Montag, 23. Juni 2014

Aus meiner Sammlung: Hogenbergs Kupferstiche zum Kölnischen Krieg, Teil 1.


Vor 430 Jahren tobte in Bonn der Kölnische Krieg. Eine Reihe von zeitgenössischen Kupferstichen dokumentieren ihn.

Der Kölnische Krieg, auch Truchsessischer Krieg genannt, geht namentlich zurück auf den Kölner Kurfürsten Gebhard Truchseß von Waldburg.

Als Erzbischof dem Zölibat verpflichtet, hatte er ein Liebesverhältnis mit der Gerresheimer Stiftsdame Agnes von Mansfeld, was in dieser Zeit nicht ganz ungewöhnlich war. Doch sein Wunsch, sie zu ehelichen und das Erzstift in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln, führte zu weitreichenden Konflikten. Am 19.12.1582 sagte sich Gebhard öffentlich von der katholischen Kirche los und verkündigte die Gleichstellung beider Konfessionen. Durch seinen Bruder Karl Truchseß ließ er Bonn von dessen Truppen besetzen, erklärte den Übertritt der Stadt zum Protestantismus und ließ sich am 2.2.1583 in Bonn evangelisch trauen.

Kupferstich von Hogenberg 1583: Übergang des Kurfürsten Gebhard Truchseß über den Rhein und Besetzung von Bonn durch Karl Truchseß, eigene Sammlung.
Durch diesen Schritt und den damit verbundenen Verletzungen des tridentinischen Eids und der Goldene Bulle wurden die Gegenkräfte auf den Plan gerufen, zunächst die katholische Partei im Domkapitel, dann auch Papst und Kaiser. Gebhards Absetzung als Erzbischof durch Papst Gregor XIII. folgte am 1.4.1583 seine Exkommunikation. Kurz darauf (am 23.5.) wählte das Domkapitel den Wittelsbacher Ernst von Bayern zu seinem Nachfolger und sicherte sich damit bayerische Truppenhilfe. Gebhard seinerseits erhielt kurpfälzische Unterstützung. Um ein Festsetzen des Feindes vor den Bonner Stadttoren zu verhindern ließ er das Stift und Dorf Dietkirchen niederbrennen (die Reste der Dietkirche sind noch zu besichtigen) – eine damals durchaus übliche militärische Anwendung. Der Beschluss des Kriegsrats besagte, dass „alle dörfer ein meil wegs oder drey umb Bonn her … abgebrandt, gleichfalls alle weingarten, hecken, zäun und planketten einen musketenschuß weit umb die statt her ab- und niedergerissen werden sollen.“ Die Burgen Poppelsdorf und Godesberg wurden mit kurfürstlichen Truppen besetzt, die Bonner Besatzung begann mit Plünderungszügen in die Umgegend. Poppelsdorf brannten sie vollständig nieder.

Kupferstich von Hogenberg 1583: Erstürmung der Wasserburg Poppelsdorf am 14. November 1583, eigene Sammlung.

Der vormalige Kurfürst Salentin von Isenburg traf am 2.6.1583 mit spanischen Hilfstruppen ein und sperrte die Stadt in einem großen Halbkreis nach Norden und Westen von jeder Zufuhr ab. Die belagerten kurfürstlichen Truppen mussten auf Entsatz warten, der tatsächlich am 20.7. in Form von Transportschiffen mit 1200 Schützen eintraf. Auch Pfalzgraf Johann Casimir erschien mit 18.000 bis 20.000 Mann im Felde und lagerte oberhalb Bonns bei der Windmühle. Doch vom Kaiser mit der Reichsacht bedroht, löste er im November sein Heer wieder auf. Am 14.11. (da genau in dieser Zeit der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, gehen in den Quellen die Tagesdaten auseinander) beschoss das Arembergische Regiment die Wasserburg Poppelsdorf aus neun Geschützen und eroberte sie. Ernsts Truppen begannen in Godesberg, einen Stollen in den Berg zu treiben. Am 17.12. gelang es ihnen, die Godesburg zu sprengen und zu besetzen. Im belagerten Bonn war hingegen die Not so gestiegen, dass man begann, die leerstehenden Häuser geflüchteter Bürger abzureißen, um Feuerholz zu erhalten. Um seine Truppen halbwegs bezahlen zu können, ließ Karl Truchseß alles, was er in Bonner Kirchen und Häusern an Silber finden konnte, zusammenrauben und zu Notmünzen einschmelzen. Ein zwischenzeitlich auf Bonn vorrückendes Entsatzheer von 1500 Reitern und 1000 Infanteristen konnte an der Sieg geschlagen werden, womit das Schicksal der Stadt Bonn besiegelt war. Für die Eingeschlossenen gab es kein Entrinnen mehr. Die Truppen begannen zu meutern und es gab erste Aufstände. Währenddessen begannen die bayerischen Truppen am 9.1.1584 mit der Beschießung der Stadt von der Beueler Schanze aus. Zugleich bot man den eingeschlossenen Soldaten an, ihnen den ausstehenden Sold zu zahlen, wenn sie sich ergäben. Bei der daraufhin ausgebrochenen Meuterei in der Stadt wurden Karl Truchseß und seine Obersten von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und in das Rathaus verbracht. Am 15.1. begannen die Friedensverhandlungen, die am 18.1. abgeschlossen waren. Gegen Auszahlung des Solds (insgesamt 4000 Kronen) und freies Geleit übergaben die Soldaten die Stadt dem neuen Kurfürsten Ernst von Bayern. Am 22.1. zogen sie mit klingendem Spiel durch das Wenzeltor, wo sie feierlich die Stadtschlüssel überreichten. Am 4.2. kehrten die Hofbeamten nach Bonn zurück und Kurfürst Ernst hielt einen Tag darauf, an einem Sonntag, unter Glockengeläut und Donner der Geschütze feierlichen Einzug in die Stadt bis ins Münster, wo ein Te Deum gesungen wurde. Doch damit war der Krieg noch lange nicht aus … (siehe Fortsetzung)

Kupferstich von Hogenberg 1584: "Übergabe der Stadt Bonn durch Graf Carel am 28. Jan. 1584", eigene Sammlung

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