Montag, 23. Juni 2014

29.5.1841: Todestag von Ernst von Schiller

Ernst von Schiller
Geboren wurde Ernst von Schiller, der Sohn des Dichters Friedrich von Schiller, am 11.7.1796 in Jena. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an der dortigen Universität wurde er 1819 Assessor beim Kreisgericht in Köln. 1823 heiratete er die Bonner Witwe Maria Magdalena von Mastiaux, die Schwester des Vilicher Bürgermeisters Gabriel von Pfingsten, wodurch er sich mit einer der führenden Familien des Bonner Raums verband. An seinem Bonner Wohnsitz auf dem Schevasteshof besuchte ihn seine Mutter, Charlotte von Schiller, regelmäßig. Einmal schrieb sie von dort in einem Brief an ihre Tochter Emilie: „In Bonn hat man fünf Wölfe geschossen; ob der Vetter einen erlegt hat, weiß ich nicht; überhaupt gibt es viele Wölfe; jetzt werden sie wieder in ihre Wälder entfliehen.“ 1825 suchte sie wegen eines Augenleidens den Bonner Spezialisten Prof. Philipp von Walther auf, der sie am 4.7.1826 am grauen Star operierte. Obschon die Operation gut gelang, verstarb Charlotte von Schiller fünf Tage später an einer Infektion und wurde am 11.7.1826, dem 30. Geburtstag ihres Sohnes, auf dem Alten Friedhof beigesetzt.

Schevasteshof, Schillers Wohnsitz
1828 wurde Ernst von Schiller nach Trier versetzt, doch war ihm 1835 durch seine Beförderung zum Appellationsgerichtsrat in Köln eine Rückkehr nach Bonn möglich. Schwer lungenkrank, verstarb er 1841 in Bonn an einer Tuberkulose. Seinem Wunsch gemäß wurde er auf dem Alten Friedhof im Grab seiner Mutter beigesetzt. Zuvor hatte sich auf dem Münsterplatz ein großer Leichenzug gebildet, wobei die Universität besonders zahlreich vertreten war. Aufgerufen dazu hatte der Rektor der Universität, Ernst Moritz Arndt. In einem Bericht der „Kölnischen Zeitung“ hieß es später: „Der Oberbürgermeister von Bonn, der zeitige Universitätsrektor Arndt, eine große Anzahl von Professoren und Studenten, Beamte und Honoratioren, zahlreiche Freunde und Bekannte des Verstorbenen bildeten den Zug.“ Vom Haus des Domänenrats de Claer (Ecke Münsterplatz/In der Sürst) zog man gemeinsam zum Grab, wo der Sarg Ernst von Schillers neben dem seiner Mutter beigesetzt werden sollte. Doch war das Grab zu schmal, so dass Ernsts Sarg auf den der Mutter zu liegen kam, der aufgrund des Gewichts zusammenbrach. Auf diese Weise wurden die Gebeine von Mutter und Sohn vereint.


Schillers Grab, Alter Friedhof
Die Grabstätte ziert eine gusseiserne Wandtafel in neogotischem Stil mit den ersten Versen aus dem Gedicht „Der Genius“ von Friedrich von Schiller: „Muß ich ihn wandeln, den nächtlichen Weg? Mir graut ich bekenn’ es! Wandeln will ich ihn gern führt er zu Wahrheit und Recht.“ Dabei wurde allerdings die Originalzeile „Wandeln will ich ihn doch, ...“ in „Wandeln will ich ihn gern ...“ abgeändert. Und noch ein wichtiges Detail wurde später verändert: Der Todestag auf der Tafel besagt 29.5.1841 – doch tatsächlich war Schiller bereits am 19.5. verstorben. Die Eins wurde erst später durch eine Zwei ersetzt. Auch die Wahl des Materials hat eine tiefergehende Bedeutung, denn seit den Befreiungskriegen galt Eisen im Sinne von „Gold gab ich für Eisen“ als heroisch und patriotisch und wurde gerade für die Romantik signifikant.

Am 19.7.2007 wurde das Grab auf dem Alten Friedhof im Rahmen eines Forschungsprojekts von Anthropologen aus Freiburg und Berlin geöffnet, um DNA-Proben der Gebeine zu entnehmen und sie mit der DNA der Friedrich Schiller zugeschriebenen Gebeine in der Weimarer Fürstengruft zu vergleichen. Nach eingehender Untersuchung konnte abschließend belegt werden, dass die Weimarer Gebeine zweifelsfrei nicht dem Dichter gehören, womit ein 150 Jahre andauernder Gelehrtenstreit beendet werden konnte. 

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Aufl., Bonn 2011, S. 420-421.

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