Montag, 23. Juni 2014

Bedeutende Ereignisse: Vor 134 wurde das Schumann-Grabmal eingeweiht


3.5.2014: Vor 134 Jahren wurde das bedeutende Grabmal Robert Schumanns auf dem Alten Friedhof in Bonn eingeweiht.

Bereits wenige Jahre nach Schumanns Tod tauchte der Gedanke an ein zu errichtendes Denkmal auf, der sich im brieflichen Austausch mehrerer Bonner Persönlichkeiten mit dem berühmten Geiger und Freund Schumanns, Joseph Joachim, konkretisierte und 1873 endgültig Gestalt annahm. Ein flugs gebildetes „Schumann-Comité“ nahm noch 1874 auf Wunsch Clara Schumanns Kontakt zum Dresdner Bildhauer Adolf Donndorf auf und beauftrage ihn mit der Schaffung des Denkmals. Finanziert wurde das Werk durch verschiedene Benefizkonzert in der Beethovenhalle. Bis 1879 waren Donndorfs Arbeiten endgültig abgeschlossen, so dass das Denkmal am 3. Mai 1880 auf dem Alten Friedhof in Bonn eingeweiht werden konnte. Bei der Enthüllungsfeier waren neben einer großen Anzahl hochstehender fremder und Bonner Gäste Clara Schumann mit ihren Kindern Marie, Eugenie und Ferdinand sowie der Geiger Joseph Joachim und Johannes Brahms anwesend. Unter den zahlreichen abgelegten Kränzen befanden sich sogar zwei aus Honkong und Kanton. Nach ihrem Tod wurde Clara Schumann 1896 ihrem Wunsch gemäß ebenfalls im Grab ihres Mannes beigesetzt.

Das aus Carrara-Marmor geschaffene Denkmal besteht aus einer harmonischen Verbindung von Grabstele und Sarkophag, bestückt mir allegorischen Figuren. Der profilierte marmorne Sarkophag bildet den Sockel für die sitzende Figur der Muse der Musik, die, den Körper dem Betrachter zugewandt, den Kopf jedoch abwendend, nach oben auf das im Bogenfeld der Stele befindliche Medaillon des Komponisten schaut. Sie trägt die Gesichtszüge Clara Schumanns, ihr Kopf mit der antikisierenden Frisur ist blumenumkränzt, ihre Bekleidung ist stilistisch etwas indifferent zwischen zeitgenössischem Kleid und antikem Gewand angesiedelt. Mit der rechten, auf ihrem Oberschenkel ruhenden Hand hält sie einen Lorbeerkranz, mit der linken, die auf eine am Boden stehende Lyra herabhängt, eine etwas geöffnete Notenrolle. Auf den zu beiden Seiten der Grabstele etwas vorspringenden Pilastern sitzt in Kopfhöhe der Muse der Genius der Instrumental- und Vokalmusik in Gestalt von Kindern; rechts ein Geige spielender Amor, links eine aus einem Notenblatt lesende kleine Psyche mit Schmetterlingsflügeln. Auf der die Pilaster um etwa das Doppelte überragenden Grabstele steht in goldenen Lettern der schlichte Schriftzug ROB. SCHUMANN, worüber das Relief eines auffliegenden Schwans zwischen seinen Flügeln das Profilbildnis Schumanns in einem Ranken umkränzten Medaillon trägt. Der Schwan, Symbol der Reinheit und Begleiter der Seelen, steht hier auch für Schumanns unablässiges Komponieren und dessen eigenen „Schwanengesang“. Die Stele schließt ab mit einem profilierten Rundgiebel.


Schumann-Grabmal,
Foto: Josef Niesen, 2011

Schumann-Grabmal,
historische Ansichtskarte

Auffallend an der Formsprache des Grabmals ist der komplette Verzicht auf jedwede christlich-eschatologische Symbolik, die ersetzt wurde durch allegorische Figuren aus dem Reich der griechischen Mythologie. Der Schmerz im Ausdruck fehlt ganz, zugunsten einer zwar weihevollen aber nahezu kindlich-naiven Heiterkeit. Einzig die Schmetterlingsflügel der singenden Psyche weisen auf das Jenseitige hin: der Schmetterling als Symbol der unsterblichen Seele, die den Körper auf der Erde zurücklässt. Der Verzicht auf alles Christliche geschah in Übereinstimmung mit der religiösen Einstellung Clara Schumanns, der es vor allem auf den geistig-poetischen Ausdruck des Monuments ankam. Auch Donndorf sah in Schumann den „als göttliche Naturkraft schaffenden Genius“ bei dem „die specifische Religion zurücktritt“.

Ganz eindeutig ist Schumanns Grabmal, als kulturhistorisch wichtiges Zeugnis der Gründerzeit, der gelungene Versuch, in Abkehr vom stilreinen Klassizismus verschiedene Stilelemente unterschiedlicher Epochen in einem einzigen Werk harmonisch zu vereinen. Selbst von Kunsthistorikern lange als minderwertig geschmäht, ist der Historismus als Kunststil heute jedoch in seiner Wertigkeit anerkannt und unumstritten. In dem hier vorgestellten Monument vereinigt sich der für diese Epoche so charakteristische Stilpluralismus aufs Schönste zu einem vollkommenen Gesamtwerk.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Denkmäler und ihre Erbauer, Könisgwinter 2013, S. 30 ff.

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