Montag, 30. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Wahl des nationalsozialistischen OBs in Bonn


30.6.2014: Heute vor 81 Jahren wurde der Nationalsozialist Ludwig Rickert zum Bonner Oberbürgermeister gewählt.

Oberbürgermeister Rickert
Rickert, am 20.7.1897 in Schelze bei Posen geboren, hatte zunächst eine Ausbildung zum Handelslehrer absolviert, bevor er 1927 als Lehrer an die Bonner Berufs- und Handelsschule gelangte. Früh trat er in die NSDAP ein und stieg 1931 zum Ortsgruppenleiter in Beuel auf. Daneben war er 1932–1934 NSDAP-Kreisleiter von Bonn-Land. Durch dutzende von Auftritten bald als scharfer Gauredner bekannt, nahm Rickert sich besonders oft den bei der Bevölkerung sehr beliebten Bonner Oberbürgermeister Johannes Falk vor, der aus seiner nationalsozialistischen Gegnerschaft kein Hehl machte. Mehrfach hatte Falk öffentlich die NS-Zeitschrift „Der Stürmer“ als „Revolverblatt“ bezeichnet, das „von Verbrechern am deutschen Volk geschrieben und nur von beschränkten Menschen“ ernst genommen werde. Rickert trat nun in seinen Reden mit üblen Verunglimpfungen Falks hervor, der sich zunächst noch mit einem Disziplinarverfahren gegen Rickert zu wehren versuchte, dann aber, zermürbt von den vielen Angriffen der Nazis, am 1.12.1931 von seinem Amt zurücktrat. Dies verhinderte jedoch nicht, dass er nach der „Machtübernahme“ Anfang 1933 in „Schutzhaft“ genommen wurde.
Johannes Nepomuk Maria Falk

Rickert gelang es im März 1933, auch Falks
Nachfolger Wilhelm Lürken zu stürzen und dessen Stelle als Oberbürgermeister kommissarisch einzunehmen. Um dem Ganzen einen legitimen Anstrich zu geben, ließ Rickert sich am 30.6.1933 formal vom Bonner Stadtparlament einstimmig zum Oberbürgermeister wählen, nachdem man den kommunistischen und sozialdemokratischen Stadtverordneten kurzerhand das Mandat entzogen hatte, und die Stadtverordneten des Zentrums und der DVP erst gar nicht zur Wahl erschienen waren. Von der Bonner Bevölkerung wurde Rickert mehrheitlich abgelehnt und musste sich sogar mehrfach gegen Gerüchte über Verfehlungen strafrechtlich zur Wehr setzen. In einem dieser Verfahren kam selbst der Regierungspräsident 1934 zu dem Schluss, „dass Oberbürgermeister Rickert sich in der Bevölkerung Bonns im allgemeinen offenbar nur geringer Beliebtheit erfreue. Der Grund hierfür dürfte in einem zu stark betonten Geltungsbedürfnis und in dem … herrischen
Wesen Rickerts liegen“.

L. Rickert (Mitte, ohne Uniform)

Während seiner Amtszeit (bis 1945) unterstütze Rickert ausdrücklich die Arbeit der Gestapo Außendienststelle im Kreuzbergweg sowie die Internierung der Bonner Juden. Nachdem er sich im März 1945, kurz vor der Sprengung der Bonner Rheinbrücke, auf die rechte Rheinseite abgesetzt hatte, wurde er gefasst und bis 1948 interniert. Aufgrund fehlender Akten kam er jedoch um ein Entnazifizierungsverfahren herum. Auch mehrere Verfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Dienstordnungsverfahren wurden nach über zehnjähriger Dauer eingestellt. Rickert fasste beruflich wieder als Lehrer Fuß und wurde 1956 stellvertretender Leiter einer privaten Handelsschule in Rahden/Westfalen. Am 4.10.1963 starb er in Wuppertal.

Johannes Falk ließ sich auch nach seiner Freilassung aus der „Schutzhaft“ durch die fortgesetzten Schikanen nicht einschüchtern und schrieb dem neuen OB Rickert einen sehr scharfen Brief, in dem er diesem „kleinliche Rachsucht“ vorwarf. Nach dem Krieg ging er nach Frankfurt, wo er seinen Lebensabend verbrachte und am 14.1.1964 verstarb.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

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