Montag, 23. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: 1744 wurde die Regina Pacis errichtet


Zurückgehend auf ein Gelübde hatte Kurfürst Clemens August von Bayern die Muttergottes zur Schutzpatronin seines Kurstaates und der Residenzstadt Bonn erwählt. Höchster Ausdruck seiner Verehrung war die 1744 an der Schauseite seines Schlosses (heute Universität) an exponierter Stelle angebrachte Statue der Regina Pacis, angefertigt durch den Den Haager Bleigießer Willem Rottermondt. Beeindruckend ist ihr Schicksal, dem sie im Laufe der Jahrhunderte trotze: 1777 überstand sie den gewaltigen Brand, dem ein großer Teil des Schlosses zum Opfer fiel. 20 Jahre später, im Zuge des Bildersturms der französischen Revolution, sollte sie auf dem Höhepunkt eines Festes zur Verherrlichung der „Göttin der Vernunft“ durch ein Gespann von sechs Schimmeln heruntergerissen und auf einem hohen Scheiterhaufen verbrannt werden. Doch die Seile rissen, und die wütende Bonner Bevölkerung verhinderte eine Wiederholung des Schauspiels. Selbst den vernichtenden Bombenangriff vom 18. Oktober 1944, bei dem die Universität in Trümmern versank und das Hauptgebäude bis auf die Grundmauern ausbrannte, überstand sie unversehrt.

Regina Pacis, Universität, Foto: J. Niesen 2010
Die ca. 220 cm große, vergoldete Figur der Maria als Himmelskönigin (Regina Pacis) befindet sich in einer zur Rocaille ausgestaltete und mit viel vergoldetem Rokokodekor verzierten Nische über dem Portal des Universitäts-Hauptgebäudes an der hofgartenseitigen Fassade. Die im Kontrapost stehende Madonna in aufwändig drapiertem Gewand trägt auf ihrem Haupt eine mit Sternen besetzte Krone. Der Blick weist zu dem auf ihrem linken Arm sitzende Kind im Strahlenkranz, das, die Weltkugel haltend, mit der rechten Hand eine segnende Gebärde ausführt. Maria selbst hält mir der Rechten das Szepter als Zeichen ihrer königlichen Würde. Signiert ist das Bildwerk auf dem Sockel mit: W. Rottermond Ft = Hage 1744. Die über der Nische befindliche Rokokokartusche trägt die vergoldete Inschrift: Regina Pacis.

Regina Pacis
Die auf dem Höhepunkt des Rokoko angefertigte Bleiguss-Statue zeichnet sich durch eine besonders elegante Linienführung aus, deutlich sichtbar in ihrer S-förmigen Gesamtgestalt, aber auch in feinen Details wie der Fingerhaltung der rechten, das Szepter führenden Hand oder dem zierlich-leichten Faltenwurf des Gewandes. Bei der grazilen und fast spielerisch wirkenden Komposition erscheint Anmutigkeit im Ausdruck wichtiger als Erhabenheit. Damit gehört die sehr virtuos und einfühlsam gestaltete Figur der Regina Pacis in ihrer lebhaften Modellierung und der schwungvollen Linienführung zu den schönsten Bildwerken Bonns und bietet, eingebettet in die Fassade der Universität, einen ganz besonderen Anblick.

Über den Bildhauer und Bleigießer weiß man nur wenig. Geboren 1701 in den Niederlanden, schuf er mit seinem Sohn Hendrik drei bedeutende Plastiken für Bonn: die Regina Pacis 1744, den Erzengel Michael (auf dem Koblenzer Tor) 1750 und die hl. Helena (in der Kreuzkirche) 1755. 1755 starb er in 's Gravenhage (heute Den Haag).

Quelle: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Bonn 2013, S. 196 ff.

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