeordnung NRW wieder abgeschafft (mit einer Übergangsfrist bis 1999). Da 1995 die Amtszeit des damaligen Oberstadtdirektors geendet hatte, übernahm die amtierende OB Bärbel Dieckmann das Amt des Oberbürgermeisters in seiner jetzigen Form. 1999 wurde sie als OB erstmalig direkt gewählt.

Anton Maria Karl Graf von Belderbusch
Liste der Bonner Oberbürgermeister:

1800–1802 Johann Joseph Eichhoff
1802–1804 Nicolas Joseph Lejeune (kommissarisch)
1804–1816 Anton M. K. von Belderbusch
1816–1817 Peter Joseph Eiländer (kommissarisch)
1817–1839 Johann Martin J. Windeck
1840–1850 Karl Edmund J. Oppenhoff
1851–1875 Leopold Kaufmann
1875–1891 Hermann Jakob Doetsch
1891–1919 Wilhelm Spiritus
1920–1922 Fritz Bottler
1923–1931 Dr. Johannes Nepomuk Falk
1932–1933 Dr. Franz Wilhelm Lürken
1933–1945 Dr. Ludwig Rickert
1945–1948 Eduard Spoelgen
1948–1951 Dr. Peter Stockhausen
1951–1956 Peter Maria Busen
1956–1969 Dr. Wilhelm Daniels
1969–1975 Peter Kraemer
1975–1994 Dr. Hans Daniel
1994–2009 Bärbel Dieckmann
    seit 2009 Jürgen Nimptsch

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