Montag, 23. Juni 2014

10.5.1940: Todestag von Helene Ziskoven

10.5.2014: Heute vor 74 Jahren wurde Anna Helene Ziskoven durch die Nationalsozialisten in den Freitod getrieben.

Heute möchte ich an die Pianistin und Institutsgründerin Anna Helene Ziskoven erinnern, deren genaue Lebensdaten ich nur herausfinden konnte, weil es mir seinerzeit bei der Recherche zum Bonner Personenlexikon gelungen war, ihre Großnichte in den USA ausfindig zu machen.
Geboren am 3.12.1876 in Elberfeld, erlangte Ziskoven nach ihrer Ausbildung zur Klavierlehrerin 1901 am Kölner Konservatorium das Zeugnis als Konzertpianistin. Zunächst der Pädagogik zugewandt, gründete sie 1905 in der Bonner Dechenstraße das „Ziskoven-Konservatorium“, das sie in den Folgejahren zu einer der angesehensten Anstalten des Rheinlands ausbaute. Die Leitung des Instituts übergab sie 1913 ihrem Ehemann, dem jüdischen Musiker Gotthold Gumprecht, während sie selbst die Meisterklasse der Pianisten übernahm. Bald schon genoss das Institut in ganz Deutschland hohes Ansehen mit ständig steigenden Schülerzahlen, die 1927 einen Umzug in größere Räumlichkeiten in die Koblenzer Straße notwendig machten. Bis 1930 stieg die Zahl der Schüler auf 400 und die der Lehrkräfte auf 30 an. Erst seit 1933 kam es wegen Angriffe auf ihren jüdischen Ehemann seitens der Nationalsozialisten und hämischer Artikel in der nationalsozialistischen Presse zu einem so rapiden Rückgang der Absolventen, dass Ziskoven gezwungen war das Institut, um dessen Erhalt zu sichern, 1936 an die Stadt Bonn zu verkaufen. Sie selbst wurde von der Reichskulturkammer wegen fehlender Eignung im Sinne der NS-Staatsführung mit einem Lehrverbot belegt, ebenso wurde ihr sogar der private (!) Klavierunterricht verboten, wodurch sie ihrer Lebensgrundlage beraubt wurde. Nachdem ihr Ehemann wegen der drohenden Einweisung in ein KZ 1939 nach England geflohen war, wählte Ziskoven am 10.5.1940 den Freitod im Rhein.

Das Konservatorium, dessen Leitung zunächst Gustav Classens und seit 1941 Josef Schmidt-Görg übernommen hatten, wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört. Danach stellte man den Lehrbetrieb ein. Bis heute erinnert leider weder eine Gedenktafel noch eine Straßenbenennung an sie!

Quelle: Josef Niesen, Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011.

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