Montag, 23. Juni 2014

31.5.1601: Todestag von Gebhard Truchseß von Waldburg


 
31.5.2014: Vor 413 Jahren starb Erzbischof und Kurfürst Gebhard Truchseß von Waldburg.
 
Gebhard Truchseß von Waldburg
Geboren am 10.11.1547 in Heiligenberg als Spross des schwäbischen Geschlechts der Reichstruchsesse von Waldburg, studierte Gebhard an den Universitäten in Löwen und Perugia, erlangte Dompfründen in Augsburg, Köln und Straßburg und wurde 1577 gegen den vom Kaiser bevorzugten Ernst von Bayern zum Kölner Erzbischof und Kurfürsten gewählt. 1578 ließ er sich zum Priester weihen und erhielt 1580 die päpstliche Bestätigung. Trotz seines geistlichen Standes unterhielt Gebhard seit etwa 1579 ein Verhältnis zu Agnes von Mansfeld, Stiftsdame des Kölner Klosters Gerresheim. Sein Wunsch, sie zu ehelichen und das Erzstift in ein weltliches Fürstentum umzuwandeln, führte zu weitreichenden Konflikten. Am 19.12.1582 sagte sich Gebhard öffentlich von der katholischen Kirche los und verkündigte die Gleichstellung beider Konfessionen. Durch seinen Bruder Karl Truchseß von Waldburg ließ er Bonn von dessen Truppen besetzen, erklärte den Übertritt der Stadt zum Protestantismus und ließ sich am 2.2.1583 evangelisch trauen. Durch diesen Schritt und den damit verbundenen Verletzungen des tridentinischen Eids und der Goldene Bulle wurden die Gegenkräfte auf den Plan gerufen, zunächst die katholische Partei im Domkapitel, dann auch Papst und Kaiser. Gebhards Absetzung als Erzbischof durch Papst Gregor XIII. folgte am 1.4.1583 seine Exkommunikation. Kurz darauf, am 23.5., wählte das Domkapitel Ernst von Bayern zu seinem Nachfolger und sicherte sich damit bayerische Truppenhilfe. Da Gebhard seinerseits kurpfälzische Unterstützung erhielt kam es zum Kölnischen Krieg, in dessen Verlauf Bonn von bayerisch-spanischen Truppen belagert und beschossen, das Poppelsdorfer Schloss erobert und die Godesburg gesprengt wurde. 1584 gelang es Ernst, die schwer geschädigte Stadt einzunehmen. Gebhard floh zunächst nach Westfalen, dann in die Niederlande, von wo er den Krieg mit niederländischen Truppen fortführte, was zur Verwüstung des Bonner St. Cassiusstifts führte. Erst 1588 konnte die kurkölnische Hoheit endgültig zurück erlangt werden, und Gebhard gab den Kampf auf. Er siedelte nach Straßburg über und starb dort am 31.5.1601 als protestantischer Domdechant. In Bonn-Bad Godesberg wurde 1901 die Truchseßstraße nach ihm benannt.

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

Einnahme Bonns durch Ernst von Bayern 1588, Kupferstich von Jan Miel, 1640, eigene Sammlung.

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