Montag, 23. Juni 2014

7.6.1791: Eulogius Schneider wird aus dem Professorenamt entlassen


7.6.2014: Heute vor 223 Jahren wurde der Bonner Universitätsprofessor Eulogius Schneider aus seinem Amt entfernt. Wie kam es dazu?

Eulogius Schneider
Am 20.10.1756 wurde Eulogius Schneider als Sohn eines Weinbauern in Wipfeld (Kreis Schweinfurt) geboren. Getauft wurde der jüngste Sohn von insgesamt 10 Kindern auf den Namen Johann Georg. Nach Beendigung des Jesuitengymnasiums in Würzburg begann Schneider 1771 an der dortigen Universität ein Philosophiestudium, das er aufgrund finanzieller Schwierigkeiten 1775 abbrechen musste. Stattdessen trat er 1777 unter dem Namen Eulogius in Bamberg in den Franziskanerorden ein und studierte bis 1780 Philosophie in Augsburg und bis 1783 Theologie in Salzburg. Nach seiner Priesterweihe (1780) und seelsorgerischer Tätigkeit in Bamberg, nahm Schneider 1786 eine Stelle als Hofprediger bei Herzog Karl Eugen von Württemberg an, mit dem er sich jedoch bald überwarf. 1789 folgte er dem Ruf an die kurfürstliche Bonner Universität, wo er als Prof. der „schönen Künste“ auch den jungen Ludwig van Beethoven unterrichtete und in ihm die Begeisterung für die Ideale der französischen Revolution weckte, die später in dessen Oper „Fidelio“ Ausdruck fanden. Noch im selben Jahr (1789) trat Schneider aus dem Franziskanerorden aus und wurde Weltpriester. Großes Aufsehen erlangte er 1790 mit einer in Bonn gedruckten Sammlung teil erotischer, teils politischer Gedichte. Sein kurz darauf erschienener „Katechetischer Unterricht“ wurde durch Kurfürst Maximilian Franz von Österreich mit einem Verkaufsverbot belegt. Als Schneider daraufhin den Kurfürsten der Intrige bezichtigte, erfolgte am 7.6.1791 seine Entlassung aus dem Professorenamt, was ihn dazu veranlasste, sich in Straßburg den Jakobinern anzuschließen. Im Dienste der französischen Revolution bekleidete Schneider von nun an verschiedene politische Ämter und wurde 1793 öffentlicher Ankläger von Revolutionsgegnern beim Kriminalgericht des niederrhein. Departements. In der Folgezeit verhängte der als radikaler Jakobiner gefürchtete Fanatiker, der sein Priesteramt öffentlich niedergelegt hatte, mindestens 25 Todesurteile. Innerhalb der Revolutionäre nicht ohne Feinde, wurde Schneider wenige Stunden nach seiner Hochzeit von Louis Antoine de Saint-Just gefangen genommen und am 1.4.1794 in Paris auf dem Schafott guillotiniert. Er gilt bis heute als einer der in Wort und Tat radikalsten deutschen Anhänger der Französischen Revolution.

Quelle: Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

"Wahre Abbildung des meyneidigen Priesters Eulogius Schneider", zeitgenössischer Stich, 1793

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