Montag, 23. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Vor 430 Jahren tobte in Bonn der Kölnische Krieg, 2. Teil

Nun war also der neue Kurfürst Ernst von Bayern am 5.2.1584 feierlich in seine neue Residenzstadt Bonn eingezogen, womit die 178-jährige Sekundogenitur des Hauses Wittelsbach begann.

Ernst von bayern, Kupferstich
Die Wiederherstellung der Ordnung übertrug er dem als Würgeengel bekannten Schultheißen Hieronymus Michaelis, der mit seiner „Roten Schar“ von etwa 40 Geistlichen und Henkern in Bonn übelst hauste und Schrecken unter der Bevölkerung verbreitete. Viele ließ er auf dem Marktplatz aufknüpfen und für mehrere Tage am Galgen hängen. Die Bürger stöhnten zudem unter der Last der Einquartierung der spanischen Truppen. Doch machte Ernst einen gravierenden Fehler: da er auch Bischof von Lüttich war, verlegte er in den kommenden zwei Jahren seine Residenz praktisch dorthin. In Bonn verblieb nur eine schwache Besatzung von 140 Mann. Dies nutze der Söldnerführer Martin Schenck von Nideggen, ein Feldmarschall aus Gebhards Truppen, um mit seinen Soldaten am 23.12.1587 die Stadtwachen zu überrumpeln und Bonn einzunehmen. Alle Bürger wurden in die Kirchen gesperrt, von den wohlhabenden hohe Lösegelder erpresst und die Stadt geplündert. Die schwersten Verluste erlitt das St. Cassiusstift mit der Münsterkirche. Die Einrichtung und alle Fenster wurden zerstört, die Altäre zertrümmert, das Archiv ausgeraubt und die Siegel entwendet. Die goldenen und silbernen Geräte, Kreuze und Reliquiare wurden ebenso geraubt wie die beiden kostbaren Schreine der hll. Cassius und Florentius.
Schenck von Niedeggen

Die Stadt ließ Schenck nun zur Verteidigung befestigen und legte ihr schwere Kriegs-kontributionen auf. Kurfürst Ernst bekam Hilfe in Form von wallonische, spanische und lothringische Truppen unter der Führung Charles III. de Croÿ, Fürst von Chimay sowie einigen Bataillon friesischer Truppen unter Graf Johann von Taxis, die im Frühjahr 1588 vor den Toren der Bonns erschienen, um sie zu befreien. Am 20. Mai begann man mit der Beschießung von Norden her. Zugleich belegte der Kaiser Schenck von Nideggen mit der Reichsacht. Doch Stadtkommandant von Puttlitz ließ an Toren und Türmen Bonns die Blutfahne hissen, zum Zeichen dass man die Belagerung nicht aufgäbe. Doch am 22. Juni kapitulierte zuerst die Besatzung von Poppelsdorf, am 21. August folgte die der Beueler Schanze. Am 1. September begann Fürst von Chimey – Graf von Taxis war bereits gefallen – mit einer erneuten schweren Beschießung Bonns und schob seine Truppen bis zum 19. September so nahe an Bonn heran, dass die Geschütze schwere Schäden in der Stadt anrichteten. Der Bürger Hermann Weinsberg berichtete darüber: „Haben die im leger vor Bonn gewaltich in die stat geschossen, ein deil der stat mauren nidder geworfen und vil heuser darin verderft. Und ist ein grois geschrei … gewest.“

Da nun auch von Puttlitz einsah, dass die Stadt nicht mehr zu halten war, begann er mit Verhandlungen. Am 28. September zog Fürst von Chimey mit seinen Truppen feierlich in Bonn ein und nahm die Stadt für Kurfürst Ernst in Besitz. Damit war der Kölnische Krieg, der ein reiner Religionskrieg war, zwar beendet, aber die Unruhen um Bonn rissen nicht ab.

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