Montag, 23. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Kapitulation der französischen Besatzung Bonns im Jahre 1701

16.5.2014: Vor 311 Jahren kapituliert die französische Besatzung in Bonn.

Und so kam es dazu: 1701 schloss Kurfürst Joseph Clemens im Spanischen Erbfolgekrieg unter dem Einfluss seines Kanzlers Karg von Bebenburg ein Bündnis mit dem französischen König Ludwig XIV. gegen den Kaiser. Zugleich ließ er das Festungswerk rund um die Stadt verstärken und zwei kurfürstliche Regimenter in Bonn stationieren. Der Kaiser verhängt über den Kurfürsten und seine Hofbeamten die Reichsacht – wodurch es zur Massenflucht der kurfürstlichen Beamten aus Bonn kam – und droht mit Krieg. Da der Kurfürst nicht einlenkte, begannen die kaiserlichen Truppen am Palmsonntag 1702, als sich Joseph Clemens mit einer Prozession auf dem Kreuzberg befand, mit einem Angriff auf das Beueler Fort, der jedoch noch abgewehrt werden konnte. Nach kurzem Beschuss zogen die Truppen vorerst weiter nach Kaiserswerth. Zur moralischen Bestärkung der Bonner Bürger beteuerte der Kurfürst öffentlich, dass er „alle dero getreuen Untertanen und Inwohner dieser Statt, das dieselbe sye bis auff den letzten bluettstropfen in selbst eigner hoher Person schüzen werde …“, doch bereits am 12.10.1702 floh er unter dem Schutz von General Tallard und dessen 16 Bataillonen, 25 Eskadron und 12 Geschützen aus der Stadt ins französische Exil, aus dem er erst 1715 zurückkehrte.

Belagerungsplan der Stadt Bonn, Kupferstich, 1703, eigene Sammlung

Am 8.12.1702 folgte auch der kurfürstliche Obristkanzler Karg von Bebenburg und die Bonner Bürger mussten alleine zurecht kommen. Der Stadtrat organisierte gemeinsam mit den Zwölftern die Verpflegung der Einwohner und der verbliebenen französischen Truppen. Aus Angst vor einer Belagerung mit Brandbombenbeschuss erließ der Rat ein Reglement für die Schildwachen. Jeder Bürger musste auf dem Speicher Kübel mit Wasser bereithalten und am Bürgerhaus wurden das „schwere brandgezeuge“ und Ledereimer bereitgestellt. Die Angst war nicht unberechtigt, denn am 3. Mai 1703 begann eine Armee aus Engländern, Holländern, Preußen und Reichstruppen unter Führung von John Churchill, dem Herzog von Marlborough, das Beueler „Fort de Bourgogne“ mit 90 halben und 50 viertel Cartaunen sowie 500 Haubitzen massiv unter Beschuss zu nehmen. Nach der Einnahme richteten sich die kaiserlichen Truppen im Beueler Fort ein und begannen am 12. Mai die gegenüberliegende Stadt Bonn aus 102 Kanonen und 42 Mörsern ununterbrochen zu beschießen. Nach Schätzung der Franzosen waren es täglich über 10.000 Schuss, die auf die Bonner Fortifikationen niederprasselten. Auf Druck der Bonner Bevölkerung und des Rats kapitulierte die vollkommen unterlegene französische Besatzung am 16.5.1703. Auf einem zeitgenössischen „Fliegenden Blatt“ heißt es: „Nun wurde Bonn berennet, wohl in dem Mond April, und hätte man vermeinet, es würd’ nit also still … Schon dreimal ward befreiet die Stadt vom Franzenjoch. Gott, schütz vor neuem Leide sie künftig gnädig doch.“

Bonn wird erobert, unbekannter Stecher, Kupferstich, 1703, eigene Sammlung

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