Montag, 23. Juni 2014

Bonn als Bischofssitz


Wenig bekannt ist die Tatsache, dass nicht nur Köln Bischofssitz ist, sondern auch Bonn – und das sogar zweifach: einmal als Sitz des Alt-katholischen Bischofs und einmal als Sitz des griechisch-orthodoxen Metropoliten.

Namen-Jesu-Kirche, AK, eigene Sammlung
1870 führte das Erste Vatikanische Konzil wegen der Definition der lehramtlichen Unfehlbarkeit des Papstes in katholischen Kreisen unmittelbar zu Widerständen und innerkirchlicher Opposition, die bald begann, sich als Alt-kath. Kirche zu organisieren. Die Bonner Professoren Franz Heinrich Reusch und Joseph Hubert Reinkens gehörten zu den Ersten, die noch 1870 die sogenannte Nürnberger Erklärung gegen das Vatikanum entwarfen und sich in Folge von der Kirche abspalteten. Durch die Wahl Reinkens zum ersten alt-kath. Bischof am 4.6.1873 wurde Bonn offizieller Bischofssitz und ist es bis heute geblieben. Für Gottesdienste stand zunächst die evangelische Schlosskirche zur Verfügung, bis die Gemeinde 1877 die 1686 durch Kurfürst Maximilian Heinrich von Bayern erbaute Namen-Jesu-Kirche (ursprünglich katholische Jesuitenkirche) übernehmen konnte. Seit 1934 diente sie als katholische Hochschulgemeindekirche, bis sie seit 2012 wieder als alt-katholische Kathedralkirche zur Verfügung stand. Ihre erste eigene Kirche ließ die alt-kath. Gemeinde 1934 an der Adenauerallee errichten. Im Zweiten Weltkrieg fiel sie den Bombenangriffen zum Opfer und wurde 1957 an selber Stelle als St. Cyprian neu erbaut. 1887 wurde das Bischöfliche Konvikt eingerichtet und 1937 folgte an der Universität Bonn das alt-kath. Seminar; bis heute das einzige Deutschlands.

Agia-Trias-Kirche in Limperich.
1963 nahm die Griechisch-Orthodoxe Metropolie, die drittgrößte christliche Kirche Deutschlands, ihren Sitz in Bonn, zunächst noch ohne eigenes Gotteshaus. 1976–1977 ließ sie nach Plänen des Architekten K. Höning im Stadtteil Limperich die Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit (griech. agia trias) erbauen, die heute als Metropolitankathedrale der Griechisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland Sitz des Exarchen von Zentral-Europa ist. Eingeweiht wurde sie Pfingsten 1978 durch den Metropoliten selbst. Errichtet aus orckerfarbigen Backsteinen, basiert der Zentralbau auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, das, im Gegensatz zum lat. Kreuz aus vier gleichlangen Armen gebildet wird. Aus dem breiten, tiefliegenden Baukörper wächst ein oktogonaler mit Fenstern durchbrochener Vierungsturm heraus, der mit einer flachen Hängekuppel abschließt.
Der schlichten, mit nur einem Rundfenster versehenen Westfront gliedert sich eine niedrige Vorhalle an, der Nordseite ein zweigeschossiges aus drei Flügeln bestehendes Gemeindehaus, durch dessen Tordurchgang man den Innenhof betritt. An der Ostseite befindet sich ein halbrund vortretender Chor, flankiert
Agia-Trias-Kirche, Innenansicht.
durch zwei kleinere Nebenchöre. Innen wurde der fast fensterlose Bau auf einer Fläche von mehr als 600 m² aufs prächtigste von C. Voutsinas mit Ikonen und nach Motiven aus dem Alten und Neuen Testament ausgemalt, eine Arbeit die 23 Jahre in Anspruch nahm. Die sakrale Einrichtung und liturgischen Geräte wurden ausnahmslos von griechischen Künstlern und Handwerkern hergestellt.

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